Ärzte Zeitung, 12.08.2014

Neue Studie

Stress im Job - und das Diabetes-Risiko steigt

Eine hohe Belastung im Beruf kann das Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken, deutlich erhöhen. Das zeigt eine neue Studie von Wissenschaftlern des Helmholtz Zentrums München.

Stress im Job - und das Diabetes-Risiko steigt

Jeder fünfte Arbeitnehmer sei von einer hohen psychischen Arbeitsbelastung betroffen, haben die Helmholtz-Forscher ermittelt.

© Jeanette Dietl / fotolia.com

MÜNCHEN. Stress am Arbeitsplatz kann vielfältige negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Eine in der Folge entstehende systemische Entzündungsreaktion im Körper sowie ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen konnten bereits nachgewiesen werden.

Ob und wie eine hohe Arbeitsbelastung die Entwicklung von Typ-2-Diabetes beeinflusst, wird bislang allerdings unterschiedlich beurteilt.

Das Team um Dr. Cornelia Huth und Professor Dr. Karl-Heinz Ladwig vom Helmholtz Zentrum München (Psychosomatic Medicine 2014; online first 6. August) hat nun herausgefunden: Personen mit einer hohen Arbeitsbelastung und gleichzeitig niedriger Kontrolle über die verrichteten Tätigkeiten haben ein etwa 45 Prozent höheres Risiko für Typ-2Diabetes als Personen mit geringer Belastung am Arbeitsplatz.

Dazu werteten die Wissenschaftler in Zusammenarbeit mit Professor Johannes Kruse vom Uniklinikum Gießen und Marburg die Daten von über 5300 berufstätigen Teilnehmern zwischen 29 und 66 Jahren der bevölkerungsbasierten Kohortenstudie MONICA/ KORA aus.

Beobachtungen über 13 Jahre

Zu Studienbeginn lag bei keinem der Teilnehmer ein Diabetes vor. Im Nachbeobachtungszeitraum über durchschnittlich 13 Jahre wurde dann bei knapp 300 Personen Typ-2-Diabetes diagnostiziert, teilt das Helmholtz Zentrum München mit.

Die ermittelte Risikoerhöhung durch die Arbeitsbelastung sei unabhängig von klassischen Risikofaktoren für Diabetes wie Übergewicht, Alter oder Geschlecht gewesen.

"Nach unseren Daten ist rund jeder fünfte Arbeitnehmer von einer hohen psychischen Arbeitsbelastung betroffen. Die Wissenschaft meint hier nicht den normalen Jobstress, sondern die Situation, wenn Betroffene die Arbeitsanforderungen als sehr hoch einschätzen und gleichzeitig über geringe Handlungs- und Entscheidungsspielräume verfügen. Diese beiden Dimensionen haben wir in unseren Befragungen ausführlich erfasst", wird Studienleiter Ladwig in der Mitteilung zitiert.

"Angesichts der massiven gesundheitlichen Folgen von stressassoziierten Erkrankungen sollten präventive Maßnahmen gegen Volkskrankheiten wie Diabetes daher auch an diesem Punkt ansetzen."

Umweltfaktoren und Lebensstil tragen wesentlich zu der Entstehung weit verbreiteter Erkrankungen in Deutschland, etwa Diabetes mellitus, bei. Ziel des Helmholtz Zentrums München, Partner im Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD), sei es, neue Ansätze für Diagnose, Therapie und Prävention der großen Volkskrankheiten zu entwickeln. (eb)

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