Typ-1-Diabetes

Intensive Insulintherapie zahlt sich langfristig aus

Eine frühe gute Stoffwechselkontrolle reduziert bei Typ-1-Diabetikern auch nach Jahrzehnten die Risiken für Herz-, Augen- und Nierenkomplikationen - und zwar recht deutlich. Das zeigt eine Studie, die seit 30 Jahren läuft.

Von Dirk Einecke Veröffentlicht:
Von einer frühen intensivierten Insulintherapie profitieren die Patienten offenbar noch Jahrzehnte danach.

Von einer frühen intensivierten Insulintherapie profitieren die Patienten offenbar noch Jahrzehnte danach.

© Andrzej Tokarski / fotolia.com

CHICAGO. Vor 30 Jahren wurde der Diabetes Control and Complications Trial (DCCT) gestartet. Neue Daten sind jetzt beim Kongress der American Diabetes Association (ADA) vorgestellt worden.

Die 1441 Typ-1-Diabetiker der Studie waren über 6,5 Jahre entweder mit der intensivierten Insulintherapie (mit Blutzuckerselbstkontrollen, mittlerer HbA1c-Wert 7 Prozent) oder konventionell behandelt worden (damals üblich: HbA1c 9 Prozent).

Nach zehn Jahren hatte die gute Stoffwechselführung das Risiko für frühe Stadien von Augen-, Nieren- und Nervenkomplikationen um bis zu 76 Prozent reduziert. Intensivierte Insulintherapie wurde daraufhin weltweit Standard.

Infarktrisiko um 57 Prozent niedriger

Mehr als 20 Jahre nach Studienbeginn hatte die bessere Stoffwechselkontrolle der ersten 6,5 Jahre das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse erheblich reduziert; die Rate von Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzkreislauftod war im Vergleich um 57 Prozent verringert (NEJM 2005; 353: 2643).

Es gab 46 Ereignisse bei 31 Patienten der Interventionsgruppe und 98 Ereignisse bei 52 Kontroll-Patienten. Die Differenz wurde fast komplett auf die Blutzuckereinstellung zurückgeführt.

30 Jahre nach Studienbeginn werden weiter die Daten von 95 Prozent der überlebenden Teilnehmer verfolgt. Die Rate von Herzinfarkten und Schlaganfällen liegt in der Interventionsgruppe weiter knapp 60 Prozent unter der der Kontrollgruppe, wurde berichtet.

Auch die Rate von diabetischen Nephropathien ist um 50 Prozent reduziert. Augenlicht-bedrohende Komplikationen sowie Augenoperationen wurden ebenfalls bis heute im Vergleich nur halb so oft in der Interventionsgruppe beobachtet.

In Folge schlechter Stoffwechseleinstellung leiden zudem zwei Drittel der DCCT-Patienten an Beweglichkeits-Einschränkungen der oberen Extremität wie "frozen shoulder", Karpaltunnelsyndrom und krankhaften Veränderungen an Hand- und Fingergelenken.

Möglichst frühe normnahe Stoffwechselführung wichtig

Die Daten bestätigen die Notwendigkeit einer frühen möglichst normnahen Stoffwechselführung, resümierte der US-Diabetologe Professor David Nathan aus Boston.

Es dauert dabei relativ lang, bis sich die Vorteile einer guten Stoffwechseleinstellung zeigen. Die initial um zwei HbA1c-Prozentpunkte bessere Blutzuckerkontrolle in der Interventionsgruppe machte sich erst nach 20 Jahren bei makrovaskulären Ereignissen bemerkbar.

Dies unterstreicht das Dilemma, bei modernen antidiabetischen Therapien heute in relativ kurzer Zeit einen kardiovaskulären Nutzen aufzeigen zu müssen, um bei Gesundheitsbehörden nicht in Ungnade zu fallen.

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Kommentare
Dr. Uwe Wolfgang Popert 26.06.201314:06 Uhr

Was ist intensiv?

Der oben genannte Erfolg der DCCT bzw. EDIC Studie beruht auf einer HbA1c-Senkung von 9 auf 7%. Das Adjektiv "Intensiv" wird heutzutage aber gerne für Bereiche unter 7% verwendet - und für den Bereich gibt es bisher keine Belege, dass ein möglicher Nutzen das Risiko durch Hypoglykämien aufwiegt.
Besser als das Wort "intensiv" zu verwenden, sollte man also lieber direkt sagen, was man meint. Wenn man Diabetiker nicht gefährden will.

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