Diabetes

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Ärzte Zeitung, 08.09.2009

Bedroht diabetische Retinopathie alle Diabetiker?

Die diabetische Retinopathie ist die häufigste Ursache von Erblindungen bei Erwachsenen. Betroffen sind Typ-1- wie Typ-2-Diabetiker.

Von Prof. Hellmut Mehnert

Ja, die diabetische Retinopathie bedroht alle Diabetiker. Der frühere Irrglaube, dass die Retinopathie vorwiegend Typ-1-Diabetiker betrifft, ist ad absurdum geführt worden durch viele Untersuchungen, die bei langer Laufzeit des Diabetes und bei ungenügender Stoffwechseleinstellung auch und gerade bei Typ-2-Diabetikern eine Retinopathie erwiesen haben.

Der wesentliche Unterschied besteht lediglich darin, dass das proliferative Stadium vorwiegend bei Typ-1-Diabetikern, die gefürchtete Makulopathie jedoch bei Typ-2-Diabetikern zu beobachten ist.

Man unterscheidet heutzutage bei dem nichtproliferativen Stadium die milde Form (lediglich Mikroaneurysmen), die mäßig ausgeprägte Retinopathie (zusätzlich Punktblutungen und Perlschnurvenen) und die schwere Form (ausgeprägte Mikroaneurysmen und Blutungen in vier Quadranten, perlschnurartige Venen in zwei Quadranten) oder die intraretinale mikrovaskuläre Abnormität (Irma) in einem Quadranten.

Die diabetische Retinopathie ist die häufigste Ursache von Erblindungen bei Erwachsenen. Nach 20-jähriger Diabetesdauer haben bis zu 95 Prozent aller Patienten mit Typ-1 und 60 bis 80 Prozent aller Patienten mit Typ-2-Diabetes retinopathische Netzhautschäden infolge des Diabetes. Deshalb und wegen der in den letzten zwei bis drei Jahrzehnten stark verbesserten therapeutischen Möglichkeiten sind Funduskontrollen bei allen Diabetikern durch einen Augenarzt regelmäßig angezeigt: Kinder einmal jährlich im 5. Erkrankungsjahr oder bei einem Lebensjahr über 11 Jahre, ferner, wenn die Retinopathie bereits vorher festgestellt worden war; bei Erwachsenen grundsätzlich einmal jährlich zur Feststellung einer Retinopathie; bei Schwangeren wenn möglich - vor der geplanten Konzeption, sonst sofort bei der Diagnose, alle drei Monate vor der Entbindung oder bei bestehender Retinopathie jeden Monat. Der Fundus bei Typ-2-Diabetikern ist sofort bei der Diagnosestellung zu kontrollieren. Denn es ist zu bedenken, dass zwischen Manifestation und Diagnose dieses Diabetestyps oft zehn Jahre liegen, anschließend ist einmal jährlich zu kontrollieren oder gemäß den Empfehlungen des Augenarztes.

Als Präventions- und Therapiemaßnahmen sind wichtig eine Stoffwechselführung mit einem Zielwert unter 6,5 Prozent HbA1c, eine Blutdrucknormalisierung unter 140/90 mmHg (besser noch 130/80 mmHg) und die rechtzeitige Laserkoagulation. Hier haben deutsche Augenärzte Pionierarbeit geleistet und das Schicksal der Diabetiker kausal verbessert. In den Vereinigten Staaten wurde in einer Studie jeweils nur ein Auge der einbezogenen retinopathischen Diabetiker mit Koagulation behandelt. Die behandelten Augen bei den Patienten schnitten so viel besser ab als die unbehandelten , dass die Studie aus ethischen Gründen abgebrochen wurde.

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Professur Hellmut Mehnert: Die Kombination von Metformin und Nateglinid ist eine sehr elegante Option.

Die medikamentöse Therapie hat im Ganzen bisher nur enttäuscht, wenn man von den indirekt wirksamen Antihypertonika und Antidiabetika absieht.

Die diabetische Retinopathie ist die häufigste Form der Mikroangiopathie bei Diabetikern. Ihre Entwicklung und die Folgen der Netzhauterkrankung werden entscheidend durch die Kooperation zwischen Ärzten und Patienten bestimmt. Anzumerken ist noch, dass entgegen ursprünglichen Spekulationen keinerlei Anhalt dafür besteht, dass Insulinanaloga retinopathiefördernd wirksam sind.

Professor Hellmut Mehnert

Diabetologie, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten - diesen Themen widmet sich Professor Hellmut Mehnert seit über 50 Jahren. 1967 hat Mehnert die weltweit größte Diabetes-Früherfassungsaktion gemacht. Er hat auch das erste und größte Schulungszentrum für Diabetiker in Deutschland ins Leben gerufen. Mehnert ist Träger der Paracelsus-Medaille, der höchsten Auszeichnung der Deutschen Ärzteschaft.

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