Diabetes

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Ärzte Zeitung, 30.11.2015

Adipositas

Viele junge Typ-1-Diabetiker sind massiv übergewichtig

Die Adipositasepidemie macht auch vor Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes nicht Halt. Das kann für sie gefährlich werden.

Von Beate Schumacher

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Intensivierte Insulintherapie und veränderte Lebensgewohnheiten fördern Übergewicht bei jungen Typ-1-Diabetikern.

© meal_meaw / fotolia.com

TAMPA. Das Bild vom dünnen Typ-1-Diabetiker ist nach wie vor weit verbreitet. Der Realität wird es allerdings kaum noch gerecht. Dank intensivierter Insulintherapie, aber auch infolge veränderter Lebensgewohnheiten liegt heute der BMI vieler Patienten schon im Kindes- und Jugendalter über den alters- und geschlechtsabhängigen Referenzwerten.

Darauf macht ein internationales Ärzteteam aufmerksam, dass die Daten von zwei großen pädiatrischen Typ-1-Diabetes(T1D)-Registern ausgewertet hat. Die Mediziner um Stephanie M. DuBose vom Jaeb Center for Health Research in Tampa (Florida) warnen vor nachteiligen Auswirkungen auf die Blutzuckerkontrolle (JPEDS 2015; 167: 627-632).

Als Datenbasis dienten das T1D Exchange (T1DX)-Register und die Diabetes-Patienten-Verlaufsdokumentation (DPV). T1DX ist ein Register von US-amerikanischen Diabeteszentren, in die aktuelle Analyse sind Daten von 11.435 Patienten unter 18 Jahren eingegangen.

Nur 64 Prozent normalgewichtig

 In der DPV sind derzeit über 90 Prozent der deutschen und über 70 Prozent der österreichischen Kinder mit Diabetes erfasst; 21.501 von ihnen wurden in der vorliegenden Studie berücksichtigt.

Legt man die Vorgaben der WHO zugrunde, waren in beiden Registern zusammengenommen 12 Prozent der Kinder adipös und 24 Prozent übergewichtig. Normalgewicht hatten nur 64 Prozent; bei weniger als einem Prozent bestand Untergewicht. Dabei hatten die amerikanischen Patienten einen signifikant höheren BMI als die europäischen.

Die Abweichung von den Referenzwerten der WHO, der BMI-Z-Score, betrug im Median 0,78 versus 0,65 Einheiten. Gegenüber den jeweiligen nationalen Referenzwerten war der BMI-Z-Score um 0,74 beziehungsweise um 0,33 erhöht. Die Überschreitung der Normwerte zeigte sich in allen Altersklassen mit Ausnahme der Zwei- bis Fünfjährigen.

Der HbA1c-Wert lag im Mittel bei 8,5 Prozent (USA) und 7,9 Prozent (Deutschland / Österreich). Höhere BMI-Z-Scores waren mit höheren HbA1c-Werten korreliert, und zwar unabhängig von Diabetesdauer, Alter und Geschlecht.

Darüber hinaus bestand auch eine Assoziation zwischen erhöhten BMI-Z-Scores und der Häufigkeit von schweren Hypoglykämien (mit Krampf oder Bewusstseinsverlust) im letzten Jahr.

Zusammenhang zwischen BMI und Unterzuckerung?

Die Autoren weisen allerdings darauf hin, dass die Unterschiede in HbA1c und Hypoglykämieraten geringfügig und möglicherweise nicht klinisch relevant waren. Außerdem sei unklar, ob zwischen dem BMI und dem Auftreten von Unterzuckerungen ein kausaler Zusammenhang bestehe.

"Ein gesundes Gewicht ist ein wichtiges Element in der Versorgung von jungen Menschen mit Typ-1-Diabetes. Aber wie man dieses Ziel erreicht und gleichzeitig Blutzucker und HbA1c mit einer intensivierten Insulintherapie möglichst normnah einstellt, das ist noch nicht etabliert", fassen DuBose und Kollegen das Dilemma zusammen.

Es müsse jedoch mehr darauf geachtet werden, eine übermäßige Kalorienzufuhr zu vermeiden, gesunde Lebensmittel auszuwählen, regelmäßig Sport zu machen, weniger Zeit vor dem Bildschirm zu verbringen und auf unnötige Snacks zu verzichten.

Diskutiert wird derzeit auch, ob Medikamente gegen Typ-2-Diabetes als Zusatz zur Insulintherapie auch bei Typ-1-Diabetikern günstige Effekte haben könnten.

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