Ärzte Zeitung, 28.05.2008

Gedünstete Kost ist für Diabetiker ideal

Mahlzeiten mit reichlich Wasser und Ballaststoffen machen auch ohne viele Kalorien satt

MÜNCHEN (sir). Fette fördern Adipositas, Kohlenhydrate erhöhen den Blutzucker und Proteine können die Nieren belasten: Menschen mit Diabetes wissen manchmal nicht, was sie noch essen dürfen. Experten plädieren für eine ballaststoffreiche Kost mit hohem Wassergehalt.

 Gedünstete Kost ist für Diabetiker ideal

Studie: Hühnersuppe sättigt besser als Hühnerpfanne.

Foto: amarina©www.fotolia.de

Nicht der Energiegehalt, sondern das Volumen einer Mahlzeit trägt entscheidend zur Sättigung bei, hat Professor Ursel Wahrburg bei einem Symposium der neuen Abbott Diabetes Akademie betont. Die Ökotrophologin von der Fachhochschule Münster berichtete von einer Studie dazu. Die Teilnehmer waren nach einer Hähnchen-Gemüse-Reis-Suppe deutlich satter als nach einer Hähnchen-Gemüse-Reis-Pfanne, und das bei gleicher Kalorienzahl.

Dabei hatte es keinen Einfluss, ob zu dem gebratenen Gericht ein Glas Wasser getrunken wurde. "Günstig im Sinne der Energiedichte sind Nahrungsmittel mit wenig Fett, vielen Ballaststoffen und einem hohen Wassergehalt", sagte Wahrburg bei der Veranstaltung während des Diabeteskongresses in München.

Sie empfiehlt Obst und Gemüse, Vollkornprodukte sowie gekochte und gedünstete Gerichte. Ebendiese Nahrungsmittel schneiden noch aus weiterem Grund gut ab: "Sie enthalten nur wenig sogenannte Advanced Glycation Endproducts", erklärte Dr. Monika Negrean vom Herz- und Diabeteszentrum NRW in Bad Oeynhausen. Advanced Glycation Endproducts (AGE) sind durch Glykierung dauerhaft modifizierte Proteine; sie entstehen bei alten Menschen und Diabetikern verstärkt endogen. Häufig werden sie auch über Zigarettenrauch aufgenommen.

"Außerdem sind sie in lange und intensiv erhitzten und verarbeiteten Lebensmitteln enthalten, etwa in Gebratenem und Gegrilltem", so Negrean. Etwa 10 Prozent der Nahrungs-AGE werden resorbiert, jedoch nur ein Drittel wieder ausgeschieden. Die Folgen: "Ein Zuviel an AGE schadete im Tierversuch dem Immunsystem und der Wundheilung und verursachte Insulinresistenz. Eine AGE-arme Ernährung dagegen konnte diabetische Nephropathie, Restenosen nach Gefäßverletzung sowie Gewichtszunahme verringern oder verhindern", so Negrean. "In klinischen Studien besserte eine AGE-arme Ernährung sowohl die Endothelfunktion als auch die Knochendichte."

Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung berät Patienten individuell. Infos: www.dife.de unter "Service"

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Mehr Metastasen

Immer mehr Männer mit Prostatakrebs in den USA haben schon bei der Diagnose Metastasen. Ihr Anteil hat sich fast verdoppelt. Auch die Inzidenz solcher Tumoren nimmt zu. mehr »

Deutsches Defizit

Diabetes-Prävention, Strategien gegen Polypharmazie, digitale Versorgungsangebote: Neue Initiativen gibt es zuhauf. Doch Patienten müssen davon wissen. Genauo daran hapert es aber. mehr »

"Einfache Ersttherapie ist für fast alle Patienten möglich"

Die antiretrovirale Therapie ist bei neu diagnostizierter HIV-Infektion stets angezeigt, und zwar unabhängig vom Stadium der Infektion oder der Helferzellzahl. mehr »