Ärzte Zeitung, 19.08.2011

Rote "Socken" durch kranke Gefäße

Über ein anfallsartiges und schmerzhaftes Brennen beider Füße und Unterschenkel berichtete ein sonst gesunder 33-jähriger Mann. Ursache der Beschwerden war eine seltene neurovaskuläre Krankheit.

Von Thomas Meißner

Rote "Socken", wenn die Füße warm werden - Erythromelalgie

Bei Wärme schwollen dem Patienten schmerzhaft die Füße und Unterschenkel an - so als ob er rote Strümpfe trüge.

© Prof. Joachim Dissemond, Essen

NEU-ISENBURG. Die Beschwerden traten stets nach Wärme-Exposition auf. Das Einzige was gegen die "roten Socken" und die brennenden Schmerzen half, war kaltes Wasser. Dann verschwanden die Symptome rasch.

Nachdem Professor Joachim Dissemond von der Universitätshautklinik in Essen mit einem Wärmeprovokationstest den Vorgang reproduziert hatte, stellte er die Diagnose einer Erythromelalgie (MMW 2011, 9: 5).

Dabei handele es sich um eine seltene neurovaskuläre Erkrankung mit anfallsartiger Hyperämie der distalen Extremitäten.

Diese werden als brennend und schmerzhaft empfunden. "Die Symptome können wenige Minuten bis zu mehreren Stunden anhalten", so Dissemond.

Ursachen sind unklar

Die genauen Ursachen der Krankheit sind unklar. Womöglich handelt es sich um funktionelle Durchblutungsstörungen.

Der Essener Patient hatte die Beschwerden erst seit wenigen Monaten. Bei manchen Patienten sind pathologische Reflexe, eine gestörte adrenerge Funktion und/ oder abnorme kardiovagale Funktionen nachgewiesen worden.

 Frauen und Männer sind gleichermaßen betroffen

Zudem kann die Erythromelalgie sekundär bei Diabetikern, bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit, Polycythämia vera Lues, Autoimmunkrankheiten oder nach viralen Infektionen auftreten. Frauen und Männer sind gleichermaßen betroffen.

Eine kausale Therapie gibt es nicht, es sei denn, die Verbindung zu einer chronischen Grunderkrankung liegt nahe.

Nach Angaben von Dissemond kann man versuchen, mit regelmäßigen warmen Bädern eine Gewöhnung zu erreichen. Vereinzelt wurden erfolgreiche Therapien mit Acetylsalicylsäure, Indometacin oder Prostaglandinen beschrieben.

[19.08.2011, 16:26:05]
Prof. Dr. Dr. Hüseyin Nazlikul 
Rote "Socken" durch kranke Gefäße
Egal welches System des Organismus man betrachtet, ist es komplex, vernetzt, schwingungsfähig, reagibel, dynamisch, energetisch offen. Als kybernetisches System wird, stark vereinfacht, der Istwert ständig mit dem Sollwert verglichen und durch Fühler, Sensoren und Effektoren ein dynamisches Gleichgewicht mit guter Regelgüte aufrechterhalten (Homöostase, eigentlich besser Hömöodynamik).
Vom Herd ausgehende Pathoinformationen stören dieses System permanent und führen mit der Zeit zueiner Verstellung des Sollwertes und Beeinflussung der Regelgüte und anderer Parameter des Systems,
die Regelmechanismen dekompensieren.

Besonders chronische Erkrankungen sind Ausdruck gestörter Selbstregulation und Störung der Vegetativum. Chronizität ist ein kybernetisches Problem irregulär vernetzter Regelkreise. Der Körper arbeitet insgesamt unökonomisch.
Schließlich erschöpfen sich die Regulationsleistungen, die Reagibilität im Sinn eines Adaptations-
syndroms nach Selye lässt nach. Wie bereits erwähnt, können Blockierungen der Regulation das
Vegetativum ernsthaft irritieren und die Wirkung von Heilreizen behindern.

Bei diesem Patienten handelt sich typischer weise um einen Störfeld. Mann muss die Anamnese und Untersuchung im Gesamten Kontex durchschen.

Neben anderen Faktoren spielen hier Herde und Störfelder durch die über Jahre andauernden Grundregulationsstörungen eine Hauptursache.

Aus ganzheitsmedizinischer Sicht spielt in der zunehmende Inzidenz funktioneller, degenerativer,
chronisch entzündlicher und immunologisch geprägter Erkrankungen neben anderen regulations-
behindernden Faktoren wie iatrogen-medikamentöser Behinderung von Ausscheidungsvorgängen,
Unterdrückung von Fieber, Hemmung von Entzündungen und Störung natürlicher Entgiftungsvorgänge bei zunehmender Giftbelastung der In-und Umwelt das Herdgeschehen eine ganz entscheidende Rolle.

Das lebensimmanente Streben nach Erhalt des Ganzen verlangt ein Ordnungsprinzip, das den gesamten
Organismus durchzieht. Dieses Prinzip, das sowohl Zellindividualität als auch soziale Gemeinsamkeit
aller Strukturelemente gewährleistet, ist unter anderem durch die Trias Kapillare, Grundsubstanz und
Zelle gegeben.

Tatsächlich spielen sich alle Grundfunktionen des Lebens in und mit diesem Medium Wasser ab:
Sauerstoff-, Wasser-und Elektrolytaustausch, Säure-Basen-Haushalt, unspezifische Abwehrleistungen
als Beispiele. In der Grundsubstanz enden die vegetativen Nervenfasern, dort befindet sich das ganze Spektrum sessibler und beweglicher Zellen des Immunsystems. Über Kapillaren ist das Hormonsystem eingeschaltet, weshalb engste Verbindungen mit übergeordneten Regelzentren (Endokrinum, ZNS und Zwischenhirn) bestehen. Auch psychische Einflüsse modulieren das Grundsystem. Es ist somit eine funktionelle Einheit und stellt ein ungeheuer komplexes, hochvernetztes biologisches Kommunika-
tionssystem dar.
Die drei wichtigsten Formen der Reizbeantwortung sind:

1. die gedämpfte Normalantwort - entspricht dem ungestörten Regelsystem, bei dem das Regelziel in
kürzester Zeit und mit geringstem Energieverlust erreicht wird, wodurch dem Prinzip der Ökonomie
entsprochen wird.

2. die labile, periodisch entartete Antwort – sie findet sich bei hypersensiblen und hyperreaktiven
Regelsystemen (z.B.Störfeld), eine schnelle und überschiessende Auslenkung, das Regelziel wird erst
in mehreren Nachschwankungen erreicht.

3. die träge aperiodisch entartete Antwort – bei langdauernden Belastungen eines Regelsystems, in dem
Erschöpfungszustände und Degeneration vorherrschen oder etwa eine Regulationsstarre. Das Regelziel
wird verspätet oder gar nicht erreicht.



Bei vielen auch nicht technischen Verfahren ist die Tatsache wichtig, dass es in der Reaktionslage Seitendifferenzen gibt. Wir kennen aus der Pathogenese des Störfeldes die Lateralitätsregel, nach der Symptome bei Störfeldern primär die gleiche Körperseite beeinflussen.

Diese Differenz lässt sich auch in einer großen Zahl weiterer Parameter verifizieren.
Beispiele dafür wären etwa:
• Asymmetrie des Blutdruckverhaltens im Schellong-Test
• Seitendifferente Leukozytenwerte, besonders nach Stimulation
• Sensibilität der Haut für Berührung, Druck, Temperatur, Licht, Softlaser etc.
• Reaktion der Haut nach chemischen Reizen
• Differente Messwerte bei Elektromessungen an der Haut u.a.
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