Ärzte Zeitung, 23.04.2012

Heilen mit Fäkalien

Die Darmflora beeinflusst die Gesundheit eines Menschen. Bei Adipösen oder Typ-2-Diabetikern ist sie gestört. Mit der Transplantation von Fäkalien lässt sich das beheben, sagt ein Diabetologe - und sieht im neuen Therapieansatz große Chancen.

Heilen mit Fäkalien

Die verwendeten Fäkalien werden vor der Transplantation mit Milch oder Kochsalz verdünnt, homogenisiert und grob gefiltert.

© Africa Studio / fotolia.com

MAINZ (spa). Transplantation von Fäkalien ist ein seriöses und vielversprechendes Forschungsgebiet, betont Professor Michael Stumvoll aus Leipzig. Beim Diabetes-Update hat er Studiendaten dazu bei Adipositas und Typ-2-Diabetes vorgestellt.

Der Darm ist bei Neugeborenen quasi steril, bei Erwachsenen hingegen tummeln sich darin etwa 1014 Bakterien. Diese haben hundertmal mehr Gene, als in der DNA des Menschen vorhanden sind.

Schon länger Erfolg mit fäkaler Mikrobiota-Transplantation

Nach Schätzungen sind etwa 50 Prozent der Darmflora bei allen Menschen gleich und der Rest variabel. Anomalitäten des Spektrums gibt es bei Adipositas. Die Mikroorganismen beeinflussen die Gesundheit eines Menschen.

Zu den ersten zaghaften Versuchen hier einzugreifen zählt die Zufuhr von Probiotika. Bei massiven Fehlbesiedlungen des Darms, etwa mit Clostridium difficile, gibt es aber auch schon länger Erfolge mit der sogenannten fäkalen Mikrobiota-Transplantation (FMT).

"Das hört sich übler an, als es ist", sagte Stumvoll. Die verwendeten Fäzes werden gekühlt, mit Milch oder Kochsalz verdünnt, homogenisiert und grob gefiltert. Anschließend werden 25 bis 50 ml der trüben Flüssigkeit über eine Duodenalsonde appliziert.

Für die Anwendung bei Adipösen und Diabetikern geht man von der Hypothese aus, dass sich deren ungünstig veränderte Darmflora und damit die Gesundheit durch die FMT mit günstigen Bakterien positiv beeinflussen lässt.

Erste Studiendaten liegen vor

Dazu gibt es auch schon erste Daten am Menschen, allerdings existiert die von Stumvoll zitierte Studie derzeit nur als Abstract vom EASD-Kongress vor zwei Jahren in Stockholm (Diabetologia 2010; 53 (Suppl. 1) 90; 25).

"Ich warte täglich darauf, dass das in einem coolen Journal publiziert wird", sagte der Diabetologe.

In der Studie erhielten Patienten mit Metabolischem Syndrom nach einer Darmlavage entweder den aufbereiteten Stuhl gesunder Spender oder ihren eigenen.

Nach sechs Wochen gab es zwar - anders als im Tiermodell - keine Gewichtsveränderung, aber die Insulinsensitivität war signifikant besser, die hepatische Insulinsensitivität grenzwertig besser und die Triglyzeride nahmen vorübergehend ab.

Vielleicht werden künftig auch Gastroenterologen die Diabetologie bereichern.

Quelle: www.springermedizin.de

[24.04.2012, 11:28:08]
Bernd Schriefers 
Heilen mit Fäkalien ???
Es ist richtig: Darmflora beeinflusst die Gesundheit eines Menschen.
Aber es sollte bekannt sein, dass alle Versuche gescheitert sind E.coli erneut anzusiedeln.
Ansonsten stellt sich die Frage:
Schaut den irgend wer nach was in der Brühe enthalten ist. (aufbereiteten Stuhl gesunder Spender)
"Die verwendeten Fäkalien werden vor der Transplantation mit Milch oder Kochsalz verdünnt, homogenisiert und grob gefiltert."
Also werden auch pathogene Keime fröhlich in den Darm befördert.
Nur diese verhalten sich anders als E.coli.
Nebenbei im Mittelalter war auch Epilepsie heilbar:
Getrocknetes Maulwurfsblut; Schnabel einer weiblichen Ente; Fuß ohne Haut und Fleisch einer weiblichen Gans. Alles zu einem Pulver verarbeiten; dieses in einem tuch 3 Tage lang auf ein frischen Maulwurfshügel legen; danach gefrieren lassen und in der Sonne trocknen lassen; aus Leber und Weizenmehl kleine Kuchen formen; Verzehr in mindestens 5 Tagen bis in maximal 5 Wochen, je nachdem wie es wirkt.
 zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

ALS ist mit Demenz eng verwandt

Stephen Hawking ist wohl der berühmteste Patient, der an Amyotropher Lateralsklerose leidet.Forscher haben nun herausgefunden, dass ALS und temporale Demenz eng verwandte Krankheitsbilder sind. Das könnte Einfluss auf das Diagnoseverfahren haben. mehr »

Innovationsfonds startet in die Versorgungsrealität

Der Innovationsfonds ist offiziell in die Umsetzungsphase gestartet. Die 300 Millionen Euro für das Jahr 2016 teilen sich 91 Versorgungs- und Forschungsprojekte. mehr »

Sind Computer bald die besseren Psychotherapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »