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Alzheimer

Diabetes des Gehirns?

Die Diabetes-Epidemie führt langfristig zu mehr Demenzerkrankungen. Diabetes-Prävention und wirksame antidiabetische Therapie könnten die Entwicklung bremsen.

Dr. Thomas MeißnerVon Dr. Thomas Meißner Veröffentlicht:
Im hohen Alter die Erinnerungen festhalten: Bei Senioren mit Diabetes bremst eine optimale Therapie auch die Entwicklung von Demenz.

Im hohen Alter die Erinnerungen festhalten: Bei Senioren mit Diabetes bremst eine optimale Therapie auch die Entwicklung von Demenz.

© Gabriele Rohde / Fotolia.com

MÜNCHEN. "Diabetes mellitus gilt als einer von sieben behandelbaren Risikofaktoren, auf die womöglich bis zur Hälfte der Alzheimer-Erkrankungen zurückzuführen sind", schreiben Dr. Bastian Fatke und Professor Hans Förstl vom Klinikum rechts der Isar in München in einem Beitrag für "Der Diabetologe" (2013; 9: 217).

Von 100 Millionen Demenzerkrankungen, die weltweit im Jahre 2050 erwartet werden, könnten Schätzungen zufolge 20 Millionen vermieden werden, wenn es gelänge, den Beginn der Erkrankung um zwei Jahre zu verzögern, so die Psychiater.

Sie beschreiben verschiedene Mechanismen bei Diabetes mellitus, die die neuropathologischen Veränderungen im Gehirn bei der Entstehung einer Alzheimer-Demenz begünstigen. Denn wie Diabetes und Demenz zusammenhängen, wird immer besser verstanden.

Glykation stört mitochondriale Funktion

Demnach haben nicht nur die vaskulären Läsionen mit lokalen Hirnischämien und Mikroinfarkten häufig kognitive Störungen zur Folge. Berichtet wird auch über proangiogenetische Faktoren, die zur Bildung von Amyloid-Vorläuferproteinen und Beta-Amyloid-Plaques beitragen. Reaktive Sauerstoffspezies schädigen die Zellen direkt.

Peroxide finden sich bei milden Kognitionsstörungen vermehrt im Frontal- und Parietallappen sowie im Hippocampus, und sie scheinen im Tiermodell die Amyloid-Akkumulation zu induzieren.

Die Glykation stört die mitochondriale Funktion als Energiekraftwerk der Zellen und Insulin konkurriert mit Beta-Amyloid um ein Insulin-abbauendes Enzym - dadurch wird der Abbau von Beta-Amyloid gestört.

Bei Nagern mit chronischer Hyperglykämie ist eine verringerte Dichte an glutamatergen synaptischen Endigungen und eine Astrogliose im Hippocampus festgestellt worden und bei Patienten im Alter von Anfang 60 Jahren fand man einen Zusammenhang von hohen Blutzuckerwerten und Hippocampus- sowie Amygdala-Atrophien.

Mehr Sport und mediterrane Kost

Es gebe Autoren, so Fatke und Förstl, die die Alzheimer-Demenz (AD) als den Diabetes des Gehirns bezeichnen. Die pathophysiologischen Mechanismen von AD und Diabetes mellitus verstärkten sich gegenseitig.

Mit regelmäßiger körperlicher Aktivität, mediterraner Kost und optimierter Blutzuckereinstellung kann bis zu einem gewissen Grade der Demenzentwicklung vorgebeugt werden.

Experimentelle Studien beschäftigen sich zudem mit Insulinsensitizern oder der intranasalen Insulinapplikation zur Demenzprävention oder Verlangsamung der Progredienz kognitiver Störungen. Zudem kommt offenbar der effektiven Diagnostik von und der Therapie bei Vorliegen kardiovaskulärer Risikofaktoren eine wesentliche Bedeutung zu.

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