Ärzte Zeitung, 01.02.2011

Bei schlechter Diabeteskontrolle droht schon früh eine Neuropathie

Auch im Frühstadium eines Diabetes mellitus kann sich bereits eine Neuropathie manifestieren. Eine gute Blutzuckereinstellung beugt der Komplikation vor.

Bei schlechter Diabeteskontrolle droht schon früh eine Neuropathie

Eine diabetische Neuropathie kann bei Patienten mit veränderten Reflexen einhergehen.

© Klaus Eppele / fotolia.com

STOCKHOLM (Rö). Diabetische Neuropathie ist keineswegs nur eine Spätkomplikation des Diabetes, sondern kann sich bereits sehr früh in der Erkrankung manifestieren. Darauf hat Professor Dan Ziegler von der Universität Düsseldorf hingewiesen.

Mit Hilfe von ausgeklügelten objektiven Techniken zur Entdeckung von Nervenschäden konnte er mit seiner Arbeitsgruppe zeigen, dass bereits bei der Diagnose von Typ-1- und Typ-2-Diabetes viele Störungen der Nervenfunktion nachweisbar sind, etwa in den Unterschenkeln, im Herz und im Magen

Einen Beleg dafür, wie häufig Neuropathien in den verschiedenen Stadien sind, liefern zum Beispiel die Daten der bevölkerungsbasierten Studie MONICA/KORA in der Region Augsburg. Von den Diabetikern unter den Studienteilnehmern hatten 28 Prozent eine diabetische Polyneuropathie, wie Ziegler beim Diabeteskongress in Stockholm berichtet hat.

Die Prävalenz einer schmerzhaften Neuropathie war dabei zwei- bis dreimal höher bei Studienteilnehmern mit gestörter Glukose-Toleranz (9 Prozent) und bei Diabetes (13 Prozent) im Vergleich zu Patienten mit erhöhter Nüchternglukose (4 Prozent).

Die hauptsächlichen Risikofaktoren für eine diabetische Polyneuropathie sind - abgesehen von Diabetes - Alter, Adipositas, periphere arterielle Verschlusskrankheit und niedriggradige systemische Entzündung.

Dass oxidativer Stress bei der Pathogenese der diabetischen Polyneuropathie eine Bedeutung hat, ist bereits aus tierexperimentellen Daten bekannt. Ziegler konnte nachweisen, dass Biomarker für oxidativen Stress und verminderte antioxidative Wirkung wie das Superoxid-Anion und Vitamin E die Entwicklung und Progression der diabetischen Polyneuropathie vorhersagen können. Solche Substanzen könnten in Zukunft vielleicht als Biomarker für ein erhöhtes Neuropathie-Risiko in der Praxis dienen.

Dass normale Blut-Glukose-Spiegel ab der Diagnose Diabetes die Entwicklung einer diabetischen Polyneuropathie komplett verhindern können, hat Ziegler in einer prospektiven Beobachtungsstudie über 24 Jahre mit Typ-1-Diabetikern nachgewiesen. Von den schlecht eingestellten Diabetikern bekommen hingegen zwei Drittel die Erkrankung.

Das Ziel ist es, die Dysfunktion der Nerven früh zu erkennen und ebenso Patienten zu erkennen, die ein erhöhtes Risiko für eine Progression haben und diese zu verhindern.

Für seine Forschungen zu Neuropathie wurde Professor Dan Ziegler in Stockholm der Castelli Pedroli Prize verliehen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »