Ärzte Zeitung, 29.03.2007

Neue Therapie-Optionen bei hereditärem Angioödem

Icatibant verhindert Bradykinin-Rezeptor-Bindung

KÖLN (urm). Patienten mit hereditärem Angioödem eröffnet sich mit dem spezifischen Bradykinin-B2-Rezeptor-Antagonisten Icatibant offenbar eine neue Option für die Therapie. In klinischen Studien konnte mit dem neuen Wirkstoff den zum Teil lebensbedrohlichen Schwellungen effektiv begegnet werden.

Zu Grunde liegt der seltenen Erkrankung hereditäres Angioödem ein Mangel oder ein funktionelles Defizit an C1-Esterase-Hemmer (C1-INH). Folge dieses Mangels oder Defizits ist ein erhöhter Bradykinin-Spiegel. Das ist für Professor Jürg Nussberger aus Lausannne der zentrale pathogenetische Faktor.

Bislang setzten Ärzte und Patienten bei akuten Attacken des hereditären Angioödems zuvorderst auf intravenöse Injektionen eines plasmatisch gewonnenen C1-INH-Konzentrates. Nun gibt es auch die Möglichkeit, den für die Krankheit charakteristischen Haut- und Schleimhautschwellungen auf andere Weise zu begegnen. Bei dem neuen Prinzip wird die Bindung von Bradykinin an seine Rezeptoren verhindert.

Außer der demnächst erwarteten Zulassung von Icatibant für die Therapie zeichnen sich für die etwa 500 Patienten mit hereditärem Angioödem in Deutschland noch weitere Therapie-Optionen ab. Das hat der Mainzer Dermatologe Professor Konrad Bork berichtet.

Zu diesen Optionen gehören ein rekombinant gewonnenes C1-INH-Präparat und ein ebenfalls gentechnisch hergestellter Kallikrein-Hemmer, hat der Dermatologe bei dem von Jerini unterstützten wissenschaftlichen Symposium "Angioödem 2007" berichtet.

Weitere Informationen im Internet: www.angiooedem.de

STICHWORT

Angioödem

Beim hereditären Angioödem handelt es sich um eine seltene, autosomal-dominant vererbte Erkrankung. Die klinischen Symptome entstehen durch in der Subkutis gelegene Schwellungen. Die Ödeme manifestieren sich an den Gliedmaßen, im Gesicht, im Gastrointestinaltrakt und im Larynx. Dies hat mitunter sogar tödliche Folgen für die betroffenen Patienten. In Deutschland haben etwa 500 Menschen die damit sehr seltene Erkrankung. (urm)

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