Direkt zum Inhaltsbereich

PKV

Niedrigere Prämien für Diabetiker?

Immer mehr private Krankenversicherer setzen auf die digitalgestützte Versorgung ihrer diabetischen Kunden. Die erhobenen Daten wollen die Assekuranzen künftig auch für die Tarifkalkulation einsetzen.

Von Anna Gentrup Veröffentlicht:

KÖLN. Die Versicherungskammer Bayern will Diabetikern den täglichen Umgang mit ihrer Erkrankung erleichtern und den Datenaustausch zwischen Patienten und Ärzten verbessern. Dazu kooperiert der öffentliche Versicherer mit dem jungen digitalen Unternehmen Mysugr.

Die privaten Krankenversicherer (PKV) der VKB, die Bayerische Beamtenkrankenkasse und die UKV Union Krankenversicherung, bieten ihren rund 6000 insulinpflichtigen Kunden eine entsprechende spezielle App an.

Die Mysugr-App lässt sich mit dem Blutzuckermessgerät "Accu Chek Guide" koppeln, das die Messwerte an die App übermittelt. Ein Rechner bestimmt den Insulinbedarf. Die App dokumentiert die Werte des Nutzers, sie lassen sich ausdrucken oder per E-Mail an den Hausarzt senden. Zudem schätzt das Programm den Langzeit-Blutzuckerwert HbA1c.

Das Unternehmen Mysugr wurde 2012 in Wien von Diabetikern gegründet. Sie wollen den Diabetiker-Alltag mit digitalen Angeboten vereinfachen. Die App hat nach Angaben von Mysugr fünf Jahre nach dem Start mehr als eine Million Nutzer und ist in 52 Ländern und 13 Sprachen erhältlich. Im Juni 2017 hat Roche Mysugr komplett übernommen.

Pilotprojekt bei Axa

Auch andere PKV-Anbieter beschäftigen sich mit dem Thema Diabetes. Bei der Axa läuft ein Pilotprojekt, das Diabetiker telemedizinisch begleitet und berät. Der Versicherer Central hat ein Onlineportal aufgebaut, das sich an Typ 2-Diabetiker richtet. Auf der Plattform erhalten sie Informationen zu wichtigen Verhaltensregeln sowie Tipps zu gesunder Ernährung und Bewegung. Auch die Debeka bietet ein mobiles Diabetesmanagement für Typ 2-Diabetiker an.

Nach Angaben der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) entstehen den deutschen Sozialkassen durch Diabetes jährlich Kosten von rund 35 Milliarden Euro für Behandlung, Pflege, Arbeitsunfähigkeit und Frühverrentung.

Damit seien die Folgekosten vergleichbar mit denen des Rauchens. Die DDG kritisiert, Diabetiker würden beim Abschluss von Kranken-, Unfall-, Berufsunfähigkeits- und Lebensversicherungen oft schlechter gestellt.

Sie könnten sich häufig wegen hoher Risikozuschläge nur gegen unverhältnismäßig hohe Prämien versichern, oder würden gar nicht von privaten Versicherern akzeptiert. Die Modelle und Erhebungen der Versicherer berücksichtigen die Ergebnisse der modernen Diabetestherapie nicht, kritisiert die DDG. Bislang sind die Diabetiker-Angebote der PKV als Serviceleistung konzipiert.

Die Versicherungsprämie sinkt durch die Nutzung der digitalen Funktionen nicht. Doch die Versicherer können aus den Diabetes-Daten lernen und die Risiken künftig passgenauer bewerten, meint auch der Versicherer-Verband GDV.

Aus der immensen und ständig wachsenden Datenmenge ließen sich Erkenntnisse ableiten. Gut eingestellte Diabetiker sind keine Risikogruppe mehr, das Risiko ist durchaus versicherbar, heißt es in einer GDV-Publikation aus dem vergangenen Jahr.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Risikogruppen bei Prädiabetes

Wem nützt die bariatrische Chirurgie am meisten?

Medikamentenstudie

Risiko für Ketoazidose steht oft nicht im Beipackzettel

Das könnte Sie auch interessieren
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Kommentare
Sonderberichte zum Thema

T2D-Therapie jetzt auch mit Semaglutid 2 mg

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma Gmbh, Mainz
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Abb. 1: Risikoreduktion durch Bempedoinsäure gegenüber Placebo in der CLEAR-Outcomes-Studie für den primären 4-Komponenten-Endpunkt (A) und den sekundären 3-Komponenten-Endpunkt (B) stratifiziert nach Diabetes-Status

© Springer Medizin Verlag

Diabetes mellitus

Bempedoinsäure: Benefit für Hochrisiko-Kollektive

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Daiichi Sankyo Deutschland GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Körperliches Training

Mit einer Stunde mehr Sport die Brustkrebsmortalität senken?

Malnutrition

Damit Sie Mangelernährung nicht übersehen: Darauf kommt es an!

Lesetipps
Eine Reihe von Holzfiguren steht nebeneinander.

© MidJen / stock.adobe.com / Generiert mit KI

Beschäftigung von Menschen mit Beeinträchtigung

Inklusiver Arbeitsplatz? Warum Praxen von Vielfalt im Team besonders profitieren