Ärzte Zeitung, 05.05.2009

Weniger Hypoglykämien mit basaler Therapie bei Typ 2

Sollen Typ-2-Diabetiker Insulin zu ihren oralen Antidiabetika erhalten, muss man sich zwischen prandialem Insulinbolus und basalem Insulin entscheiden.

Insulininjektion an typischer Stelle.

Foto: Andrzej Tokarski ©www.fotolia.de

BERLIN (sir). Eine Zusatztherapie mit basalem Insulin, auch basal-unterstützte orale Therapie (BOT) genannt, verursacht weniger Hypoglykämien und weniger Gewichtszunahme. "Nach den Daten der 4T-Studie bewirkt die Zugabe eines prandialen Insulins eine etwas bessere HbA1c-Senkung als die BOT", sagte Profes-sor Reinhard G. Bretzel aus Gießen bei einer Veranstaltung von Sanofi-Aventis. "Dafür hat aber das prandiale Insulin, das dreimal täglich zu den Mahlzeiten gegeben wird, mehr Gewichtszunahme und mehr Hypoglykämien verursacht."

Letzteres bestätigen die im "Lancet" veröffentlichten Ergebnisse der APOLLO-Studie, die von Bretzel geleitet wurde (Lancet 371, 2008, 1073). Hier erhielten 412 Typ- 2-Diabetiker, deren orale Therapie nicht mehr genügte, zusätzlich entweder das kurz wirksame Insulin lispro zu den drei Hauptmahlzeiten des Tages als Bolusgabe oder das 24 Stunden lang wirksame Insulin glargin einmal täglich als Basalinsulin. Nach 44-wöchiger Behandlung hatte die Mehrheit der Patienten beider Gruppen den HbA1c-Zielwert von unter sieben Prozent erreicht (durchschnittlich: Insulin lispro 6,85 Prozent, Insulin glargin 6,98 Prozent). Dabei gab es allerdings in der prandial behandelten Gruppe 24,4 Hypoglykämien pro Patientenjahr, in der BOT-Gruppe nur 5,4. Das schlug sich auch in der Patientenzufriedenheit nieder: Der Lebensqualitäts-Score DTSQ verbesserte sich mit Insulin lispro nur um 3,0, mit Insulin glargin jedoch um 6,1 Punkte.

Die Herausgeber des "Lancet" stellten dazu fest: "Die zusätzliche Gabe von Insulin glargin zu Therapien mit oralen Antidiabetika kann als First-Line-Strategie für den Beginn einer Insulintherapie bei Typ 2-Diabetes mellitus angesehen werden."

Bereits einige Wochen zuvor waren die Ergebnisse einer anderen Studie mit 1017 Typ 2-Diabetikern veröffentlicht worden. Hier wurde die Nicht-Unterlegenheit von Insulin glargin versus NPH-Insulin getestet. Beide Therapieregimes senkten über fünf Jahre effektiv den HbA1c-Wert der Patienten von etwa 8,2 auf 7,2 Prozent. Darüber hinaus erlitten die mit dem Analoginsulin behandelten Patienten - entgegen den Erwartungen - etwas seltener eine Progression der Retinopathie als die mit NPH-Insulin therapierten (14 versus 16 Prozent). Außerdem gab es auch hier mit Insulin glargin weniger Hypoglykämien.

APOLLO: A Parallel design, comparing an Oral antidiabetic drug combination therapy with either Lantus once daily or Lispro at mealtime in type 2 diabetes patients, failing Oral treatment

Aufdosierung von Insulin glargin

  • Startdosis: 10 Internationale Einheiten (IE) täglich
  • Wenn bei Blutzuckerselbstkontrolle an zwei aufeinanderfolgenden Tagen keine schwere Hypoglykämie bei Nüchternblutzucker von 8,9 mmol/l (› 160 mg/dl): zusätzliche 8 IE pro Tag, 7,8 bis 8,9 mmol/l, 140 bis 160 mg/dl): zusätzliche 6 IE pro Tag, 6,7 bis = 7,8 mmol/l
  • (120 bis 140 mg/dl):

    zusätzliche 4 IE pro Tag, 5,5 bis ‹= 6,7 mmol/l (100 bis 120 mg/dl):

    zusätzliche 2 IE pro Tag, = 5,5 mmol/l (= 100 mg/dl): keine weitere Insulinzugabe

    Lesen Sie dazu auch:
    Training zum Gefühl für die richtige Insulinmenge
    Mit Telemedizin zum Abnehmen
    Was Diabetiker wissen müssen, die eine Fernreise antreten
    Exenatide hilft beim Abspecken

    Lesen Sie dazu auch kurz notiert:
    Niedriger glykämischer Index bringt es
    Psychoedukation lindert Depressionen
    Hohes Erkrankungsrisiko nach Gestationsdiabetes
    Rauchen ist bei Typ-1-Diabetes verbreitet
    Große Diabetes-Tagung steht vor der Tür

    Schreiben Sie einen Kommentar

    Überschrift

    Text

    Zahl der Behandlungsfehler stagniert

    "Fehler passieren, auch in der Medizin. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass Patienten durch einen Behandlungsfehler zu Schaden kommen, ist extrem gering." So lautete das Fazit von Dr. Andreas Crusius bei der Vorstellung der Behandlungsfehlerstatistik. mehr »

    Naturvolk mit erstaunlich gesunden Gefäßen

    In einer geradezu heroischen Studie haben US-Forscher Eingeborene der Amazonas-Region zur Calcium-Score-Messung in einen CT-Scanner geschoben. Noch nie wurde ein Volk mit so gesunden Arterien beschrieben. mehr »

    Dann ist ein Hausbesuch abrechenbar

    Die vollständige und vor allem korrekte Abrechnung der so genannten Leichenschau stellt Ärzte immer wieder vor Probleme. Beispielsweise stellt sich die Frage nach der eigenständigen Berechnung des Hausbesuchs. mehr »