Unklare Schwellungen deuten auf ein hereditäres Angioödem

HAMBURG (agr). Bei Patienten mit unklaren Haut- und Schleimhautschwellungen könnte die Ursache ein hereditäres Angioödem (HAE) sein. Diese Erkrankung kommt vor allem in Betracht, wenn die Patienten weder auf Kortison noch auf Adrenalin ansprechen.

Veröffentlicht:

Das HAE ist eine seltene schwere Erbkrankheit, die durch episodische, schmerzhafte Schwellungen am ganzen Körper gekennzeichnet ist. Darüber hat Professor Konrad Bork von der Universitätsklinik Mainz auf einem Expertengespräch des Unternehmens ZLB Behring in Hamburg berichtet.

Ist der Magen-Darm-Trakt befallen, klagen die Patienten außerdem über starke Bauchschmerzen. Wirkungsvoll sei bei einer akuten HAE-Attacke nur die sofortige intravenöse Behandlung mit C1-Esterase-Hemmer-Konzentrat (Berinert®P), sagte Bork. HAE-Patienten haben wegen eines Gendefektes einen Mangel an funktionsfähigem C1-Esterase-Hemmer.

Aus diesem Mangel ergibt sich eine Fehlsteuerung des Komplementsystems. Daraus wiederum resultieren episodische Schwellungen der Haut und Schleimhaut. Durch Therapie mit dem C1-INH-Konzentrat in der Standarddosierung von 10 bis 30 IE/kg Körpergewicht bilden sich die Schwellungen innerhalb weniger Stunden zurück. Wirkt sich die Erkrankung auch auf die Schleimhäute der Atemwege aus, kann die Therapie mit C1-Esterase-Hemmer sogar lebensrettend sein.

Voraussetzung ist allerdings, daß die Erkrankung rechtzeitig erkannt wird. Oft werden zunächst Allergien oder ein akutes Abdomen vermutet, wie Professor Wolfhart Kreuz von der Universitätskinderklinik Frankfurt sagte. Ein wichtiger Hinweis ist auf die richtige Diagnose, daß in der Verwandtschaft ebenfalls die typischen Symptome aufgetreten sind. Zur Klärung empfiehlt er den Nachweis eines C1-INH-Mangels sowie die Messung der C1-Esterase-Hemmeraktivität.

Wie es zu den Schwellungs-Attacken kommt, ist nicht eindeutig geklärt. Bekannt ist aber, daß außer Streß auch Blutdrucksenker wie ACE-Hemmer und Angiotensin-II-Rezeptorantagonisten und östrogenhaltige Hormonpräparate Ödeme auslösen können.



STICHWORT

Hereditäres Angioödem (HAE)

Symptome: episodische Ödeme, alle Organe können betroffen sein. 70 Prozent der Angioödeme an Schleimhäuten innerer Organe. Folgen: kolikartige Krämpfe, Erbrechen, Durchfall. Erstickungsgefahr bei Ödemen im Kopf- und Halsbereich.

Diagnose: Klinik, kein Ansprechen auf Steroide und Antihistaminika, C4-Komplement erniedrigt. (eb)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Übersichtsarbeit

Lipödem: Welche Therapie am besten hilft

Das könnte Sie auch interessieren
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Welche Rolle spielt Zink?

© Tondone | AdobeStock

Immunsystem unterstützen:

Welche Rolle spielt Zink?

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Impf- und Zinkstatus im Blick

© Wörwag Pharma | KI-generiert

Bei Risikogruppen:

Impf- und Zinkstatus im Blick

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Wann die Zinkversorgung knapp werden könnte

© artemidovna | AdobeStock

Ernährungsfallen:

Wann die Zinkversorgung knapp werden könnte

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Potenzielle Schäden durch eine Influenza-Infektion an verschiedenen Organsystemen

© Springer Medizin Verlag

Impfen und Herzgesundheit

Mehr als nur Grippeschutz: Warum die Influenza-Impfung bei Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen so wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt a. M.
Abb. 1: Mittlere Veränderung des DAS28-CRP bis Woche 52 gegenüber Ausgangswert (primärer Wirksamkeitsendpunkt)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Anti-TNF-Therapie

Erstes Golimumab-Biosimilar erweitert Therapiespielräume bei RA, PsA, axSpA und pJIA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Kommunikationsfehler vermeiden

Tipps: So sollten Sie mit Patienten über Risiken und Zahlen sprechen

Review und Leitlinie

Ambulante antivirale COVID-19-Therapie: Was US-Wissenschaftler empfehlen

Sie fragen – Experten antworten

Keine Gelbfieberimpfung bei Patienten über 60 Jahren: Stimmt das?

Lesetipps
Das hochintensive Intervalltraining (HIIT) enthält kurze, aber maximale Belastungsphasen mit anschließender kurzer Erholungspause.

© shevtsovy / stock.adobe.com

Prävention kardiometabolischer Risiken

Wie hochintensives Intervalltraining Herz und Lungen stärkt

Eine Frau Lipödemen in den Beinen.

© Mykola / stock.adobe.com / generated AI

Übersichtsarbeit

Lipödem: Welche Therapie am besten hilft