Ärzte Zeitung, 13.03.2008

Hilfe zum Abspecken für Diabetiker

Übergewichtige Patienten sollten ihre gewohnte Kost schrittweise ändern / Selbstkontrolle ist zu trainieren

MÜNSTER (hbr). Den meisten Patienten mit Diabetes ist die Notwendigkeit einer gesunden Ernährung klar und sie würden ihr Essverhalten gerne ändern. Doch die Versuche schlagen oft fehl: Die Patienten brauchen Unterstützung.

 Hilfe zum Abspecken für Diabetiker

Eine fettarme Ernährung mit vielen Milch- und Vollkorn-Produkten sowie frischem Obst und Gemüse ist als Basistherapie bei Typ-2-Diabetes unerlässlich.

Foto: imago

Die Gründe des Scheiterns sind vielfältig - etwa die natürliche Anpassung des Menschen an knappe Nahrung. "Der Mensch ist nicht auf Überschuss ausgerichtet", sagt Privatdozentin Karin Lange von der medizinischen Hochschule Hannover. So unterstützen allein 250 Adipositas-Gene die genetische Prädisposition auf Hunger. Denn wer in guten Zeiten speichert, hat in mageren Phasen Rücklagen. Auch der Jojo-Effekt beim Abnehmen kann als eine solche Anpassung gesehen werden.

Dazu kommt die angeborene Lust auf Süßes und ein Essverhalten, das schon in früher Kindheit geprägt wird. Stress und Emotionen beeinflussen ebenfalls die Nahrungsaufnahme. Einem Arzt, der Patienten mit Typ-2-Diabetes zum Abnehmen bringen will, muss klar sein, dass Betroffene gegen über 50 Jahre alte Gewohnheiten ankämpfen müssen.

Patienten benötigen also schrittweise Hilfe beim Umstellen der Ernährung. Das umfasst Motivation, das konkrete Vorgehen und Strategien zum dauerhaften Beibehalten der neuen Gewohnheiten. Zunächst wird ermittelt, wie problematisch der Patient selbst sein Gewicht findet. Etwa mit der Frage "Wie stehen Sie zu Ihrem Gewicht?". Denn was der Arzt als riskante Adipositas einstuft, hält ein Betroffener vielleicht nur für "eine gute Statur", so Lange auf der Diabetesmesse in Münster.

Patienten hilft es zudem zu wissen, was zum Beispiel eine Gewichtsreduktion von 5 kg bringen kann. Bei Erwachsenen etwa fördert die Hoffnung auf bessere Blutzuckerwerte die Motivation, bei Kindern dagegen die Aussicht auf weniger Hänseleien in der Schule. Verhaltenspläne werden individuell entwickelt. So kann ein Patient leichter Süßes reduzieren, ein anderer eher Fleisch. Der Rat, ein Nahrungsmittel um 20 Prozent zu verringern, scheitert oft an den Rechenkünsten. Dann sind klare Regeln nötig, zum Beispiel "gar kein Zucker". Auch die Fähigkeit zur Selbstkontrolle muss trainiert werden - etwa durch den Bahnhof zu gehen, ohne jedes Mal etwas Essbares zu kaufen.

Wichtig sind realistische Ziele; es geht um eine Gewichtsabnahme von fünf bis zehn Prozent und darum, den Erfolg zu halten. Außerdem, so Lange bei einem Symposium des Unternehmens Abbott, sollte man ehrlich sein: Übergewichtige haben auch nach dem Abnehmen ein chronisches Gewichtsproblem und müssen dauerhaft darauf achten.

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