Ärzte Zeitung, 18.12.2007

Therapie gegen Depressionen lässt Diabetiker länger leben

Arznei- plus Psychotherapie reduziert Sterberate in fünf Jahren um die Hälfte

PHILADELPHIA (mut). Bei Diabetikern lohnt sich nicht nur der Blick auf den HbA1c-Wert, sondern auch einer auf die Stimmung. Denn mit einer antidepressiven Therapie können Ärzte das Leben von depressiven Diabetikern deutlich verlängern.

 Therapie gegen Depressionen lässt Diabetiker länger leben

Haben Diabetiker schwere Depressionen, ist oft die Compliance beeinträchtigt.

Foto: ill

Depressionen und Diabetes - diese beiden Krankheiten treten häufig zusammen auf. So kommen Depressionen bei Diabetikern etwa doppelt so oft vor wie in der übrigen Bevölkerung: Nach Schätzungen hat jeder fünfte bis jeder dritte Diabetiker in Deutschland eine Depression. Und depressive Diabetiker sterben besonders früh. Eine Therapie gegen Depressionen ist daher ebenso wichtig wie die antidiabetische Behandlung, berichten Ärzte aus Philadelphia in den USA.

Sie kommen zu diesem Schluss aufgrund einer Studie mit 584 Depressiven, die zu Studienbeginn alle älter als 60 Jahre waren. Von ihnen hatte etwa ein Fünftel Diabetes. Ein Teil der Depressiven erhielt eine antidepressive Therapie (Arznei plus Psychotherapie), die von einem Care-Manager überwacht wurde. Dieser betreute die Patienten intensiv, kontrollierte den Therapie-Erfolg und erkundigte sich nach unerwünschten Wirkungen. Bei den übrigen Patienten wurde den behandelnden Ärzten lediglich die Diagnose Depression mitgeteilt.

Das Ergebnis: Nach im Median 4,3 Jahren waren 29 Prozent der depressiven Diabetiker mit intensiver antidepressiver Therapie gestorben, ohne intensive Betreuung dagegen 45 Prozent. Wurden Faktoren wie Alter und Komorbiditäten berücksichtigt, so war die Sterberate in der Gruppe ohne intensive Therapie sogar doppelt so hoch.

Bei den Depressiven ohne Diabetes gab es zwischen beiden Gruppen kaum einen Unterschied (16 versus 17 Prozent). Die Autoren gehen davon aus, dass die antidepressive Therapie die Compliance für Antidiabetika steigert und somit die Prognose verbessert (Diabetes Care 30, 2007, 2005).

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Weiterbildung auch mit Kind zügig möglich - im Verbund!"

Eine strukturierte Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt für die "Ärzte Zeitung" auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »