Diabetes

Sammeln Sie CME-Punkte - 30 Tage kostenlos mit e.Med
Modul: Therapie des Typ 2 Diabetes

Weitere Module zu anderen Themen auf der Startseite unserer Sommerakademie

Ärzte Zeitung, 16.03.2016

Diabetiker

Risiko für Erblindung und Amputation lässt sich berechnen

Britische Forscher haben einen Risikorechner für Diabetiker entwickelt. Mit ihm können Zuckerkranke bestimmen, wie gefährdet sie für Erblindung und Amputationen sind.

Von Peter Leiner

Risiko für Erblindung und Amputation lässt sich berechnen

Fußpflege beim Podologen undregelmäßige Kontrolle der Füße ist jedem Patienten mit Diabetesmellitus zu empfehlen.

© Klaus Rose

NOTTINGHAM. Epidemiologen um Professor Julia Hippisley-Cox von der Universität Nottingham haben ein Vorhersageinstrument für schwere Komplikationen durch Retinopathie oder diabetischen Fuß entwickelt.

Ausgewertet wurden dazu Daten von etwa 455.000 Typ-1- und Typ-2-Diabetikern im Alter von 25 bis 84 Jahre aus Allgemeinarztpraxen in Großbritannien (QResearch Datenbank).

Ergebnis: In der QResarch-Basiskohorte kam es bei mehr als 8000 Patienten im Follow-up zur Erblindung, bei mehr als 4800 Patienten musste mindestens ein Unterschenkel amputiert werden (BMJ 2015; 351: h5441).

Das entsprach pro 1000 Personenjahre einer Erblindungsrate von 3,43 (Frauen) und 3,03 (Männer). Die Amputationsraten lagen bei 1,34 (Frauen) und 2,36 (Männer).

Die Ergebnisse ließen sich in zwei Kontrollgruppen aus anderen Registern bestätigen.

Risikorechner ist online verfügbar

Auf der Grundlage der Studienergebnisse haben Hippsisley-Cox und die Biometrikerin Dr. Carol Coupland den Risikorechner entwickelt. Er ist im Internet abrufbar.

Erforderlich für die Risikoberechnung sind Angaben zum Zeitpunkt der Diabetesdiagnose sowie zu einer möglichen antihypertensiven Therapie, zu Herzinsuffizienz und zu rheumatoider Arthritis.

Auch die aktuellen HbA1c- und Cholesterinwerte müssen angegeben werden. Das Risiko wird dann für einen Zeitraum zwischen einem und zehn Jahren ermittelt.

Allerdings ist der Rechner zunächst nur für die britische Bevölkerung validiert.

Zuckerkranke schätzen oft Risiken falsch ein

Der Nutzen eines solchen Risikorechners ergibt sich nach Ansicht der britischen Wissenschaftler auch aus der Tatsache, dass Patienten mit Diabetes dazu tendieren, zum einen die Risiken von Komplikationen ihrer Stoffwechselerkrankung zu überschätzen, zum anderen aber auch den Nutzen der Diabetesbehandlung.

So ergab eine Studie aus dem Jahr 2000, dass Patienten glaubten, sie hätten ein 1,5-fach erhöhtes Risiko zu erblinden und ein 13-fach erhöhtes Risiko für Unterschenkelamputationen (Eff Clin Pract 2000; 3: 7).

Grundlage dieser Einschätzungen waren die Ergebnisse der Studie "Diabetes Control and Complications Trial" (NEJM 1993; 329: 977).

Wer auf der Basis des Rechners ein erhöhtes Risiko habe, innerhalb der nächsten zehn Jahre zu erblinden, solle daher häufiger wegen einer möglichen Retinopathie kontrolliert und behandelt werden, und zwar öfter als einmal pro Jahr, betonen die Forscher.

Bei erhöhtem Amputationsrisiko sollten entsprechende Präventionsprogramme verstärkt genutzt werden. Nicht zuletzt könnten Risikofaktoren wie zu hohe Werte für den HbA1c und den Blutdruck frühzeitiger korrigiert werden.

|

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Top-Meldungen

Unterquoten bei Internisten denkbar

GBA-Chef Hecken hat im Interview mit der "Ärzte Zeitung" erste Neuerungen in der künftigen Bedarfsplanung verraten. Auch spricht er darüber, wie Ärzte über die Wirtschaftlichkeit einer Verordnung informiert werden sollen. mehr »

Blutzuckersenker mit eingebautem Herzschutz

Neue Antidiabetika sorgen für Furore, weil sie neben Blutzucker auch das Herztodrisiko senken. Sind sie eigentlich noch als Antidiabetika zu bezeichnen oder sind es nicht eher Herzmedikamente mit Blutzuckersenkung als erfreulichem Begleiteffekt? mehr »

Wenn ein Hausbesuch angefordert wird

Die Ehefrau eines Patienten ruft in der Praxis an und bittet den Arzt um einen Hausbesuch, da der Patient nicht in die Praxis kommen könne. Wie lässt sich diese telefonische Anfrage korrekt abrechnen? Unser Abrechnungsexperte klärt auf. mehr »