Ärzte Zeitung, 28.03.2008

Ab 94 cm Taillenumfang wird‘s kritisch

Bauchfettmenge per Maßband abschätzbar / Viszerales Fett wirkt stark atherogen und fördert Entzündungen

NEU-ISENBURG (jma). Ein erhöhter Taillenumfang ist das äußerlich sichtbare Zeichen für zu viel viszerales Bauchfett. Haben Frauen einem Taillenumfang über 80 cm oder Männer einen Umfang über 94 cm, ist bei ihnen sowohl das Risiko für Typ-2-Diabetes als auch für kardiovaskuläre Ereignisse erhöht.

 Ab 94 cm Taillenumfang wird‘s kritisch

Viszerales Bauchfett ist ein wichtiger Risikofaktor für Diabetes und kardiovaskuläre Erkrankungen.

Foto: ABDA

Mit dem Übergewicht steigt das Risiko für Atherosklerose und Typ-2-Diabetes. Der BMI korreliert jedoch nicht gut mit dem Risiko. Wesentlich aussagekräftiger ist das Fettverteilungsmuster. In den vergangenen Jahren hat sich herausgestellt, dass übergewichtige Patienten mit abdomineller Fettverteilung ein besonders stark erhöhtes Risiko haben.

Subkutanes Fett wirkt nur wenig atherogen

Ausschlaggebend ist hier das viszerale Fettdepot - das überschüssige Fett, das sich um die Bauchorgane sammelt. Befindet sich das Fett dagegen vor allem subkutan über den Körper verteilt, ist das Risiko gering. Bei einer Messung des Taillenumfangs gilt die Richtlinie der International Diabetes Federation (IDF, 2005): Mehr als 94 cm sollten es bei Männern nicht sein, bei Frauen nicht mehr als 80 cm. Die Deutsche Adipositas-Gesellschaft veröffentlichte 2006 noch etwas moderatere Zahlen: 102 cm bei Männern, 88 cm bei Frauen.

Viszerales Fett funktioniert wie ein endokrines Organ

Was das viszerale vom subkutanen Fettgewebe unterscheidet, berichten Forscher von der Universität Leipzig: Fettgewebe wird heute nicht nur als Energiespeicher, sondern auch als endokrines Organ aufgefasst. Die anatomische Lokalisation des viszeralen Fettgewebes hat eine besondere Bedeutung, da Metaboliten und Adipokine aus dem Gewebe in das Pfortadersystem freigesetzt werden und damit unverdünnt in der Leber wirken (Internist 48, 2007, 126).

Zusätzlich hat das viszerale im Vergleich zum subkutanen Fettgewebe eine niedrigere Insulinsensitivität. Hinzu kommt eine höhere Katecholaminempfindlichkeit und damit eine höhere Lipolyserate, die zur verstärkten Freisetzung freier Fettsäuren führt. Dies erhöht die Konzentration kleiner, besonders atherogener LDL-Cholesterin-Partikel, was die Entwicklung einer Atherosklerose fördert. Auch der HbA1c-Wert und die Triglyzeride steigen.

Das Fettgewebe als endokrines Organ sezerniert außerdem viele so genannte Adipokine. Dazu gehören auch Interleukin-6 und Tumornekrosefaktor alpha (TNF-α). Sie führen zu einer Abnahme der Insulinempfindlichkeit.

Botenstoffe aus dem Bauchfett begünstigen Entzündungen

Zudem lösen diese Faktoren unterschwellig chronische Entzündungen aus und begünstigen dadurch Gefäßschäden. Mit der Zunahme des Fettgewebes sinkt auch die Synthese von Adiponektin. Diese Substanz hat antientzündliche und antiatherogene Effekte und wirkt zusätzlich als körpereigener Insulinsensibilisator.

Informationen zur Richtlinie der IDF: www.idf.org/webdata/docs/IDF_prevention_consensus_DM.pdf

Messung des Taillenumfangs

Viszerales Bauchfett führt zu Diabetes und kardiovaskulären Erkrankungen. Mit dem Taillenumfang ist das Risiko einfach abzuschätzen: Gemessen wird im Stehen mit freiem Oberkörper, das Maßband wird in gerader Linie zwischen dem unteren Rippenbogen und dem Beckenkamm herumgeführt. Der Taillenumfang wird nun bei leichter Ausatmung bestimmt. Mehr als 94 cm sollten es bei Männern nicht sein, bei Frauen nicht mehr als 80 cm.

(eb)

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