Ärzte Zeitung, 30.05.2008

Glukosekurve deckt Therapiemangel auf

Daten-Managementsysteme erleichtern Ärzten und Diabetikern die Interpretation von Blutzuckerwerten

MÜNCHEN (sir). Manchmal sagt ein Bild mehr als tausend Zahlen. Mit einem Management-System, das die Daten grafisch aufbereitet, lässt sich bei der Auswertung viel Zeit sparen. Ein Beispiel dazu ist beim Diabeteskongress in München vorgestellt worden.

Tabellen aus dem Tagebuch einer Diabetikerin im Vergleich zur grafischen Aufbereitung der Daten: Dass die postprandialen Blutzuckerwerte oft nicht im grünen Bereich sind, springt in der Kurve sofort ins Auge. Zum Essen ist mehr Insulin nötig.

"Wenn Menschen mit Diabetes und Insulintherapie in eine Schwerpunktpraxis kommen, bringen sie bis zu 1000 Zahlenwerte mit", sagt der Diabetologe Dr. Andreas Reichel. Denn: "Soviel summiert sich im Quartal auf - bei drei bis sechs Blutzuckermesswerten und vier bis fünf Insulindosen pro Tag". Die daraus generierten Zahlenkolonnen zu analysieren, koste auch im besten Fall im Routinebetrieb viel Zeit, so der Oberarzt vom Klinikum der TU Dresden.

Bei einem vom Unternehmen Hoffmann-La Roche unterstützten Symposium präsentierte der Diabetologe eine Seite aus einem sorgfältig von Hand ausgefüllten Diabetestagebuch. Notiert sind auf den Seiten links drei Insulinboli, rechts vier Blutzuckermesswerte für jeden Tag. "Der Langzeitblutzuckerwert HbA1c der Patientin war mit 7,8 Prozent nicht sehr schlecht, aber auch längst nicht optimal", sagte Reichel.

Intensivierte Insulintherapie setzt Blutzuckerselbstmessungen voraus.

Foto: dpa

"Das hatte einen konkreten Grund: Manche Mittags- oder Abendmahlzeiten waren fehlerhaft bilanziert." Das Problem erschließe sich einem Arzt durchaus auch nach intensivem Studium der Tabellen. Bei einer grafischen Darstellung, etwa mit dem Daten-Managementsystem Accu-Chek® 360°, springe das Problem aber sofort ins Auge (siehe Abbildung).

Reichel zählte weitere Vorteile dieses Systems auf: "Daten aus allen kompatiblen Messgeräten und Insulinpumpen können via Infrarot-Schnittstelle am Empfang der Arztpraxis eingelesen werden", sagte er. "Die Software ist netzwerkfähig. Daher stehen die Blutzuckerverläufe dem Arzt im Sprechzimmer sofort zur Verfügung, sehr anschaulich und motivierend auch für das Patientengespräch." Des Weiteren werde der Umgang mit Leistungsträgern vereinfacht: "Dokumentation, Qualitätsnachweis und Leistungsanträge gelingen überzeugender und mit viel weniger Aufwand", sagte der Diabetologe.

Ein wichtiger Aspekt sei das Selbstmanagement der Patienten: "Bereits jetzt können sie mit einer einfachen, preisgünstigen Hardware (Accu-Chek® Smart Pix 2.0) ihre Verläufe selbst auslesen und auf einer Website anschauen", sagte Reichel. Er hat ein dazu passendes Schulungsmaterial für seine Insulinpumpenträger entwickelt, das er derzeit in einer Studie testet. Die Patienten sollen damit noch besser in der Lage sein, auf häufig vorkommende Profilverschiebungen selbst zeitnah und richtig zu reagieren. Demnächst soll außerdem eine Patientenversion des Accu-Chek 360°-Systems zur Verfügung stehen, welche zusätzlichen Komfort bietet.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »