Ärzte Zeitung, 22.01.2014

Diabetischer Fuß

Die fünf häufigsten Therapiefehler

Mehr als jeder zweite Patient mit diabetischem Fußsyndrom muss innerhalb von vier Jahren mit der Amputation rechnen.

STUTTGART. Etwa 300.000 Menschen erkranken in Deutschland jährlich an einem diabetischen Fußsyndrom, mehr als die Hälfte müssen sich innerhalb von vier Jahren einer Amputation unterziehen.

Amputationen könnten vielfach verhindert werden, wenn typische Fehler bei der Diagnostik und Behandlung vermieden würden, meint Professor Ralf Lobmann, Endokrinologe am Klinikum Stuttgart - Bürgerhospital (MMW - Fortschr. Med. 2013; 155: 63).

"Auch bei äußerlich blandem und teils unscheinbar kleinem Aspekt zeigt sich bei Sondierung oft eine unerkannte Tiefenausdehnung oder eine subklinische Begleitinfektion in das umgebendes Gewebe", warnt Lobmann.

Die fehlende Schmerzsymptomatik, die womöglich reizlos aussehende Wunde, tastbare Fußpulse und das rosige Hautkolorit tragen zur Fehleinschätzung der Läsionen an typischen druckbelasteten Stellen des Fußes bei.

Begleitende Nagel- oder Interdigitalmykosen stören ebenfalls die Heilung, weshalb auf solche Infektionen geachtet werden müsse, fordert Lobmann.

Der Diabetologe hat die fünf häufigsten Fehler im Zusammenhang mit dem diabetischen Fußsyndrom zusammengefasst:

Verschleppte Diagnose: Eine Wunde, die unter der Therapie nicht binnen vier Wochen kleiner wird, ist als chronische Wunde anzusehen.

Unzureichende Entlastung: Druckentlastungsschuhe werden nicht getragen oder es ist keine Entlastung verordnet worden. Als Goldstandard und am besten untersuchte Entlastungsform gilt der Total Contact Cast (TCC), also ein individuell angepasster Steifverband, der nur zum Verbandswechsel abgenommen wird. Möglich sind auch Hilfsmittel wie Gehstützen, Orthesen, Rollstühle oder die initial vollständige Immobilisierung.

Inadäquat behandelte Infektion: Aufgrund der verminderten Immunkompetenz fehlen oft die klassischen Entzündungszeichen. Die antibiotische Behandlung muss stadiengerecht so schnell wie möglich initiiert werden.

Dabei ist die lokale Antibiotika-Applikation unbedingt zu vermeiden, weil keine ausreichenden Wirkspiegel erreicht und weil Resistenzen sowie allergische Reaktionen gefördert werden.

Mangelhaftes Débridement: Das initiale Wunddébridement ist eine heilungsaktivierende Maßnahme, avitales Gewebe sowie bakterieller Biofilm werden entfernt, ein vitaler Wundgrund wird hergestellt. Lobmann: "Ein gründliches und regelmäßiges Débridement hat einen höheren Stellenwert als die Wahl einer bestimmten Wundauflage."

Keine stadiengerechte Therapie: Das Ausmaß der Gewebezerstörung sowie das Vorliegen einer Infektion und/oder Ischämie bestimmen die Therapie, die enstsprechende Stadieneinteilung soll nach Empfehlung der DDG nach der Wagner-Armstrong-Klassifikation erfolgen. (ner)

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