Ärzte Zeitung, 04.10.2007

Neue Scores für Patienten mit chronischen Wunden

Zwei Skalen lassen Aussagen über die Prognose zu

DIJON (sir). Neue Punktskalen ermöglichen es, Patienten mit chronischen Wunden je nach Heilungswahrscheinlichkeit in Gruppen einzuteilen.

Für die Wahl einer Therapie und die Entscheidung für oder gegen eine Amputation seien zuverlässige Vorhersagen wichtig, sagte Professor Stefan Coerper aus Tübingen bei einer Veranstaltung des Unternehmens Urgo in Dijon. Coerper und seine Arbeitsgruppe von der Tübinger Wundsprechstunde haben dafür zwei neue Scores erarbeitet. Damit werden Patienten mit diabetischem Ulkus oder allgemein mit chronischen Wunden in fünf Prognose-Gruppen eingeteilt.

Die Prognose von Patienten mit diabetischen Ulzera ließ sich am besten nach dem DUSS-Score (Diabetic Ulcer Severity Score) bewerten:

  • Tastbarkeit des Knochens in der Wunde
  • Keine Tastbarkeit der Fußpulse
  • Vorhandensein multipler Wunden
  • Lokalisation am Fuß (versus Zehe)

 Eine hohe DUSS-Punktzahl korrelierte mit der Größe der Wundfläche, der Notwendigkeit stationärer Aufnahme und der Zahl der Operationen, auch der Amputationen. Waren die Wunden infiziert, so hatten jene Patienten die schlechtesten Aussichten, bei denen trotz Therapie eine Infektion auftrat. In einer Studie lagen die Heilungsraten je nach DUSS-Score zwischen 55 und 93 Prozent.

Für den MAID-Score ermittelten die Autoren unabhängig von der Ätiologie der Wunde diese Kriterien :

  • multiple Wunden (multiple wounds)
  • Wundgröße (Area) über 5 cm²
  • Fußpulse nicht tastbar (Ischemia)
  • Wunddauer (Duration) über 200 Tage.

Für jedes Merkmal wurde jeweils ein (Negativ-)Punkt vergeben. Somit reichen MAID und DUSS von 0 bis 4 Punkten. Bei beiden steht eine Punktzahl von 0 für die beste, eine Punktzahl von 4 für die schlechteste Prognose. "Diese Scores kann jeder Kliniker in kurzer Zeit erheben", betonte Coerper. Je nach MAID-Score lagen die Heilungsraten zwischen 34 und 84 Prozent.

Für das Aufstellen der Skalen hat Coerper die Krankheitsverläufe von mehr als 2000 Wundpatienten prospektiv dokumentiert.

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