Diabetes

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Ärzte Zeitung, 28.02.2012

Kommentar des Experten

Erste Erfolge bei der Diabetes-Prävention

Geschwister und Kinder von Typ-1-Diabetikern haben ein erhöhtes Krankheitsrisiko. Ihnen kann zur Teilnahme an Präventionsstudien geraten werden.

Von Prof. Hellmut Mehnert

Prof. Hellmut Mehnert

Erste kleine Erfolge bei der Prävention von Typ-1-Diabetes

© sbra

Arbeitsschwerpunkte: Diabetologie, Ernährungs- und Stoffwechselleiden: Diesen Themen widmet sich Prof. Hellmut Mehnert seit über 50 Jahren.

Erfahrungen: 1967 hat er die weltweit größte Diabetes-Früherfassungsaktion gemacht sowie das erste und größte Schulungszentrum für Diabetiker in Deutschland gegründet.

Ehrung: Er ist Träger der Paracelsus-Medaille, der höchsten Auszeichnung der Deutschen Ärzteschaft.

Typ-1-Diabetes ist bei Kindern und Jugendlichen die häufigste chronische Autoimmunkrankheit, etwa drei von 1000 sind betroffen. Die Prävalenz nimmt seit Jahren zu, vor allem bei kleinen Kindern. Hält der Trend an, wird sich in dieser Altersgruppe die Zahl der Neuerkrankungen binnen zehn Jahren verdoppeln.

Trotz aller Therapie-Fortschritte der vergangenen Jahre muss mit Folgeschäden gerechnet werden wie Retino-, Nephro- und Neuropathie sowie später auch Makroangiopathie.

In großen Studien wird untersucht, ob sich der Krankheit vorbeugen lässt (Primärprävention) oder der Verlauf der Krankheit gestoppt oder abgebremst werden kann (Sekundärprävention).

Ansatzpunkte sind die große genetische Abhängigkeit der Erkrankung vom HLA-System und die schon in Vorstadien des Diabetes entwickelten Autoimmunmarker wie zum Beispiel Inselzell- und Insulinautoantikörper oder auch die Glutamat-Decarboxylase (GAD).

Glutenfreie Kost kann Diabetes-Manifestation hinauszögern

Wissenschaftler um Professor Anette-Gabriele Ziegler vom Institut für Diabetesforschung in München haben herausgefunden, dass eine Gluten-freie Kost (Stillen!) in den ersten Lebensjahren die Diabetes-Manifestation zumindest hinausschieben kann.

Auch eine orale Insulinapplikation bei hohem familiärem Risiko wird untersucht. So wird in der Pre-point-Studie geprüft, ob sich eine Immuntoleranz durch Impfungen mit Insulin erreichen lässt. Hierzu werden noch Probanden mit hohem familiärem Risiko für Diabetes gesucht.

Ferner könnten Omega-3-Fettsäuren zu einer Minderung des Risikos für Inselzellautoimmunität bei Kindern führen. Die Fettsäuren wirken dabei möglicherweise anti inflammatorisch.

Bei der Sekundärprävention wird versucht, die weitere Zerstörung der Beta-Zellen bei Antikörper-positiven Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen aufzuhalten. Dafür wurden zum Beispiel orales, nasales und auch parenterales Insulin sowie Nikotinamid untersucht. Bisher konnte die Progression des Typ-1- Dia betes damit aber nicht aufgehalten werden. Der Effekt von oralem Insulin wird weiter untersucht.

Mit intranasalem Insulin ließ sich ein Effekt auf das Immunsystem in Voruntersuchungen demonstrieren. Im Vergleich zu bisherigen Untersuchungen waren die Probanden dabei älter und wurden mit einer deutlich höheren Insulin-Dosis behandelt. Vermutlich wird damit die Progression des Typ-1-Diabetes verlangsamt.

Prävention wird intensiv erforscht

In einer weiteren Studie wurde ein Impfstoff verabreicht, der aus rekombinant hergestellter Glutamat Dekarboxylase mit einem Adjuvans besteht. Durch den Wirkverstärker ist weniger Antigen nötig und die Immunantwort wird intensiviert.

Bei einer ersten Studie zur Tertiärprävention mit 70 Patienten ergab sich initial ein gewisser Erfolg. So kam es zu einem verzögerten Abfall der C-Peptidspiegel bei den Probanden. Eine Bestätigung der Resultate steht jedoch noch aus, zumal weitere Studien dieser Art eher enttäuschten.

Immerhin wird wegen des guten Ansprechens in der Frühphase der Erkrankung der Impfstoff in Schweden zur Sekundärprävention bereits eingesetzt.

Fazit: Primärprävention von Typ-1-Diabetes bei Menschen mit hohem genetischem Risiko sowie Sekundärprävention in der prädiabetischen Phase (gekennzeichnet durch spezifische Autoantikörper) werden intensiv erforscht.

Bei Kindern mit hohem genetischem Risiko kann man empfehlen, dass sie an Präventionsstudien teilnehmen. Sie werden dabei besonders intensiv betreut. Auch Menschen mit bereits vorhandenen Autoantikörpern sollten an Studien teilnehmen.

Interessierte können vermittelt werden an: Dr. Katharina Warncke, Institut für Dia betesforschung, Helmholtz-Zentrum, Ingolstädter Landstr. 1, 85764 Neuherberg, Tel.: 0800 / 33 83 339, E-Mail: prevent.diabetes@lrz.uni-muenchen.de

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