Ärzte Zeitung, 17.07.2012

Nach Adipositas-Chirurgie kehrt Diabetes oftmals zurück

HOUSTON (eb). Bariatrische Chirurgie dämmt einen Diabetes mellitus offensichtlich doch nicht so wirksam ein, wie bislang angenommen, teilt die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) mit.

Nach einer kürzlich auf der 94. Jahrestagung der Endocrine Society in Houston/USA vorgestellten Studie trete der Diabetes bei einem Fünftel der Operierten nach drei bis fünf Jahren wieder auf.

Die DGE weist darauf hin, dass angesichts dieser Ergebnisse nach wie vor sehr sorgfältig abzuwägen sei, ob ein chirurgischer Eingriff am Magen-Darm-Trakt bei Menschen mit Diabetes tatsächlich zu vertreten ist.

Immer häufiger setzen Ärzte die Bariatrische Chirurgie ein, um bei stark übergewichtigen Menschen die Kalorienaufnahme zu reduzieren und einen Typ-2-Diabetes zu verhindern oder in Remission zu bringen.

Wurde anfangs vielfach ein Magenband verwendet, so ist es heute eine bestimmte Form des Magen-Bypasses oder die operative Verengung des Magens zum "Schlauchmagen".

Diabetes ein bis zwei Jahre verschwunden

Auch die Technik der "biliopankreatischen Diversion" habe sich als äußerst wirksam, aber auch relativ komplikationsreich erwiesen, berichtet die DGE in einer Mitteilung. Bei dieser Technik wird ein großer Teil des Dünndarms ausgeschaltet.

Die Bariatrische Chirurgie führt bei einem hohen Anteil von Patienten mit Typ-2-Diabetes dazu, dass sich ihre Blutzuckerwerte wieder normalisieren - auch ohne die vorher oft nötigen Tabletten oder Insulinspritzen.

Dieses Verschwinden des Diabetes hatte zwei neuen Studien zufolge ein bis zwei Jahre angehalten, wie die DGE in einem Blog-Beitrag auf ihrer Homepage berichtet hatte.

Eine im Juni auf der 94. Jahrestagung der Endocrine Society in Houston/USA vorgestellte Studie der Forscherin Yessica Ramos und ihrer Mitarbeiter hätte jetzt aber nach etwas längeren Zeiträumen eine Rückfallrate von 21 Prozent ergeben, so die DGE.

In einer rückblickenden Analyse hätten die Forscher dafür Daten von Patienten geprüft, die sich im Zeitraum von 2000 bis 2007 in der Mayo Clinic Arizona/USA einer Magenbypass-Op unterzogen hatten.

Von 138 Patienten mit Diabetes mellitus wurden 72 mindestens drei Jahre lang nachbeobachtet. Der durchschnittliche Body-Mass-Index (BMI) betrug vor der Op 45.

Je länger die Op her ist, desto wahrscheinlicher ist die Diabetes-Rückkehr

Von 66 Patienten, deren Diabetes nach der Op verschwunden war, sei dieser bei 14 wieder aufgetreten, fasst die DGE die Studienergebnisse zusammen: bei 5 nach zwei Jahren und bei jeweils 3 nach drei, vier und fünf Jahren. Je länger der Diabetes vor der Op bestanden hatte, desto wahrscheinlicher war ein Wiederauftreten.

Die Experten diskutierten deshalb unter anderem, früher zu operieren. Professor Helmut Schatz, DGE-Mediensprecher aus Bochum, mahnt an, zunächst die Ergebnisse an größeren Patientenzahlen nach längeren Zeiträumen abzuwarten. Denn einerseits könne sich der Diabetes zwar operativ bedingt zurückbilden, zumindest aber mehr oder weniger lange bessern.

Dadurch könnten auch mögliche diabetische Folgekrankheiten wie Erblindungen, Nierenversagen, Herzinfarkte und Schlaganfälle verhindert werden. Dies werden aber erst Langzeitstudien zeigen können, wobei das Überleben letztlich der härteste Parameter sein wird, erinnert die DGE.

Auf der anderen Seite stünden die nicht unerheblichen, kurz- und vor allem langfristigen Folgen einer nicht mehr rückgängig zu machenden Op für den Diabetespatienten: Direkt nach der Op kann es zu einer Nahtinsuffizienz im Operationsgebiet und zu Fisteln kommen. Als Folge der Gewichtsabnahme besteht ein erhöhtes Gallensteinrisiko.

Langfristig muss man auf Defizite im Vitamin- und Nährstoffhaushalt achten und diese ausgleichen. Als wichtig hat sich auch ein stabiles soziales Umfeld erwiesen, und es bedarf einer psychischen Stabilität der operierten Patienten.

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