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Ärzte Zeitung, 28.05.2008

Blutzuckerspitzen stressen die Gefäße

Zwei Stunden postprandial sollten die Glukosewerte unter 140 mg/dl liegen

MÜNCHEN (sir). Der HbA1c-Wert ist nicht alles: Direkten Einfluss auf kardiovaskuläre Funktionen bei Menschen mit Diabetes haben auch starke Schwankungen der Blutglukosewerte. Erfassen kann man sie mit der Mean Amplitude of Glycemic Excursions (MAGE).

 Blutzuckerspitzen stressen die Gefäße

Mit Selbstmessung kommt man Blutzuckerschwankungen auf die Spur.

Foto: Roche

"Die Hyperglykämie, besonders die postprandiale, sowie die Fluktuation der Glukosewerte verschlechtern die Funktion der Endothelzellen bei Patienten mit Diabetes." Dies betont Professor Markolf Hanefeld vom Zentrum für Klinische Studien der TU Dresden. So hatte eine Studie während Phasen postprandialer Hyperglykämie eine paradoxe Verringerung des myokardialen Blutflusses und Blutvolumens gezeigt (Circulation 112, 2005, 179).

"In den aktualisierten Leitlinien der International Diabetes Federation wurde die postprandiale Hyperglykämie als schädlich und behandlungsbedürftig klassifiziert", so Hanefeld auf einem vom Unternehmen Hoffmann-La  Roche unterstützten Symposium. Die Zwei-Stunden-Blutzucker-Werte sollten demnach unter 140 mg/dl liegen. Um postprandiale Blutzuckerspitzen überhaupt zu ermitteln, sei eine regelmäßige Blutzuckerselbstkontrolle unabdingbar, so Hanefeld: "Diabetespatienten ohne Insulintherapie sollten wenigstens einmal wöchentlich vier Messungen machen: morgens und dann zwei Stunden nach jeder Hauptmahlzeit."

"Eine große glykämische Variabilität verstärkt offenbar den oxidativen Stress", sagte Professor Oliver Schnell vom Institut für Diabetesforschung in München. Er bezog sich dabei auf eine weitere Studie (JAMA 295, 2006, 1681). Abbilden lasse sich die glykämische Variabilität am besten mit der Mean Amplitude of Glycemic Excursions, kurz: MAGE. Dieser Wert muss aus mehreren prä- und postprandialen Messwerten errechnet werden. Das lohne sich aber, so Schnell: MAGE habe zum Beispiel zum Parameter "oxidativer Stress" eine deutlich höhere lineare Korrelation als der HbA1c-Wert und postprandiale Glukose. "Bei der Beurteilung der Stoffwechsellage könnte die glykämische Variabilität künftig wieder eine größere Rolle spielen" so Schnell.

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