Direkt zum Inhaltsbereich

Zwei orale Antidiabetika ergänzen sich

AMSTERDAM (hbr). Die oralen Antidiabetika Metformin und Sitagliptin wirken offenbar komplementär: Beide steigern den Spiegel des aktiven GLP-1 (Glucagon-like Peptide 1) auf unterschiedliche Weise. Das kann die Glukosekontrolle der Patienten verbessern.

Veröffentlicht:

In der Kombination ist die Wirkung sogar noch größer als die der beiden einzelnen Substanzen, so Professor Michael Nauck vom Diabeteszentrum Bad Lauterberg. Das belegen die Daten einer bei einem Diabeteskongress in Amsterdam präsentierten Studie. Sie verglich die Effekte beider Substanzen auf das gastrointestinale Hormon GLP-1. GLP-1 wird bei Nahrungsaufnahme freigesetzt und stimuliert glukoseabhängig die Insulinsekretion. Bei Gesunden ist es für etwa 60 Prozent der Insulinantwort ursächlich. Außerdem bremst es den Blutzuckeranstieg, indem es die Freisetzung von Glukagon hemmt.

Bei Typ-2-Diabetikern ist der GLP-1-Spiegel verringert. Von Sitagliptin war bereits bekannt, dass es den Spiegel an aktivem GLP-1 erhöht, von Metformin nicht. In der Untersuchung erhielten 18 gesunde Probanden täglich 100 mg Sitagliptin (Januvia®), 1000 mg Metformin, 100 mg des Gliptins plus 1000 mg Metformin oder ein Placebo. Jedes Therapieschema wurde zwei Tage lang durchgehalten. Jeweils am zweiten Tag aßen die Probanden zwei Stunden nach der Medikamenteneinnahme eine Standardmahlzeit. Das aktive und das Gesamt-GLP-1 vor und nach dem Essen wurden gemessen.

Im Vergleich zur Placebobehandlung stieg die aktive GLP-1-Konzentration nach der Mahlzeit in allen Verumgruppen signifikant: mit Sitagliptin auf das Zweifache, mit Metformin auf das 1,8-fache und mit der Kombination auf das 4,1-fache, so Nauck bei einer Veranstaltung von MSD. Der Hauptanstieg erfolgte jeweils in der ersten Stunde. Der Gesamt-Wert, der aktives und inaktives GLP-1 beinhaltet, nahm nur mit Metformin zu.

Demnach können sich beide Wirkstoffe gegenseitig ergänzen. Denn die gleichzeitige Erhöhung der aktiven und der Gesamtkonzentration unter Metformin ist durch Förderung der GLP-1-Freisetzung erklärbar. Sitagliptin hält das aktive GLP-1 länger aktiv, indem es seinen Abbau hemmt und erhöht so dessen Konzentration.

Wirksamkeit wird bei der Kombination verdoppelt.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Chance auf frühe Diagnose?

Pankreaskrebs: Welche Verschreibungen Verdacht wecken sollten

Das könnte Sie auch interessieren
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Impfstoffeffektivität gegen Post COVID-Beschwerden

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [14]

Jährliche COVID-19-Impfung

Empfohlen für ein breites Risikokollektiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BioNTech Europe GmbH, Mainz

Opioid-induzierte Obstipation

Paradigmenwechsel in der Behandlung: Vom Stuhl zum Nervensystem

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Grünenthal GmbH, Aachen
Abb. 1: Die kardiorenalmetabolische Organachse: ganzheitliche Versorgung durch interdisziplinäre Zusammenarbeit (Quelle: Michalopoulou E et al., J Clin Med 2025, 14:428)

© Springer Medizin Verlag

Biomarker gegen Diabetes-Folgen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Mannheim
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

162 Studien ausgewertet

Häufigkeit von zerebralen Aneurysmata nimmt zu

Lesetipps
Körpersprache ist stärker als das gesprochene Wort. Man kann aufgebrachten Patienten daher durchaus auch die Handfläche zeigen, also leicht ausgestreckter Arm, man zeigt die Handfläche und signalisiert dem Patienten „Stopp“, so Praxisberaterin Christiane Fleißner-Mielke.

© Doodeez / Stock.adobe.com

Praktische Tipps

Aufgebrachte Patienten? Wie Praxisteams sicher deeskalieren

Ärztin untersucht Schilddrüse

© Peakstock - stock.adobe.com

Systematische Ursachensuche

Therapierefraktäre Hypothyreose: Was steckt dahinter?