Ärzte Zeitung, 05.11.2012

Unterzuckerung

Alte Diabetiker verkennen oft die Symptome

Alte Menschen mit Unterzuckerung sind besonders gefährdet für Stürze, Schlaganfall und Herzinfarkt. Ärzte sollten ihre Patienten daher über Symptome und Gefahren unbedingt aufklären.

Viele Senioren verkennen die Symptome

Zeichen von Unterzuckerung wie Zittern oder Schwindel bringen alte Menschen oft nicht mit Diabetes in Verbindung, sondern schieben sie auf ihr Alter.

© Begsteiger / imago

BERLIN (eis). Mit dem Alter steigen die Raten von Typ-2-Diabetes steil an: Jeder dritte bis vierte 75- bis 80-Jährige in Deutschland ist betroffen.

Vorsicht ist bei der Therapie geboten: Sinkt der Blutzuckerspiegel zu stark ab, steigt die Sturzgefahr, und es drohen Schlaganfall und Herzinfarkt.

Hypoglykämien sind bei alten Menschen mit Diabetes relativ häufig: In einer Analyse von 300 Senioren aus 32 ambulanten und 40 stationären Pflegeeinrichtungen (Live-Geri-Studie) hatten 6,2 Prozent schwere Hypoglykämien (Diabetologie und Stoffwechsel 2010; 5: 293).

"Die Betroffenen sind besonders hilflos", betont Dr. Ann-Kathrin Meyer von der Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Geriatrie der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG).

"Typische Warnzeichen der Unterzuckerung wie Zittern oder Schwindel bringen sie oft nicht mit dem Diabetes in Verbindung, sondern schieben sie auf ihr Alter oder andere Erkrankungen", betont die Chefärztin der Abteilung für Geriatrie an der Asklepios Klinik Wandsbek in Hamburg.

Über die Symptome sind Patienten und Angehörige daher unbedingt aufzuklären.

Meist gefestigte Essgewohnheiten

Die Prävention von Hypoglykämien ist im Alter schwierig: Senioren können sich etwa wegen Arthrosen oder anderer Krankheiten häufig nicht verstärkt körperlich bewegen, so Meyer in einer DDG-Mitteilung.

Auch verändern alte Menschen ihre in Jahrzehnten gefestigten Essgewohnheiten meist nicht mehr. Der Fokus der Hypoglykämie-Prävention liegt daher bei der medikamentösen Therapie, betont Meyer.

Wichtig ist mögliche Wechselwirkungen bei Multimedikation zu bedachten. Patienten sollten daher bei Arztbesuchen eine komplette Liste ihrer Medikamente mitbringen.

Für die antidiabetische Therapie alter Menschen gelten weniger strikte Zielwerte. Beim Nüchternblutzucker rät Meyer zu Werten von 120 bis 180 mg/dl (bei Jüngeren 60 bis 100 mg/dl und höchstens 140 mg/dl zwei Stunden nach einer Mahlzeit!).

Der HbA1c-Wert sollte bei Senioren 7 bis maximal 8 Prozent betragen (bei Jüngeren unter 6,5 Prozent!). Ziel ist "ein größtmögliches Maß an körperlicher, geistiger und emotionaler Gesundheit, mit sozialer Teilhabe und großer Alltagskompetenz", so Meyer.

Die Geriaterin empfiehlt zur Dosisfindung von Medikamenten bei Senioren den Grundsatz: niedrig beginnen, langsam steigern bis zu dem Punkt, an dem die optimale Dosis gefunden ist.

Mit dem Verfahren ließen sich Komplikationen meist vermeiden oder aber rechtzeitig erkennen.

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