Diabetes

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Ärzte Zeitung, 12.03.2012

Kaiserschnitt erhöht bei Kindern Diabetesrisiko

Nach Kaiserschnitt erkranken doppelt so viele Kinder aus Diabetiker-Familien an Typ-1-Diabetes wie nach vaginaler Entbindung. Ursache könnten Darmbakterien sein.

Kaiserschnitt erhöht bei Kindern das Risiko für Typ-1-Diabetes

Die Entbindung per Kaiserschnitt wirkt sich auf die Beschaffenheit der Darmflora des Kindes und damit auf das Immunsystem aus.

© photos.com PLUS

MÜNCHEN (eb). In der Langzeit-Studie BABYDIAB wurde der Einfluss von Umweltfaktoren auf die Entwicklung von Typ-1-Diabetes untersucht.

1.650 Kinder mit erhöhtem Risiko - Mutter oder Vater haben Typ-1-Diabetes - nahmen teil; sie wurden von Geburt an durchschnittlich 11 Jahre lang nachbeobachtet.

Die Ergebnisse wurden jetzt in einer Mitteilung des Kompetenznetzes Diabetes vorgestellt.

Danach haben Kinder mit familiärer Vorbelastung, die per Kaiserschnitt geboren wurden, ein Risiko von 4,8 Prozent, bis zum 12. Lebensjahr an Diabetes zu erkranken.

Dagegen liegt das Risiko von Kindern aus Risikofamilien, die vaginal entbunden wurden, bei 2,2 Prozent.

Diabetes-Risiko bei Kaiserschnitt unabhänigig von Schwangerschaft

Das erhöhte Diabetes-Risiko bei Kaiserschnitt trat unabhängig davon auf, ob es sich um eine Mehrlingsschwangerschaft, Frühgeburt oder um das Erstgeborene handelte. Auch der Geburtsmonat und Rauchen während der Schwangerschaft hatten keinen Einfluss.

Ein Kaiserschnitt beeinflusst dabei nicht das Risiko für die Entstehung von Inselautoimmunität und die Bildung von Autoantikörpern. Diese sind gegen die Insulin produzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse gerichtet und Vorboten einer Diabetes-Manifestation.

Allerdings beschleunigt die Geburt per Kaiserschnitt offenbar die Entstehung von Diabetes nach dem Auftreten erster Autoantikörper.

"Eine Erklärung für diese Ergebnisse ist die Tatsache, dass die Entbindung per Kaiserschnitt auf die Beschaffenheit der kindlichen Darmflora und damit auf das Immunsystem einwirkt", so Professor Anette-Gabriele Ziegler, Leiterin der Forschergruppe Diabetes der TU München.

Bifidobakterien im Darm nachgewiesen

Unter den Mikroorganismen, die den Darm besiedeln, lassen sich bei Kindern, die per Kaiserschnitt auf die Welt kamen, zum Beispiel weniger Bifidobakterien nachweisen. "Somit ähnelt die Darmflora dieser Kinder der gestörten Darmflora von Diabetikern", so Ziegler.

Bifidobakterien sind die wichtigste Gruppe nützlicher Darmbakterien. Sie sind auch in der Vagina gesunder Frauen zu finden, sodass sie bei vaginaler Entbindung vom Säugling aufgenommen werden können.

Diese Mikroorganismen erfüllen neben der Bekämpfung von Krankheitskeimen und Schadstoffen vielfältige Aufgaben für das Immunsystem: So versorgen sie unter anderem die Immunzellen im Darm mit Informationen zur Bekämpfung von Erregern, bilden Vitamine wie das Vitamin K und fördern den Aufbau der Darmschleimhaut.

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