Ärzte Zeitung, 17.11.2015

Diabetes nach der Geburt?

Einfacher Test klärt die Risiken

Bleibt der Schwangerschaftsdiabetes auch nach der Geburt? Ein einfacher Risikotest soll Aufschluss über die Wahrscheinlichkeit geben.

MÜNCHEN. Schwangere mit Gestationsdiabetes (GDM) haben ein erhöhtes Risiko, nach der Geburt ihres Kindes an einem Diabetes mellitus zu erkranken. Doch nicht alle Frauen mit GDM sind in demselben Maße gefährdet.

Forscher haben deshalb einen Score entwickelt, mit dem sich bei Frauen mit GDM das Risiko für einen Postpartum-Diabetes präzise und einfach vorhersagen lässt.

Bei der Erstellung des Scores zogen die Autoren um Maike Köhler vom Helmholtz Zentrum München Daten der deutschen GDM-Studie heran, in der 257 GDM-Patientinnen nach Entbindung 20 Jahre lang beobachtet worden waren; 110 Frauen hatten in dieser Zeit einen Diabetes entwickelt.

In einem ersten Testlauf mit 171 Frauen wählten die Forscher jene Parameter aus, die das Diabetesrisiko der Frauen am besten vorhersagen konnten (mithilfe des "Least Absolute Shrinkage and Selection Operator" LASSO-Schätzers) und entwickelten basierend auf deren Vorhersagekraft ein Punktesystem (Acta Diabetol 2015, online 19. Oktober).

BMI in der frühen Schwangerschaft

Als gute Prädiktoren erwiesen sich dabei der BMI in der frühen Schwangerschaft (Punktzahl: 5 × BMI), eine Therapie des GDM mit Insulin (+132), eine familiäre Vorbelastung (+44) und Stillen, das sich als einziger Faktor positiv auf das Diabetesrisiko auswirkt (-35).

Diesen Score teilten die Forscher dann in vier Kategorien ein: bis 140 (geringes Risiko), 141-220 (mittleres Risiko), 221-300 (hohes Risiko) und über 300 (sehr hohes Risiko). Für Frauen mit niedrigen Scores errechneten sie ein um 13 Prozent erhöhtes Risiko, innerhalb von fünf Jahren nach der Entbindung an Diabetes zu erkranken, bei einem mittleren Score wäre die Wahrscheinlichkeit um 31 Prozent erhöht, bei hohen und sehr hohen Werten um 60 und 90 Prozent.

Die Autoren überprüften die Validität des Risikotests an 86 Frauen, die ebenfalls an der GDM-Studie teilgenommen hatten. In den jeweiligen Kategorien ließ sich bei diesen Frauen ein um 11, 29, 64 und 80 Prozent erhöhtes Diabetesrisiko feststellen.

Diese Werte würden mit den geschätzten Risiken gut übereinstimmen, schlussfolgern die Wissenschaftler, wobei sich alle Werte innerhalb des 95%-Konfidenzintervalls der berechneten Risiken befänden.

Ein nützliches Instrument

Dieser Risikotest könne somit für Ärzte ein nützliches Instrument darstellen, meinen die Studienautoren. Denn durch eine präzise Vorhersage des Postpartum-Diabetes-Risikos ließen sich die Kontrolluntersuchungen bei Frauen mit GDM individuell anpassen.

Er sei einfach anwendbar, fügen Köhler und Mitarbeiter hinzu, da er auf Parametern basiere, die ohnehin während der Schwangerschaft und kurz nach der Geburt erfasst würden. Gegenüber genetischen Markern hätten dieser Score somit den Vorteil, schnell und günstig einsetzbar zu sein. (vsc)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Top-Meldungen

Ein Kind mit drei genetischen Eltern

Eine Eizelle von zwei Frauen: Eine Mitochondrien-Ersatztherapie hat einem Paar geholfen, ein gesundes Baby zu bekommen. Experten äußern allerdings ethische Bedenken. mehr »

Grüne für Wahlfreiheit von Beamten

Ist das Krankenversicherungsrecht für Beamte noch zeitgemäß - sollten sie etwa die Wahl zwischen GKV und Privatversicherung haben? Das treibt die Bundestagsfraktion der Grünen um. mehr »

Hausärzte besser schulen!

Der Hausarzt gilt als Schaltstelle bei der Diagnose von Depressionen. Zum Europäischen Depressionstag haben Fachverbände nun gefordert, ihn besser auf die Erkennung von seelischen Krankheiten vorzubereiten. mehr »