Ärzte Zeitung, 30.12.2015

Studie zeigt

Junge Typ-1-Diabetiker brauchen bessere Schulungen

Zuckerkranke Kinder und Jugendliche werden häufig erst bei Komplikationen nachgeschult, legt eine aktuelle Studie nahe. Dabei sollten Schulungen die Ereignisse eigentlich verhindern.

Junge Typ-1-Diabetiker brauchen bessere Schulungen

Wie beeinflussen Mahlzeiten die Blutzuckerwerte? Bei praxisnahen Schulungen können Diabetiker das selbst ausprobieren.

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KÖLN. Wie häufig und aus welchem Anlass werden Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes in Deutschland und Österreich geschult?

Dieser Frage sind Konrad Vogel von der Universität Köln und seine Kollegen mit Daten aus der multizentrischen Diabetes-Patienten-Verlaufsdokumentation (DPV) nachgegangen (Pediatric Diabetes 2015; online 4. November).

Basis der Studie waren die Register-Daten der 21.871 jungen Typ-1-Diabetiker von 2013. Die Kinder und Jugendlichen waren im Schnitt 12,7 Jahre alt und hatten seit 3,8 Jahren Diabetes.

42 Prozent hatten eine Insulinpumpe, 5,5 Prozent spritzten täglich zweimal und 52,5 Prozent noch öfter Insulin. Knapp jeder Dritte hatte in dem Jahr an einer Schulung teilgenommen: Die Standardprogramme waren meist durch zentrumsspezifische Maßnahmen ergänzt worden.

Intensivere Schulung bei jüngeren Kindern

Die erste Schulung der Kinder fand fast immer in einer stationären Einrichtung statt (91 Prozent), und zwar individuell und meist unter Einbeziehung der Eltern (69 Prozent).

Im Vergleich zu Registerdaten aus den Vorjahren wurden Eltern dabei öfter in die Schulungsmaßnahmen einbezogen und die Patienten bekamen mehr Schulungseinheiten.

Wegen der meist kurzen Erkrankungsdauer gab es bei geschulten im Vergleich zu ungeschulten Patienten weniger Diabeteskomplikationen (Mikroalbuminurie: 9 vs. 10,5 Prozent; Hypertonie: 9 vs. 12,4 Prozent). Die geschulten Patienten hatten aber eine schlechtere glykämische Kontrolle (HbA1c 7,8 vs. 7,6 Prozent).

Jüngere Kinder wurden dabei intensiver geschult. Bei kleinen Kindern richtete sich die Schulung vorwiegend an die Eltern. Insgesamt waren in dem Jahr von den unter Sechsjährigen 13 Prozent, von den Sechs- bis Zwölfjährigen 12 Prozent und von den Zwölf- bis 18-Jährigen 9,8 Prozent geschult worden.

Patienten mit Migrationshintergrund erhielten dabei überdurchschnittlich viele Trainingseinheiten.

Häufiger akute Komplikationen bei Ungeschulten

Geschulte Patienten hatten im Vergleich zu ungeschulten deutlich häufiger in dem Jahr akute Komplikationen wie Ketoazidose (7,7 vs. 3,1 Prozent) oder schwere Hypoglykämien (18,3 vs. 13,9 Prozent).

Die Autoren gehen davon aus, dass viele Schulungen aufgrund der gravierenden Ereignisse vorgenommen wurden.

Das Fazit der Autoren: Regelmäßige Schulungen sind für alle Diabetiker wichtig, damit sie Komplikationen besser vermeiden können. Bei Kindern und Jugendlichen sollten dabei noch mehr als bisher auch die Eltern in das Diabetesmanagement einbezogen werden.

Um die Prävention schwerer Diabetes-Folgen besser zu vermitteln, müssen zudem die standardisierten Schulungsprogramme an das Alter der Patienten sowie an lokale Gegebenheiten angepasst werden. (St)

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