Direkt zum Inhaltsbereich

Bei chronischer Urtikaria wird Hochdosistherapie empfohlen

MÜNCHEN (wst). Für Patienten mit chronischer Urtikaria sind moderne orale, nicht sedierende Antihistaminika Mittel der ersten Wahl. Sind sie nicht ausreichend wirksam, liegt dies häufig an einer zu niedrigen Dosierung. In der neuen gemeinsamen Leitlinie mehrerer europäischer Organisationen sprechen sich die Experten daher klar für eine Erhöhung der Dosierung aus.

Veröffentlicht:

Darauf hat Professor Torsten Zuberbier von der Berliner Charité auf einer Veranstaltung des Unternehmens Essex Pharma in München hingewiesen. In Beipackzetteln von Antihistaminika für allergische Rhinitis und chronische Urtikaria werde die gleiche Dosierung empfohlen. Allerdings:

Die allergische Rhinitis sei weitgehend ein auf die Nasenschleimhaut begrenztes lokales Geschehen, so der Dermatologe. Die chronische Urtikaria müsse hingegen eher als ein systemisches, großflächiges Geschehen aufgefaßt werden.

Es ist nach Angaben von Zuberbier deshalb einleuchtend, daß bei der chronischen Urtikaria häufig höhere Antihistaminika-Dosen als bei der allergischen Rhinitis erforderlich sind. Nur so lassen sich die Auslöser einer übersteigerten Mastzellaktivität ausreichend blockieren.

In der neuen Leitlinie zur Diagnostik und Therapie bei Urtikaria heißt es daher: Bei chronischer Urtikaria sollte die Dosierung moderner, nicht sedierender Antihistaminika je nach Therapieerfolg bis zum Vierfachen gesteigert werden. Als modernes Antihistaminikum nannte Zuberbier etwa Desloratadin (Aerius®).

Auch bei hoher Dosierung wirke das Mittel nicht sedierend. Außerdem seien keine klinisch relevanten Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten oder Nahrungsmitteln zu erwarten. Die Substanz werde nicht in der Leber verstoffwechselt.

Erst wenn ein modernes Antihistaminikum auch bei hoher Dosierung die Symptome nicht ausreichend reduziert, sollten Alternativen erwogen werden.



STICHWORT

Chronische Urtikaria

Von der "chronischen idiopathischen Urtikaria" ist in der neuen europäischen Leitlinie nicht mehr die Rede. Dafür gilt jetzt der Begriff der "chronischen Urtikaria". Die chronische Urtikaria wird dabei definiert als das von äußeren Reizen unabhängige spontane Auftreten von Quaddeln über einen Zeitraum von mehr als sechs Wochen. Aufgrund ihrer Unabhängigkeit von erkennbaren äußeren Reizen unterscheidet sich die chronische Urtikaria deutlich von anderen Urtikariaformen, deren Symptome zum Beispiel durch eine Erhöhung der Körpertemperatur (cholinergische Urtikaria) oder durch physikalische Reize wie Kälte, Druck, lokale Wärme, Vibration und mechanische Scherkräfte (physikalische Urtikaria) provoziert wird.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Aktualisierte S2k-Leitlinie

Neue Empfehlungen zur Akne-Behandlung bei Kindern

Vernarbende Alopezie

Führen GLP-1-Rezeptoragonisten zu Haarausfall?

Das könnte Sie auch interessieren
Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

© robertprzybysz | iStock

Persistierende Onychomykosen

Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

© Domepitipat | iStock

Lebensqualität zurückgewinnen

Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Pityriasis versicolor

© iStock / C5C

Kleienpilzflechte im Sommer

Pityriasis versicolor sicher erkennen und gezielt behandeln

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
 Abb. 1: Anwendung von Ruxolitinib-Creme bei mittelschwerer AD

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1,8]

Ruxolitinib-Creme bei mittelschwerer AD

Topische steroidfreie Behandlungsoption bei atopischer Dermatitis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Incyte Biosciences Germany GmbH, München
Abb. 1: Schematische Wirkprinzipien verschiedener immuntherapeutischer Ansätze beim Multiplen Myelom

© Johnson & Johnson

Therapie des Multiplen Myeloms

Ebnet die Präzisionsmedizin den Weg zur funktionellen Heilung dieser Neoplasie?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Janssen-Cilag GmbH, Neuss
Abb. 1: sPGA-Ansprechen über zwei Jahre

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [1]

Psoriasis-Therapie bei Kindern und Erwachsenen

PDE-4-Hemmer: erste orale Systemtherapie für Kinder − auch bei besonderen Manifestationen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Dreidimensionale medizinische Illustration des Varicella-Zoster-Virus, einem Virus das Windpocken, Hautblasen, Nesselsucht, Wunden und Gürtelrose verursacht.

© Corona Borealis / stock.adobe.com

Atypische Symptome

Kasuistik: Periphere Fazialisparese mit erstaunlicher Ursache

MRT-Bild eines Schädels, das im linken Auge eine Netzhautablösung zeigt.

© James Cavallini / Science Photo Library

Aufklärung zu Risikogruppen essenziell

Netzhautablösung: Warnzeichen rechtzeitig erkennen