Direkt zum Inhaltsbereich

Diabetes

Herzinsuffizienz stärker beachten

Herzinsuffizienz werde als kardiovaskuläre Komplikation bei Diabetes kaum beachtet, kritisiert eine Expertengruppe. Ihr Appell: Diese Vernachlässigung muss ein Ende haben.

Peter OverbeckVon Peter Overbeck Veröffentlicht:
Schwach und gebrechlich: Herzinsuffizienz ist eine der häufigsten und prognostisch wichtigsten kardiovaskulären Komplikationen bei Diabetes.

Schwach und gebrechlich: Herzinsuffizienz ist eine der häufigsten und prognostisch wichtigsten kardiovaskulären Komplikationen bei Diabetes.

© Barabas Attila / fotolia.com

GLASGOW. Die Zulassungsbehörden FDA und EMA haben in jüngster Zeit die Regularien für den Nachweis der Therapiesicherheit neuer Antidiabetika verschärft.

Danach ist die Marktzulassung an den Nachweis gebunden, dass sie das kardiovaskuläre Risiko von Diabetikern nicht erhöhen.

Diese Auflage ist ein Bruch mit der zuvor gängigen Sichtweise, wonach Blutzuckersenkung wie selbstverständlich als Surrogat für eine künftige Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse galt.

Die Anhebung der Zulassungshürde habe dazu geführt, dass mittlerweile rund 150.000 Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder hohem kardiovaskulären Risiko in randomisierten Studien vornehmlich zur Sicherheit neuer Antidiabetika unter Beobachtung standen und stehen.

Das konstatieren Professor John McMurray aus Glasgow und drei weitere renommierte Experten in einem Beitrag, den das Fachblatt "Lancet Diabetes & Endocrinology" als "persönliche Meinung" (personal view) veröffentlicht hat (online 13. März).

Klinikeinweisungen wegen Herzinsuffizienz nicht berücksichtigt

Als sicherheitsrelevante klinische Endpunkte stehen in diesen Studien primär kardiovaskuläre Todesfälle, Herzinfarkte und Schlaganfälle im Blickpunkt, zudem noch Ereignisse wie akutes Koronarsyndrom oder notfallmäßige Revaskularisationen. So weit, so gut.

Gleichwohl melden Murray und seine Mitstreiter - allesamt erfahrene Leiter großer klinischer Studien - jetzt Kritik an. Sie zielt auf die Tatsache, dass in keiner dieser neuen Studien Klinikeinweisungen wegen Herzinsuffizienz als Komponente des primären kardiovaskulären Endpunktes oder zumindest als sekundärer Endpunkt auftauchen.

Ignoriert werde dabei, dass Herzinsuffizienz eine der häufigsten und prognostisch wichtigsten kardiovaskulären Komplikationen bei Diabetes sei.

Zudem sei Herzinsuffizienz die einzige kardiovaskuläre Komplikation, auf die zumindest einige Antidiabetika schon im Zeitrahmen der Studien einen - leider ungünstigen - Einfluss hatten. Murray und seine Kollegen spielen dabei auf die Erfahrungen mit Thiazolidindionen (Rosiglitazon, Pioglitazon) in Studien an.

Herzinsuffizienz gleichen Status wie Myokardinfarkten geben

Sie erinnern auch an die völlig unerwartete und bislang ungeklärte Zunahme von Klinikeinweisungen wegen Herzinsuffizienz in einer großen Endpunktstudie (SAVOR-TIMI 53) mit dem DPP-4-Hemmer Saxagliptin.

Hospitalisierungen infolge Herzinsuffizienz stehen heute in ihrer Häufigkeit bei Diabetes anderen kardiovaskulären Komplikationen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall nicht nach.

Es sei deshalb an der Zeit, der Herzinsuffizienz als Endpunkt von klinischen Studien den gleichen Status einzuräumen wie Myokardinfarkten, fordern die vier Autoren.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Gastbeitrag

Bedenken gegenüber Digitalen Gesundheitsanwendungen anscheinend berechtigt

Nur ein Übergangszustand

Metabolisch unauffällige Adipositas wohl nicht gutartig

Das könnte Sie auch interessieren
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Signalkaskade der kardiovaskulären Inflammation

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [9]

Sekundärprophylaxe nach Herzinfarkt

Therapie der kardiovaskulären Inflammation senkt das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APONTIS PHARMA Deutschland GmbH & Co. KG

T2D-Therapie jetzt auch mit Semaglutid 2 mg

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma Gmbh, Mainz
Abb. 1-- Zeit bis zum ersten Ereignis (Tod durch jegliche Ursache oder kardiovaskuläres Ereignisb) in der Gesamtpopulation (a) bzw. in der Monotherapie-Population (b).

© Springer Medizin Verlag

Mit Vutrisiran früh kausal behandeln

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alnylam Germany GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

„ÄrzteTag“-Podcast

Wie kommuniziert man Zahlen und Risiken verständlich, Dr. Lühnen?

Fußball-Weltmeisterschaft

WM-Kolumne: Spitzensport schützt – und hinterlässt Spuren

Lesetipps
Sehr viele unterschiedliche Tabletten liegen auf einem weißen Tisch.

© DhanaStudio / Generated with AI

Damit die Behandlung anschlägt

Intensivierung bei therapieresistenter Hypertonie: Wie vorgehen?

Einzelne Bilder von Lebensmitteln die reich an Histamin sind.

© PhotoSG / stock.adobe.com

Mythos mit Nebenwirkungen

Verdacht auf Histaminintoleranz: Wie Sie jetzt vorgehen

Schatten eines übergewichtigen Menschen an einer Wand.

© Luluraschi / stock.adobe.com

Fettleibigkeit beginnt im Gehirn

Adipositas: Wechselspiel zwischen Genetik, Hirn und Mikrobiom