Ärzte Zeitung, 07.04.2014

Diabetiker

Vorhofflimmern lässt sich abspecken

Viele Diabetiker haben Vorhofflimmern. Gegen die Herzrthymus-Störung hilft Abnehmen, zeigt eine Studie.

Vorhofflimmern lässt sich abspecken

Anlegen des Langzeit-EKG zur Diagnostik von Herzrhythmus-Störungen: Lebensstiländerungen sind eine effektive Möglichkeit, Vorhofflimmern zu reduzieren.

© Klaus Rose

MAINZ. "Lebensstiländerungen sind eine effektive Möglichkeit, Vorhofflimmern zu reduzieren und sollten bei Betroffenen eigentlich Basistherapie sein", hat Privatdozent Michael Lehrke beim Diabetes Update in Mainz betont.

Die in Studien erreichten Therapie-Erfolge gehen dabei über die Möglichkeiten einer Pharmakotherapie hinaus, sagte der Kardiologe vom Universitätsklinikum Aachen.

In welchem Ausmaß Bewegung und Gewichtsreduktion das Vorhofflimmern verringern kann, hat er anhand einer Studie erläutert. An der Untersuchung von Forschern der Universität in Adelaide in Australien hatten 150 Patienten mit symptomatischem Vorhofflimmern (VHF) teilgenommen (JAMA 2013; 310: 2050).

Die Probanden waren im Schnitt 59 Jahre alt und mit einem mittleren BMI von 33 adipös. Etwa jeder vierte hatte einen manifesten Diabetes oder eine gestörte Glukosetoleranz.

"symptom-burden-score" sank in Interventionsgruppe deutlich

Patienten der Interventionsgruppe wurden auf eine Reduktionsdiät von 800 bis 1200 kcal am Tag gesetzt und nahmen an einem Bewegungsprogramm mit dreimal 20 Minuten pro Woche teil, das später auf dreimal 45 Minuten pro Woche ausgedehnt wurde. Patienten einer Kontrollgruppe erhielten lediglich eine Lebensstilberatung.

Ergebnisse: Patienten der Interventionsgruppe konnten während der 15 Monate Nachbeobachtung mit durchschnittlich 14,3 kg deutlich mehr abspecken als Patienten der Kontrollgruppe (minus 3,6 kg).

Die Gewichtsabnahme war dabei mit einer deutlichen Abnahme der Häufigkeit, Dauer und Intensität von VHF-Episoden assoziiert, berichtete Lehrke. So sank der "symptom-burden-score" von VHF in der Interventionsgruppe im Mittel von 21 auf 8,8 Punkte, in der Kontrollgruppe von 21,6 auf 18,7 Punkte.

Ähnlich verringerte sich die VHF-Intensität ("symptom severity score") von 15,2 auf 6,7 Punkte in der Interventionsgruppe im Vergleich zu einer Reduktion von 16 auf 14,7 Punkte in der Kontrollgruppe.

Strukturelle Veränderungen am Herzmuskel

Im 7-Tage-Holter-EKG nahm zudem in der Interventionsgruppe die Zahl der VHF-Episoden um 2,5 ab, in der Kontrollgruppe gab es hier keine Veränderungen.

Auch die kumulative VHF-Zeit verringerte sich bei der EKG-Untersuchung von 1176 auf 491 Minuten in der Interventionsgruppe, in der Kontrollgruppe verlängerte sie sich von 1394 auf 1546 Minuten.

Ebenso gab es strukturelle Veränderungen am Herzmuskel: So nahm die myokardiale Septumdicke um 1,1 mm (Interventionsgruppe) und 0,6 mm (Kontrollgruppe) ab, die Vorhofgröße um 3,5 cm2 versus 1,9 cm2.

Die in der Studie erreichten Therapieerfolge sind beeindruckend, sagte Lehrke: "Eine Gewichtsreduktion sollte ein entscheidendes Therapieziel bei der Behandlung von Patienten mit Vorhofflimmern sein." (eis)

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