Ärzte Zeitung, 05.11.2012

Besorgniserregend

Diabetiker-Schwemme droht

NEU-ISENBURG (bös). Ohne gewaltige Anstrengungen in der Prävention wird die Zahl der Typ-2-Diabetiker in Deutschland bis zum Jahr 2030 enorm steigen.

Rund 3,9 Millionen der 55- bis 74-Jährigen werden dann voraussichtlich diabeteskrank sein - 1,5 Millionen mehr als heute.

Den Anstieg, der alle Prognosen weit übertrifft, sagt eine aktuelle Hochrechnung des Deutschen Diabetes-Zentrums (DDZ) in Düsseldorf voraus.

Eine Million erkrankte Männer

Der größte Zuwachs mit rund einer Million Erkrankten wird bei den Männern erwartet, bei den Frauen rechnet das DDZ mit rund 500.000 zusätzlichen Diabetesfällen.

Das Besondere der neuen Erhebung: Sie berücksichtigt demografische Entwicklungen sowie Neuerkrankungs- und Sterbedaten von Typ-2-Diabetikern und Prädiabetikern. Diese hat das DIAB CORE Verbund im Kompetenznetz Diabetes in verschiedenen Regionen Deutschlands erhoben.

Die Forscher nutzen die Prognose, um die Dringlichkeit der Prävention zu betonen. Nähme jeder zweite Prädiabetiker an einem Programm mit Gewichtsreduktion und vermehrtem Sport teil - wie im finnischen Präventionsprogramm, das in einer Studie das Diabetesrisiko mehr als halbiert hat - ließen sich rund 370.000 Erkrankungen vermeiden, bei einer Teilnahmequote von 90 Prozent sogar eine Million.

Der neue Gesundheitssurvey, vom Robert Koch-Institut (RKI) im Auftrag des BGM erstellt, unterstreicht die Situation.

Deutsche bewegen sich zu wenig

Laut der "Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland" (DEGS) des RKI ist seit dem letzten großen Survey 1998 die Diabeteshäufigkeit um 2 Prozentpunkte auf 7,2 Prozent gestiegen, am stärksten bei Männern über 70 Jahre und Frauen unter 40 Jahre sowie bei denjenigen mit Adipositas.

Seit 1998 hat sich laut RKI zwar die Rate von Übergewicht auf hohem Level stabilisiert: 67 Prozent der Männer und 53 Prozent der Frauen sind übergewichtig.

Doch als "besorgniserregend" bewertet das RKI die steigende Zahl stark übergewichtiger Männer (18,9 auf 23,3 Prozent) sowie junger Erwachsener mit Adipositas.

Auch bewegen sich die Deutschen zu wenig. Die von der WHO empfohlenen 2,5 Stunden körperliche Aktivität pro Woche erreicht nur jeder vierte Mann und sogar nur jede siebte Frau.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Zeit für aggressive Maßnahmen

Viel Geschwätz, wenig Taten: Zeit für aggressive Weichenstellungen in der Diabetes-Prävention, meinen Fachleute. Sie fordern die Lebensmittel-Ampel und Steuern auf ungesunde Produkte. mehr »

Beim Thema Luftschadstoffe scheiden sich die Geister

Gesundheitliche Gefahren von Luftverschmutzung sehen Pneumologen vorrangig als ihr Thema an. Doch die Meinung der Fachärzte darüber ist nicht einhellig. Das zeigt sich auch im Vorfeld ihrer Fachtagung. mehr »

Patienten vertrauen auf Online-Bewertungen

In welche Praxis soll ich gehen? Ihre Entscheidung fällen Patienten zunehmend anhand von Online-Bewertungen – eine Chance für Ärzte, so eine neue Studie. mehr »