Ärzte Zeitung, 22.10.2013

Ernährung

Diabetiker profitieren mehrfach von Ballaststoffen

Ballaststoffe tragen zur Sättigung bei, senken die Energiedichte der Nahrung und glätten die Blutzuckerkurve nach Mahlzeiten.

NEU-ISENBURG. 40 Gramm Ballaststoffe am Tag sollten Menschen mit Diabetes jeden Tag mit der Nahrung zu sich nehmen, betont Dr. Astrid Tombek von der Diabetes Klinik Bad Mergentheim.

Dieses Ziel wird in Deutschland nur selten erreicht, berichtet die Ernährungsexpertin in einer Mitteilung von diabetesDE. Vollkornprodukte wie Brot, Vollkornreis, -nudeln oder -flocken sowie Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte sind die Hauptlieferanten.

Die Vorteile: Ballaststoffe sind in reiner Form fast kalorienfrei. Während der Verdauung verzögern sie die Aufnahme anderer Nährstoffe ins Blut, etwa von Zucker.

Das wiederum wirkt sich günstig auf den Blutzuckerspiegel und die Sättigung aus. Erst im unteren Darm werden sie von der dort ansässigen Bakterienflora verstoffwechselt und tragen so auch zur Darmgesundheit bei.

Ballaststoffkonsum verdoppeln

"Die meisten Menschen mit Diabetes und solche mit einem erhöhten Risiko müssten ihren Ballaststoffkonsum fast verdoppeln, um die aktuellen Empfehlungen zu erreichen", so Tombek. Vor allem zu Beginn der Umstellung auf eine ballaststoffreichere Ernährung kann es vorübergehend zu Unverträglichkeiten kommen. "Wichtig ist daher, die Ernährung schrittweise zu verändern", rät Tombek.

Eine professionelle Ernährungsberatung sei in jedem Fall empfehlenswert.Eine zusätzliche Sättigungswirkung und ein Kalorienspareffekt können auch mit zugesetzten Ballaststoffen erreicht werden, wie etwa durch Zugabe von Kleie zu Brot oder von löslichen Ballaststoffen zu Milch oder anderen Getränken.

"Für ältere Menschen mit Kau- und Schluckproblemen oder solche, die wenig Bewegungsmöglichkeit haben, kann ein solches Zusatzpräparat auch sinnvoll sein, um die Darmtätigkeit anzuregen", so Tombek. (eb)

[29.10.2013, 15:01:14]
Iris Flöhrmann 
Diabetiker profitieren von Ballaststoffen- welch Neuigkeit!
Interessanterweise haben sich die Empfehlungen für die Ernährung von Diabetikern in den letzten Jahren( fast schon Jahrzehnten) nicht wirklich verändert.Auch wenn die Diskussionen um einzelne Aspekte das immer wieder suggerieren.
Warum wird denn das Ziel von 40g Ballaststoffen so selten erreicht?
Vielleicht weil das alleinige Nennen von ballaststoffreichen Lebensmitteln nicht ausreicht?
Das Verdoppeln schwierig ist, wenn man keine konkreten Beispiele bekommt?
Man ohne konkrete Beratung die "Unverträglichkeiten" vielleicht gar nicht in Griff bekommt und sich plötzlich im Reich der Menschen mit Nahrungsunverträglichkeiten wähnt?
Brot und die vielfach propagierte "low-carb"-Ernährung immer mit totalem Verzicht auf Brot, Reis und Nudeln verbunden sind und nun ausgerechnet da die Ballaststoffe drin sind?

Im Text wird dazu gesagt, daß eine professionelle Ernährungsberatung empfehlenswert wäre.

Schade nur, daß das so selten umgesetzt wird. Die professionelle Ernährungsberatung, die im Falle eines Diabetes laut der Leitlinien ja zur Basistherapie gehört, ist kein fester verordnungsbarer Bestandteil im SGB.
Besonders nicht professionel durchgeführt von einer Berufsgruppe, die speziell dafür ausgebildet wurde.
Die gibt es aber: Diätassistenten! In 3 Jahren Ausbildung als Gesundheitsberuf erlernen sie nicht nur das entsprechende medizinische Fachwissen ,sondern auch Grundlagen der Lebensmittelkunde u. Koch-und Küchentechnik verbunden mit Beratungstechniken.
Damit können sie patientenorientiert die medizinischen Ziele der Betroffenen in konkrete Essempfehlungen umsetzten, die in den Alltag des Betroffenen passen und dann auch beibehalten werden können.

Iris Flöhrmann
Ernährungsberatung-Stormarn
Sprecherin der Fachgruppe "Ambulante Diättherapie&Freiberuflichkeit"
des VDD (Berufsverband der Deutschen Diätassistenten) zum Beitrag »

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