Direkt zum Inhaltsbereich

Diabetes

Bleivergiftung durch Ayurveda

Viele Patienten halten pflanzliche Arzneimittel für nebenwirkungsfrei. Deshalb erwähnen sie die Einnahme oft nicht. Wichtig ist eine gezielte Nachfrage, wie der Fall eines Diabetikers in den USA zeigt.

Veröffentlicht:
Ayurveda-Küche in Sri Lanka: Viel Blei.

Ayurveda-Küche in Sri Lanka: Viel Blei.

© ARCO IMAGES / imago

NEW YORK (St). In der Notaufnahme eines New Yorker Krankenhauses erschien ein 56-jähriger Mann mit unklarem Abdominalschmerz, der seit drei Monaten bestand (Am J Med 2012, online 16. Juli).

Er nahm nur wenig Nahrung zu sich und klagte über Obstipation. Alle bildgebenden Untersuchungen waren unauffällig. Sein Hämoglobin war innerhalb eines Jahres von 14,0 auf 9,7 g/dl gefallen. Die Anämie war normozytär, die Leberwerte leicht erhöht.

Im Differenzialblutbild fiel eine basophile Tüpfelung der Erythrozyten auf, die die Ärzte zur Bestimmung des Bleigehalts im Blut veranlasste.

Dieser war mit 101 µg/dl stark erhöht (ein Wert unter 20 µg/dl gilt als unbelastet, ein Wert über 100 µg/dl bei Männern fällt in den potenziell toxischen Bereich und erfordert weitere Abklärung). Auch die Porphyrine im Urin waren erhöht.

Auf Nachfrage erzählte der Patient, er sei drei Monate zuvor in Indien gewesen, wo ihm eine ayurvedische Medizin für seinen Diabetes verordnet worden war, die er seitdem täglich einnahm. Die chemische Analyse des ayurvedischen Pulvers ergab einen Bleigehalt von 62 Prozent.

Aus verschiedenen Fallberichten ist bekannt, dass ayurvedische Zubereitungen große Mengen an Schwermetallen enthalten können. Blei wird als Aphrodisiakum betrachtet und soll dabei helfen, möglichen Potenzproblemen von Diabetikern zu begegnen.

Nach einer Chelationstherapie mit oralem Dimercaprol und Kalzium-EDTA wurde der Patienten entlassen und sollte noch für zwei Wochen den Chelatbildner Succimer einnehmen.

Veränderungen bei Bleiintoxikation

Die sich entwickelnde Anämie ist eine Folge der Hemmung zweier wichtiger Enzyme der Porphyrinsynthese. Koliken und Obstipation werden der verminderten präganglionären Acetylcholinfreisetzung und der intestinalen Na+/K+-ATPase-Hemmung zugeschrieben, die den Wasserhaushalt durcheinanderbringt.

Die Neuropathie entsteht durch die Zerstörung der Schwann'schen Zellen, die sich in Form von segmentaler Demyelinisierung und Axondegeneration fortsetzt.

Als Ursache der charakteristischen basophilen Tüpfelung im gefärbten Blutausstrich wird die bleibedingte Hemmung der Pyrimidin-5‘-Nucleotidase in den Erythrozyten vermutet.

Die Autoren betonen, dass viel mehr Aufklärung notwendig ist, sowohl für die Anwender alternativer Behandlungsformen, als auch für diejenigen, die die Methoden unters Volk bringen.

Der vorliegende Fall mache deutlich, wie wichtig die umfassende Anamnese sowie die genaue Kenntnis aller eingenommenen Medikamente sei.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Sonderbericht

T2D-Therapie jetzt auch mit Semaglutid 2 mg

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma Gmbh, Mainz

Vorab-Pressekonferenz des DDG-Kongresses

Diabetes „Typ F“: Versorgung muss neu gedacht werden!

Innovative Therapieansätze

Mit Fischhaut gegen den diabetischen Fuß

Das könnte Sie auch interessieren
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Kommentare
Sonderberichte zum Thema

T2D-Therapie jetzt auch mit Semaglutid 2 mg

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma Gmbh, Mainz
Abb. 1: Empagliflozin reduzierte auch bei niedriger Ausgangs-eGFR die Progression der chronischen Nierenkrankheit (Test für Heterogenität/Trend: a) 12=0,06, p=0.81; b) 12=6,31, p=0,012)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Chronische Nierenkrankheit

SGLT2-Inhibition: Nephroprotektiv auch bei stark erniedrigter eGFR

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Ko KG, Ingelheim am Rhein
Abb. 2: Sekundärer Endpunkt der BOREAS-Studie: Veränderung der Lungenfunktion unter Dupilumab versus Placebo

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Typ-2-Inflammation bei COPD

Bessere Lungenfunktion und mehr Lebensqualität durch IL-4/-13-Hemmung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Berlin, und Regeneron GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Hautkrebs

Wie sich das Bräunen im Solarium auf das Melanom-Risiko auswirkt

Lesetipps
Bakterien im Blutgefäß

© Artur / stock.adobe.com

Update der S3-Leitlinie

Neue Empfehlung in der Sepsis-Therapie

Grafik eines übergewichtigen Menschen und einem EKG

© Dr_Microbe/stock.adobe.com

Kardiometabolische Erkrankungen

Adipositas und Vorhofflimmern: Besteht ein direkter Zusammenhang?

Apixaban, ein orales Antikoagulans zur Behandlung und Vorbeugung von Blutgerinnseln sowie zur Vorbeugung von Schlaganfällen bei Vorhofflimmern.

© Soni's / stock.adobe.com

Vergleich bei dreimonatiger Therapie-Zeit

Apixaban vs. Rivaroxaban: Welches DOAK hat das geringere Blutungsrisiko?