Ärzte Zeitung, 02.11.2015

Bei Diabetes

Diese drei Selbstkontrollen sind ein Muss

Von Prof. Hellmut Mehnert

Diabetes-Patienten müssen mit drei Arten der Selbstkontrolle vertraut sein. Welche das sind, schildert Experte Hellmut Mehnert in seiner Kolumne.

NEU-ISENBURG. Diabetes-Patienten müssen mit drei Arten der Selbstkontrolle vertraut sein: Körpergewicht kontrollieren, Füße inspizieren und Blutzucker selbst messen. Mit den Befunden lassen sich Therapien optimieren sowie Komplikationen und Langzeitschäden vermeiden.

Prof. Hellmut Mehnert

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© sbra

Arbeitsschwerpunkte: Diabetologie, Ernährungs- und Stoffwechselleiden: Diesen Themen widmet sich Prof. Hellmut Mehnert seit über 50 Jahren.

Erfahrungen: 1967 hat er die weltweit größte Diabetes-Früherfassungsaktion gemacht sowie das erste und größte Schulungszentrum für Diabetiker in Deutschland gegründet.

Ehrung: Er ist Träger der Paracelsus-Medaille, der höchsten Auszeichnung der Deutschen Ärzteschaft.

Die regelmäßige Gewichts-Kontrolle wird dabei oft unterschätzt. Etwa 85 Prozent der Typ-2- und 50 Prozent der Typ-1-Diabetiker sind übergewichtig oder adipös. Ein Diabetiker sollte sich täglich wiegen (am besten morgens) und das Ergebnis dokumentieren.

In der Praxis sollte darüber hinaus der Bauchumfang mit einem Maßband bestimmt werden (viszerale oder Hüftfettsucht?). Mit dem Patienten sollte besprochen werden, ob Therapie und Lebensstil eine Gewichtsnormalisierung ermöglichen.

Entscheidend ist auch die regelmäßige Kontrolle der Füße. Die Patienten müssen dabei auch die Fußsohlen mit einem Spiegel inspizieren. Ihnen muss ein eingeschärft werden, dass sie bei Verletzungen, Schrunden, Wunden oder Blasen unverzüglich einen Arzt aufsuchen.

Rat zu professioneller Fußpflege

Alle Diabetiker müssen zudem die Maßnahmen zur Prävention eines diabetischen Fußsyndroms (DFS) kennen. Insbesondere gilt es, keine engen Schuhe zu tragen. Neue Schuhe sollten nachmittags anprobiert werden, wenn die Füße eher etwas geschwollen sind.

Patienten sollten keine rauen Strümpfe tragen, die Füße täglich mit lauwarmem Wasser waschen und scharfe Bürsten vermeiden. Wichtig ist auch Vorsicht beim Schneiden der Fußnägel (möglichst viel Feilen!). Zu empfehlen ist auch eine professionelle Fußpflege bei einer Fachkraft.

Die Blutzucker-Selbstkontrolle ist grundsätzlich für alle Typ-1- und Typ-2-Diabetiker mit Insulintherapie wichtig. Aber auch Typ-2-Diabetiker ohne Insulinbehandlung sollten gelegentlich ihren Blutzucker messen, auch wenn dies womöglich zu Problemen mit den Krankenkassen führt.

Ärzte sollten daher die Notwendigkeit begründen, etwa bei Gefahr von Spätschäden oder bei Hypoglykämie-Risiko. Die Blutzuckerselbstmessung hilft, Hypo- und Hyperglykämien zu vermeiden.

Anhand von ermittelten Trends beim Blutzucker können Patienten zudem ihren Lebensstil optimieren. Besonders bedeutsam ist auch hier die Dokumentation der Messwerte, um mit dem Arzt das weitere Vorgehen zu besprechen.

Viele technische Fortschritte

Es gibt hunderte verschiedener Blutzuckermessgeräte. Einige Systeme bieten zusätzliche Funktionen an, wie zum Beispiel das Accu-Chek-Aviva-System mit Blutzuckermessgerät, passender Smartphone-App mit Bolusrechner und Online-Plattform (Accu-Chek-Connect).

 Patienten können damit sogar Smartphone-Fotos ihrer Mahlzeiten im elektronischen Tagebuch speichern. Mit den Bildern können Ärzte abschätzen, ob Patienten Kohlenhydrate und die daraus resultierenden Insulin-Bolusgaben korrekt ermittelt haben.

Positive Erfahrungen machen Typ-1-Diabetiker auch mit der kontinuierlichen Glukosemessung (CGM). Damit lassen sich vor allem auch Hypoglykämien vermeiden. Die CGM-Geräte geben einen Warnton ab, wenn sich eine Unterzuckerung anbahnt. Besonders bei kleinen Kindern und nachts ist eine solche Kontrolle von großem Nutzen.

Eine abgespeckte Version zur kontinuierlichen Messung ist das Flash-Glukosemesssystem FreeStyle® Libre. Hiermit wird Patienten besonders das ständige Stechen in den Finger erspart. Ein Sensor, der am Oberarm unter einem Wasser-abstoßenden Pflaster getragen wird, misst den Blutzucker bis zu zwei Wochen lang.

Die Glukose wird in Minutenintervallen in der Gewebsflüssigkeit gemessen und die Werte werden gespeichert. Sie können dann mit einem Scanner ausgelesen werden.

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