Diabetes

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Modul: Strategien zur Gewichtsreduktion bei Typ-2-Diabetes

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Ärzte Zeitung, 20.06.2011

Kommentar des Experten

Diabetestherapie ohne BZ-Kontrolle ist wie eine Seereise ohne Kompass

Blutzuckerselbstmessung stärkt die Verantwortung für die eigene Therapie. Das gilt auch für Typ-2Diabetiker, die nicht mit Insulin behandelt werden.

Von Prof. Hellmut Mehnert

Prof. Hellmut Mehnert

Hoher Blutzucker hat nur selten eine andere Ursache als Diabetes

© sbra

Arbeits­schwerpunkte: Diabetologie, Ernährungs- und Stoffwechselleiden. Diesen Themen widmet sich Prof. Hellmut Mehnert seit über 50 Jahren.

Erfahrungen: 1967 hat er die weltweit größte Diabetes-Früherfassungsaktion gemacht sowie das erste und größte Schulungszentrum für Diabetiker in Deutschland gegründet.

Ehrung: Er ist Träger der Paracelsus-Medaille, der höchsten Auszeichnung der Deutschen Ärzteschaft.

Eine Diabetestherapie ohne Blutzuckerselbstkontrolle ist wie eine Schifffahrt ohne Kompass. Die Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA), bei Typ-2Diabetikern ohne Insulintherapie nur noch in Ausnahmen Blutzuckerteststreifen von der GKV erstatten zu lassen, bedeutet daher für viele Diabetiker künftig eine kompasslose Zeit.

Die aktuelle GBA-Entscheidung ist ein Irrweg. Es gibt gute Gründe für eine Selbstkontrolle bei Diabetikern ohne Insulintherapie. So lässt sich durch häufige Messungen und Anpassung der Behandlung das Risiko von Hypoglykämien reduzieren. Leider werden in den DMP und von verschiedenen Kassen und KVen immer noch Sulfonylharnstoffe (besonders Glibenclamid) zur antidiabetischen Therapie empfohlen.

Mit diesen Substanzen muss mit schweren, ja tödlichen Hypoglykämien bei zu scharfer Blutzuckereinstellung gerechnet werden. So ist nach Gallwitz und Nauck in Deutschland jedes Jahr mit 40 bis 80 tödlichen Hypoglykämien bei Sulfonylharnstoff-Therapie zu rechnen.

Bei schweren Unterzuckerungen mit Fremdhilfe in der Anamnese nehmen zudem die Raten von Infarkten und Demenz deutlich zu.

Nach den Ergebnissen von UKPDS und deren Folgestudie ist aber gerade am Anfang des Typ-2-Diabetes eine möglichst strikte Stoffwechselkontrolle mit HbA1c-Werten um 6,5 Prozent anzustreben, um damit den Spätfolgen erfolgreich vorzubeugen. Natürlich sollte man hier - aber auch das ist wieder eine Kostenfrage - auf die wesentlich risikoärmere Kombinationstherapie von Metformin und DPP-4-Hemmern (Sitagliptin, Vildagliptin, Saxagliptin und in Kürze auch Linagliptin) übergehen, bei der kein Hypoglykämierisiko besteht.

Die Forderung, dass auch so behandelte Patienten gelegentlich ihren Blutzucker selbst kontrollieren sollten, ist aber damit nicht vom Tisch. Auch die Hyperglykämie lässt sich meist nur durch häufige Blutzuckerselbstkontrollen in den Griff bekommen. Die Ergebnisse der Rosso-Studie von Martin und Mitarbeitern haben ja belegt, dass die Blutzuckerselbstmessung bei nicht mit Insulin behandelten Typ-2-Diabetikern im Vergleich zur Nicht-Messung bessere Werte und eine deutlich bessere Kooperation mit dem Arzt mit sich bringen.

Die Studiendaten sind zwar "retrolektiv" erhoben worden, die große Zahl der Probanden und die sorgfältigen Analysen sprechen jedoch für valide Ergebnisse. Eine prospektive randomisierte und doppelblinde Studie zur Blutzuckerselbstmessung wäre nur schwer vorzunehmen.

Die Blutzuckerselbstmessung mit modernen Teststreifenmethoden ist - bei richtiger Handhabung - präzise und zuverlässig. Der Variationskoeffizient beträgt maximal 15 Prozent. Diagnostischen Zwecken sind allerdings weiterhin qualitätskontrollierte Methoden und Geräte vorbehalten, etwa beim oralen Glukosetoleranztest (oGTT).

Seit gut einem Jahr sind alle Testgeräte auf Plasmaglukose geeicht, sodass ein wesentlicher Störfaktor (Unterschied zwischen Vollblut und Plasmaglukose) praktisch nicht mehr existiert.

Was soll man also tun? Zunächst einmal muss man bei unbefriedigender Blutzuckereinstellung prüfen, ob ein Patient nicht doch Insulin benötigt. Wenn aber - was zunächst anzustreben ist - eine Einstellung mit oralen Antidiabetika möglich ist, sollte man berücksichtigen, dass die Therapie mit Sulfonylharnstoffen aufgrund ihrer denkbaren unerwarteten Hypoglykämien ein Auslaufmodell ist.

Eine Blutzuckerselbstkontrolle bei nicht mit Insulin behandelten Diabetikern muss auch in Zukunft in Maßen möglich sein. Sollte der GBA-Beschluss dazu nicht revidiert werden, dann muss man die Patienten mit dieser unerfreulichen Problematik vertraut machen.

Die gelegentlichen Messungen müssen sie dann selbst bezahlen. Das wäre ein weiterer Schritt in die Zweiklassenmedizin!

[21.06.2011, 18:11:50]
Dr. Rolf Otto 
Angst schüren, Kollegen schlechtes Gewissen bereiten
Das ist der Weg auf dem neue Substanzen von "Meinungsbildnern" unters Medizinervolk gebracht werden: schlechtes Gewissen bereiten, war schon immer die erfolgreichste Methode. Anstatt für Substanzen zu werben, die wie ASS bei der Pneumonie nur den BZ beim Typ-2-Diabetes senken können und sonst noch nichts bewiesen haben, sollten sie immer wieder für die Gewichtsabnahme werben und nicht nur in einem Nebensatz. Und vielleicht danach noch im Kleingedruckten für überteuerte Therapien, für die außer "Fiebersenkung" nichts bewiesen ist. Ihnen sind doch die Ergebnisse von Steno2, ADVANCE, VDAT, ACCORD bekannt. Zu den neuen Substanzen wissen zu den darin behandelten Fragen nichts. Gar nichts. zum Beitrag »

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