Ärzte Zeitung, 19.07.2013

Gestationsdiabetes

Der Vorbote von Typ-2-Diabetes

Jede zweite Frau mit Gestationsdiabetes bekommt später Typ-2-Diabetes. Stillen und gesunder Lebensstil beugen vor. Wichtig sind regelmäßige Blutzucker-Tests zur Früherkennung.

Von Wolfgang Geissel

mama-A.jpg

Nach einem Gestationsdiabetes sollte bei Betroffenen regelmäßig der Blutzucker kontrolliert werden, empfiehlt die Deutsche Diabetes Gesellschaft.

© Liaurinko / fotolia.com

NEU-ISENBURG. Schwangerschaftsdiabetes trifft vor allem stark übergewichtige Frauen über 35 Jahre und inzwischen auch zunehmend jüngere. Der Gestationsdiabetes ist dabei ein Risiko für Mutter und Kind.

Nach der Geburt haben betroffene Mütter zudem ein hohes Risiko für einen manifesten Diabetes. Das bestätigen die Daten einer Studie aus Südkorea (J Clin Endocrinol Metab. 2013; 98: E744).

Darin wurden 843 Frauen nach Gestationsdiabetes regelmäßig untersucht. Die Langzeitstudie ergab, dass jede zweite Frau binnen acht Jahren nach Entbindung an Typ-2-Diabetes erkrankte.

Bei 12,5 Prozent waren die Blutzuckerwerte sogar schon bei der ersten Nachuntersuchung nach zwei Monaten erhöht. Diese "early converter" hatten häufig eine bestimmte Genvariante (HHEX), die die Anfälligkeit für einen Typ-2-Diabetes steigert.

Bei den Frauen, die später einen Typ-2-Diabetes entwickelten ("late converter"), lag oft eine andere Gen-Variante (CDKAL1) vor. Dies bestätigt eine erbliche Veranlagung für einen Typ-2-Diabetes, so die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) in einer Mitteilung.

Auch die Deutsche Gestationsdiabetes Studie (PREG) beobachtet eine Gruppe von Frauen in der Schwangerschaft und bis zu zehn Jahre nach der Geburt ihrer Kinder. In Deutschland tritt bei vier Prozent aller Schwangeren ein Gestationsdiabetes auf.

Stillen reduziert das Risiko

Von den Betroffenen entwickelt jede Zweite binnen zehn Jahren nach Entbindung Typ-2-Diabetes, obwohl sich ihr Blutzuckerspiegel nach der Entbindung zunächst wieder normalisiert hat.

Im Unterschied zur südkoreanischen Studie nehmen an der PREG Studie auch Frauen ohne Gestationsdiabetes teil, die aufgrund ihres persönlichen Risikoprofils nach der Schwangerschaft ebenfalls an Diabetes erkranken könnten.

Mit den Daten sollen das Erkrankungsrisiko in Zukunft besser abgeschätzt und individuelle Präventionsmaßnahmen entwickellt werden, so die DDG.

Typ-2-Diabetes ist kein unabwendbares Schicksal. Frauen mit Gestationsdiabetes, die ihr Kind stillen, haben auf lange Sicht ein um 40 Prozent verringertes Risiko für Typ-2-Diabetes.

US-Studien zeigen zudem, dass Ernährungsumstellung und Gewichtsreduktion das Risiko für Typ-2-Diabetes bei betroffenen Frauen halbieren können.

Unbedingt zu empfehlen ist eine regelmäßige Kontrolle des Glukosestoffwechsels nach der Entbindung, auch wenn sich die Blutzuckerwerte zunächst wieder normalisiert haben.

Sechs bis zwölf Wochen nach der Geburt sollte nach einem überstandenen Gestationsdiabetes das erste Mal der Blutzucker gemessen werden, so die DDG. Sind die Werte unauffällig, sollten die Messungen alle zwei bis drei Jahre wiederholt werden.

[19.07.2013, 22:29:54]
Dr. Uwe Wolfgang Popert 
Beweislage dürftig
Wo sind die Belege, dass auch in diesem Fall nicht eine Kontrolle des Nüchtern-Blutzuckers alle 2 Jahre (im Rehmen der Gesundheitsvorsorge) völlig ausreicht?
Das Gefäßrisiko bei beginnendem Diabetes hängt weniger von den Blutzuckerwerten und viel mehr von Nikotinabusus, Hypertonus, Hyperlipidämie und Bewegungsarmut ab!  zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

So schädlich fürs Herz wie Cholesterin

Depressionen steigern bei Männern das Risiko fürs Herz ähnlich stark wie hohe Cholesterinwerte oder Fettleibigkeit. Das ergab eine aktuelle Analyse der KORA-Studie. mehr »

Den Berg im eigenen Tempo erklimmen

Medizinstudentin Solveig Mosthaf fühlt sich im Studium manchmal, als würde sie einen steilen Berg hinauf kraxeln. Sie wünscht sich mehr Planungsfreiheit – und die Möglichkeit, eigene Wege zu gehen. mehr »

Positive HPV-Serologie bringt bessere Prognose

Bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumor ist eine positive HPV-16-Serologie mit einem verbesserten Überleben assoziiert. Das bestätigt jetzt eine US-Studie. Demnach liegt die Wahrscheinlichkeit für ein Fünf-Jahres-Überleben sogar 67 Prozent höher. mehr »