Direkt zum Inhaltsbereich

Weniger Hypoglykämien mit basaler Therapie bei Typ 2

Sollen Typ-2-Diabetiker Insulin zu ihren oralen Antidiabetika erhalten, muss man sich zwischen prandialem Insulinbolus und basalem Insulin entscheiden.

Veröffentlicht:
Insulininjektion an typischer Stelle.

Insulininjektion an typischer Stelle.

© Foto: Andrzej Tokarski www.fotolia.de

BERLIN (sir). Eine Zusatztherapie mit basalem Insulin, auch basal-unterstützte orale Therapie (BOT) genannt, verursacht weniger Hypoglykämien und weniger Gewichtszunahme. "Nach den Daten der 4T-Studie bewirkt die Zugabe eines prandialen Insulins eine etwas bessere HbA1c-Senkung als die BOT", sagte Profes-sor Reinhard G. Bretzel aus Gießen bei einer Veranstaltung von Sanofi-Aventis. "Dafür hat aber das prandiale Insulin, das dreimal täglich zu den Mahlzeiten gegeben wird, mehr Gewichtszunahme und mehr Hypoglykämien verursacht."

Letzteres bestätigen die im "Lancet" veröffentlichten Ergebnisse der APOLLO-Studie, die von Bretzel geleitet wurde (Lancet 371, 2008, 1073). Hier erhielten 412 Typ- 2-Diabetiker, deren orale Therapie nicht mehr genügte, zusätzlich entweder das kurz wirksame Insulin lispro zu den drei Hauptmahlzeiten des Tages als Bolusgabe oder das 24 Stunden lang wirksame Insulin glargin einmal täglich als Basalinsulin. Nach 44-wöchiger Behandlung hatte die Mehrheit der Patienten beider Gruppen den HbA1c-Zielwert von unter sieben Prozent erreicht (durchschnittlich: Insulin lispro 6,85 Prozent, Insulin glargin 6,98 Prozent). Dabei gab es allerdings in der prandial behandelten Gruppe 24,4 Hypoglykämien pro Patientenjahr, in der BOT-Gruppe nur 5,4. Das schlug sich auch in der Patientenzufriedenheit nieder: Der Lebensqualitäts-Score DTSQ verbesserte sich mit Insulin lispro nur um 3,0, mit Insulin glargin jedoch um 6,1 Punkte.

Die Herausgeber des "Lancet" stellten dazu fest: "Die zusätzliche Gabe von Insulin glargin zu Therapien mit oralen Antidiabetika kann als First-Line-Strategie für den Beginn einer Insulintherapie bei Typ 2-Diabetes mellitus angesehen werden."

Bereits einige Wochen zuvor waren die Ergebnisse einer anderen Studie mit 1017 Typ 2-Diabetikern veröffentlicht worden. Hier wurde die Nicht-Unterlegenheit von Insulin glargin versus NPH-Insulin getestet. Beide Therapieregimes senkten über fünf Jahre effektiv den HbA1c-Wert der Patienten von etwa 8,2 auf 7,2 Prozent. Darüber hinaus erlitten die mit dem Analoginsulin behandelten Patienten - entgegen den Erwartungen - etwas seltener eine Progression der Retinopathie als die mit NPH-Insulin therapierten (14 versus 16 Prozent). Außerdem gab es auch hier mit Insulin glargin weniger Hypoglykämien.

APOLLO: A Parallel design, comparing an Oral antidiabetic drug combination therapy with either Lantus once daily or Lispro at mealtime in type 2 diabetes patients, failing Oral treatment

Aufdosierung von Insulin glargin

  • Startdosis: 10 Internationale Einheiten (IE) täglich
  • Wenn bei Blutzuckerselbstkontrolle an zwei aufeinanderfolgenden Tagen keine schwere Hypoglykämie bei Nüchternblutzucker von 8,9 mmol/l (› 160 mg/dl): zusätzliche 8 IE pro Tag, 7,8 bis 8,9 mmol/l, 140 bis 160 mg/dl): zusätzliche 6 IE pro Tag, 6,7 bis = 7,8 mmol/l

(120 bis 140 mg/dl):

zusätzliche 4 IE pro Tag, 5,5 bis ‹= 6,7 mmol/l (100 bis 120 mg/dl):

zusätzliche 2 IE pro Tag, = 5,5 mmol/l (= 100 mg/dl): keine weitere Insulinzugabe

Lesen Sie dazu auch: Training zum Gefühl für die richtige Insulinmenge Mit Telemedizin zum Abnehmen Was Diabetiker wissen müssen, die eine Fernreise antreten Exenatide hilft beim Abspecken

Lesen Sie dazu auch kurz notiert: Niedriger glykämischer Index bringt es Psychoedukation lindert Depressionen Hohes Erkrankungsrisiko nach Gestationsdiabetes Rauchen ist bei Typ-1-Diabetes verbreitet Große Diabetes-Tagung steht vor der Tür

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Prävention und Therapie

In fünf Schritten zu einer besseren Adipositas-Versorgung

Das könnte Sie auch interessieren
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Rheumatoide Arthritis – auch auf die Lunge achten

© Springer Medizin Verlag

Rheumatoide Arthritis – auch auf die Lunge achten

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: medac GmbH, Wedel
Abb. 1: Diagnostik bei Harnsteinen: Prozedere bei Hochrisiko-Gruppe

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5, 11]

Hoher Medical Need

Urolithiasis: Metaphylaxe kann hohe Rezidivrate deutlich senken

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Aristo Pharma GmbH, Berlin
Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transition Betroffener in die Erwachsenenmedizin

© Pinit / stock.adobe.com / generiert mit KI

Pädiatrische cholestatische Lebererkrankungen

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transition Betroffener in die Erwachsenenmedizin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Mirum Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Neue Therapien

Gleich mehrere Durchbrüche bei seltenen Erkrankungen

Lesetipps
Ein Hautarzt untersucht die Haut mit einem Dermatoskop auf Melanom.

© Iryna&Maya / stock.adobe.com

Vergleich mit anderen Ländern

Hautkrebs-Screening in Deutschland laut Studie ohne klaren Nutzen