Samstag, 25. Oktober 2014
Ärzte Zeitung, 17.01.2013

Diabetesrisiko

Auf die Früherkennung kommt es an

Durch verbesserte Diagnostik und Therapie nimmt die Prävalenz von Diabetes zu - und damit mehr Arbeit für Hausärzte und Internisten.

Von Prof. Hellmut Mehnert

Prof. Hellmut Mehnert

Bei Typ-2-Diabetes: Besser ernähren, mehr bewegen

© sbra

Arbeitsschwerpunkte: Diabetologie, Ernährungs- und Stoffwechselleiden: Diesen Themen widmet sich Prof. Hellmut Mehnert seit über 50 Jahren.

Erfahrungen: 1967 hat er die weltweit größte Diabetes-Früherfassungsaktion gemacht sowie das erste und größte Schulungszentrum für Diabetiker in Deutschland gegründet.

Ehrung: Er ist Träger der Paracelsus-Medaille, der höchsten Auszeichnung der Deutschen Ärzteschaft.

Das Gros der Diabetiker wird auch künftig von Allgemeinmedizinern und Internistischen Hausärzten behandelt werden. Dies ist angesichts der epidemiologischen Daten dieser Volkskrankheit auch gar nicht anders denkbar.

Nach neueren Angaben ist mit mindestens sechs Millionen bekannten manifesten Diabetikern in Deutschland zu rechnen, zudem mit zwei bis drei Millionen noch unbekannten Zuckerkranken und zehn Millionen Menschen mit einer gestörten Glukosetoleranz ("Prädiabetes").

90 bis 95 Prozent davon sind Typ-2-Patienten, aber auch Typ-1-Diabetes nimmt stark zu - vor allem in sehr frühen Lebensjahren. 85 Prozent der Typ-2-Patienten sind übergewichtig, auch bei adipösen Kindern und Jugendlichen nimmt diese Diabetesform ständig zu.

So gibt es in den USA bereits Regionen, in denen von allen zuckerkranken Kindern und Jugendlichen 40 Prozent Typ-2-Diabetes haben. In Deutschland mögen die Zahlen noch unter zehn Prozent liegen.

Grundlagen von Diabetes geklärt

Die Zuckerkrankheit hat verschiedene Besonderheiten, die sie von anderen Krankheiten unterscheidet: Die Grundlagen sind für beide Diabetestypen weitgehend geklärt. Diabetes kann exakt diagnostiziert, und Betroffene können gut behandelt werden.

Die Folgekrankheiten des Diabetes äußern sich als vaskuläre und neuropathische Schäden mit besonderen medizinischen und sozioökonomischen Problemen.

Zur Früherkennung muss besonders bei Risikopersonen (erbliche Belastung, Übergewicht, metabolisch-vaskuläres Syndrom) nach einem Diabetes gefahndet werden.

Leider wird der Prädiabetes nicht (noch nicht?) als Krankheitsbild anerkannt, obwohl mit der FRAMINGHAM-Studie schon vor vielen Jahren auf die vermehrte kardiovaskuläre Belastung in dieser Phase der Erkrankung hingewiesen wurde.

Wie wichtig wäre es doch, hier schon erste Maßnahmen wie Schulung, Ernährungs- und Bewegungstherapie und womöglich sogar eine Prophylaxe mit Metformin einzuleiten! Ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel begünstigen die Entstehung des Typ-2-Diabetes als wichtigste Faktoren, die beeinflussbar sind.

Als weitere Faktoren kommen hinzu, dass Diabetes - besonders vom Typ 2 - erblich ist und dass die Menschen älter werden, als dies früher der Fall war.

Im Zweifel Glukosetoleranztest

Auch durch verbesserte Diagnostik und Therapie nimmt die Prävalenz des Diabetes zu (frühe Diagnose und lebenserhaltende Therapie) ebenso wie die Verschärfung der diagnostischen Kriterien.

Diese ist erforderlich geworden, da schon bei niedrigeren Blutzuckerwerten als man es früher angenommen hat, diabetische Folgeschäden zu beobachten sind. Ob der HbA1c-Wert als Parameter zur Diagnose ausreicht, ist umstritten, zumindest was das prädiabetische Stadium (5,7 bis 6,4 Prozent) angeht.

Bei Werten ab 6,5 Prozent ist aber in der Regel an der Diagnose eines Diabetes kein Zweifel. In Zweifelsfällen hat sich der orale Glukosetoleranztest mit 75 g Glukose bewährt.

Natürlich ist die beste und preisgünstigste Therapie eines übergewichtigen Typ-2-Diabetikers die Ernährungs- und Bewegungstherapie womöglich zusammen mit Metformin.

Reicht das nicht aus oder ist Metformin kontraindiziert, kommt eine personenbezogene, individualisierte Therapie hinzu, bei der - um an dieser Stelle nur eine Aussage zu machen - sicher die Kombi von Metformin mit einem DPP-4-Hemmer oder einem injizierbaren GLP-1-Agonisten am günstigsten ist.

Nicht zu spät sollte Insulin, vor allem zunächst als Basalunterstützung der oralen Therapie, gegeben werden, wie ja auch die Studie ORIGIN gezeigt hat. Früherkennung und frühe Therapie aller Diabetiker ist also anzustreben. In der prädiabetischen Phase sind verstärkt Präventionsbemühungen nötig.

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