Ärzte Zeitung, 18.01.2005

Briten sind die Tatoo-Weltmeister, aber vielen wird ihr Schmuck lästig

Laser-Kliniken sprechen von 40 Prozent Kunden-Zuwachs in nur zwei Jahren

Ein Tatoo auf dem Nacken von Fußballstar David Beckham. Tätowierungen sind in Großbritannien Massentrend - aber die Zahl derer, die sich ihre Tattoos beseitigen lassen, nimmt zu. Foto: dpa

LONDON (dpa). Robbie Williams Körper ist voll von ihnen, David Beckham löst mit seinen immer wieder Diskussionen aus, und sogar Barbie hat auf Wunsch welche auf ihrem Plastikbauch: Tätowierungen sind in Großbritannien längst zum Massentrend geworden.

Seit langem schon ist es auf der Insel mit dem Schmuddel-Image des Körperschmucks vorbei, selbst gesetzte Mit-Vierziger tragen heute ihr Lieblingsmotiv offen zur Schau. Doch während die Tätowiernadeln weiter kräftig surren, entwickelt sich parallel dazu eine Gegenbewegung: Vielen Briten werden die Bilder lästig - mit Hilfe von Laserstrahlen wollen sie sie wieder los werden.

"In den vergangenen zwei Jahren hat die Zahl der Tattoo-Beseitigungen bei uns um 40 Prozent zugenommen", sagt Jane Lewis von Lasercare Clinics, der nach eigenen Angaben führenden britischen Klinik für Laserbehandlungen an der Haut. "Zu uns kommen ganz unterschiedliche Leute. Viele haben sich in jungen Jahren ein Tattoo am Unterarm machen lassen. Jetzt haben sie Karriere gemacht und würden auch gerne mal ein kurzärmeliges Hemd tragen." Besonders häufig entfernt würden Namen verflossener Liebhaber. Fast zwei Drittel der Kunden für die kostspielige und schmerzhafte Behandlung seien Frauen zwischen 25 und 50 Jahren.

Schon prophezeien Medizin- und Modeexperten das Ende des Tattoo-Booms. "Trotz prominenter Vorbilder werden Tattoos gesellschaftlich wieder weniger akzeptiert", meint etwa Sonia Amerigo von der Cheshire Private Clinic. Dabei könnte gerade viele Briten ein solcher Wandel hart treffen. Nach Angaben der britischen Zeitung "The Observer" hat auf der Insel nämlich jeder Achte ein Tattoo, mehr als irgendwo sonst in Europa.

Rasante Imagewechsel jedoch gehören zur Tätowierung dazu, seit es sie in Großbritannien gibt. Kapitän Cooks Matrosen brachten im 18. Jahrhundert wahrscheinlich erstmals Tattoos aus Tahiti mit in die Heimat und machten den Körperschmuck dort zum Symbol für Seeleute. Als sich 100 Jahre später König Georg V. in Japan einen Drachen auf den Arm tätowieren ließ, war ein neuer Trend in der High Society geboren.

"Ich glaube nicht, daß der Trend zur Tätowierung zu Ende geht. Die Leute lassen sich seit hunderten von Jahren tätowieren", sagt Jane Lewis. Für Stars wie Williams oder Beckham, die ihre Körper zu wahren Tattoo-Galerien gemacht haben, dürfte es ohnehin kein Zurück mehr geben. Selbst bei modernsten Entfernungsmethoden können Farbreste und Narben zurückbleiben. So wird aus Mode ein Schmuck für die Ewigkeit.

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