Ärzte Zeitung, 26.01.2010

Intensive telemedizinische Betreuung bessert alle Parameter

Deutliche Effekte eines telemedizinischen Betreuungsprogramms belegt eine Studie am Westdeutschen Diabetes- und Gesundheitszentrum (WDGZ).

zur Galerie klicken

Waage mit Telemetrie-Anschluss - ein Element des Telemonitoring. © SHL

BERLIN (gvg). In einer Studie mit 100 Typ-2-Diabetikern wurden die Auswirkungen des intensiven Betreuungsprogramms Diabetiva des Unternehmens SHL Telemedizin geprüft. Das Programm besteht aus einer telemedizinischen Überwachung, einer individuellen Betreuung durch telefonische Kontakte ergänzend zur Betreuung des ambulanten Hausarztes oder Diabetologen und aus Patientenschulungen.

Die Teilnehmer wurden bei Aufnahme sowie nach drei und sechs Monaten telefonisch befragt. Außerdem wurden Körpergewicht, HbA1c-Wert, Blutdruck, Blutzuckerwerte und Lebensqualität analysiert. "Insgesamt fanden wir hoch signifikante Effekte der Betreuung auf praktisch alle untersuchten Parameter", fasste Professor Stephan Martin, Ärztlicher Direktor am WDGZ, die Ergebnisse bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Telemedizin in Berlin zusammen.

Im Einzelnen fiel der HbA1c-Wert bei den Patienten im Mittel von anfangs 7,4 Prozent auf unter 6,9 Prozent nach sechs Monaten. Beim Nüchternblutzucker gab es einen Abfall von über 140mg/dl auf unter 120 mg/dl, beim postprandialen Blutzucker von etwa 175 mg/dl auf unter 150 mg/dl. Auch bei den kardiovaskulären Risikofaktoren der Studienteilnehmer waren die Veränderungen jeweils statistisch signifikant. Systolischer und diastolischer Blutdruck fielen um je rund zehn Prozent. Und der Body Mass Index der Patienten sackte um einen Punkt nach unten.

zur Galerie klicken

Telefonische Beratung ergänzt das persönliche Gespräch. © fotolia.de

"Genauso wichtig waren für uns die Daten zur Patientenzufriedenheit", so Martin. Hier zeigen die Kurven deutlich nach oben. Der DTSQ-Gesamt-Score, der die Therapiezufriedenheit auf einer Skala von 0 bis 36 bewertet, stieg zum Beispiel von 22 auf 29,5 Punkte an.

Auch die vom Patienten subjektiv erlebten Hyper- und Hypoglykämien, die als Teil des DTSQ-Scores abgefragt werden, entwickelten sich günstig. Die Zahl hyperglykämischer Episoden fiel von im Mittel 2,9 pro Monat auf 1,1 nach sechs Monaten Betreuungsprogramm. Und die Zahl der Hypoglykämien sank von im Mittel 1,3 auf 0,5.

Martin betonte, dass es nicht die Telemedizin per se sei, die zu den guten Resultaten führe, sondern die Kombination aus Überwachung und intensiver persönlicher Betreuung. Es sei deswegen wünschenswert, dass die Krankenkassen vermehrt derartige Programme anböten, so Martin bei der von SHL unterstützten Veranstaltung.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »