Ärzte Zeitung, 13.12.2006

Mit chirurgischem Eingriff ist Dorsalzyste einfach abzutragen

Aggressiv-chirurgische Exzision, Punktion und Kryotherapie sind Optionen

ESSEN (ner). Knotenartige Veränderungen an den Streckseiten von Finger- oder Zehengelenken können Pseudozysten sein, die ein schleimiges Sekret enthalten, sogenannte mukoide Dorsalzysten.

Eine mukoide Dorsalzyste auf dem Fingerendgelenk einer Patientin. Die gallertartige Füllung besteht aus Hyaluronsäure. Foto: Dr. Thomas Jansen

Diese seltenen, benignen Tumoren treten vor allem bei Frauen auf, so Dr. Thomas Jansen von der Universitätshautklinik in Essen (MMW 47, 2006, 5). Jansen berichtet von einer 32jährigen Frau, die seit drei Monaten eine symptomlose Hautveränderung am linken Zeigefinger bemerkt hatte, die an Größe zunahm. Bei Vorstellung in der Klinik war der halbkugelige und durchscheinende, prall-elastische Knoten im Durchmesser bereits einen Zentimeter groß.

Bei Eröffnung des Knotens mit einer sterilen Kanüle entleerte sich ein fadenziehendes Sekret. Dabei handele es sich um Hyaluronsäure, so Jansen. Die Gelenkbewegungen übten womöglich einen ständigen Reiz auf Fibroblasten aus, was zu einer Überproduktion an Hyaluronsäure führe. Zudem sei das Bindegewebe lokal degenerativ verändert. Direkte Beziehungen zum Gelenk sind dabei nach Angaben des Dermatologen nicht erkennbar.

Teilweise gingen die Pseudozysten auch mit degenerativen Veränderungen der Gelenke einher, so Professor Thomas J. Zuber von der Emory University School of Medicine in Atlanta, Georgia (Am Fam Physician 64, 2001, 1987). Beschwerden haben Patienten mit mukoiden Dorsalzysten meist kaum, allenfalls einen Druckschmerz bei extremer Beugung der Phalangen. Bei der Untersuchung bemerkt man gegebenenfalls eine geringe Fluktuation. Der Befund geht bei einigen Patienten mit Nagelveränderungen einher.

Die Zysten können aggressiv chirurgisch exzidiert werden, was die Rezidivrate senken soll, aber auch mit Risiken wie Gelenksteifigkeit verbunden ist. Bei zurückhaltender Exzision sei dagegen ein Rezidiv wahrscheinlich, so Zuber. Mit wiederholten Punktionen sollen Heilungsraten von 70 Prozent erreicht worden sein. Möglich sind auch die Injektion von Glukokortikoiden direkt in die Läsion oder eine Kryotherapie.

Infos im Internet: www.aafp.org/afp/20011215/1987.html

STICHWORT

Dorsalzyste

Dorsalzysten (englisch mucoid dorsal cysts) sind mit gallertartiger Substanz gefüllte Pseudocysten. Die Zysten weisen bis zu haselnußgroße derbe Vorwölbungen auf. Lokalisiert sind die Dorsalzysten meist paraartrikulär an den Streckseiten von Fingern und Zehen.

Ursache: Durch mechanische Dauerreizung - zum Beispiel zu enge Schuhe - wird eine Bindegewebsdegeneration hervorgerufen.

Differentialdiagnose: Fibrome, Epidermiszyste durch Trauma. (eb)

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