Ärzte Zeitung, 26.09.2007

Medizin bestens, Betreuung lückenhaft

Internationaler Kongress der Kinderdiabetologen diskutiert in Berlin Modelle der sozialpädiatrischen Betreuung

BERLIN (HL). Neue Konzepte der gesundheitlichen Betreuung von Kindern und Jugendlichen mit Typ 1-Diabetes in Kindergärten und Schulen diskutieren Experten bis Samstag beim 33. Jahrestreffen der Internationalen Gesellschaft für Kinder- und Jugend-Diabetologie in Berlin.

Typ 1-Diabetes ist die häufigste chronische Krankheit bei Kindern und Jugendlichen. Sie haben eine um 15 Jahre geringere Lebenserwartung als ihre gesunden Altersgenossen. Die Inzidenz steigt jährlich um etwa drei bis vier Prozent. Deutschland nimmt im internationalen Vergleich mit zwölf auf 100 000 Einwohner einen mittleren Platz ein.

Wie Professor Thomas Danne vom Kinderkrankenhaus Auf der Bult in Hannover berichtete, hat sich in den vergangenen 20 Jahren ein genereller Therapiewechsel vollzogen: Die konventionelle Zwei-Injektionen-Behandlung wurde fast vollständig zunächst durch eine intensivierte Insulin-Therapie, schließlich seit etwa fünf Jahren teilweise durch Einsatz von Insulin-Pumpen ersetzt. Aber: Die innovativen Behandlungsregime sind sehr viel komplexer und im Lebensalltag der betroffenen Kinder schwierig zu handhaben. Die familiäre Situation - beide Eltern sind berufstätig oder die Mutter erzieht ihre Kinder alleine - erfordert eine oft ganztätige Betreuung der Kinder außerhalb der Familie.

Weder Kindergärtnerinnen noch Lehrer haben das Know how, den Kindern bei der Insulingabe zu helfen, geschweige denn mit Komplikationen umzugehen. Hinzu treten rechtliche Unsicherheiten. In Europa, so die Pädiaterin Barbara Anderson vom Kinderhospital in Houston (Texas) gibt es eine adäquate sozialpädiatrische Betreuung durch Schwestern nur in Luxemburg. Eines der Ziele des Kongresses ist es, ein vor zwei Jahren in Kopenhagen gestartetes Programm, mit dem Betreuungsmodelle für die jungen Diabetiker entwickelt werden sollen, zu diskutieren.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Weiterbildung auch mit Kind zügig möglich - im Verbund!"

Eine strukturierte Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt für die "Ärzte Zeitung" auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »