Ärzte Zeitung, 27.11.2007

Erkältung ist selten ein Hindernis für Infliximab-Infusionen bei Psoriasis

Schwere Infektionen sind Grund für ein Aussetzen der Therapie, leichte meist nicht

DÜSSELDORF (sir). Mit TNF-Alpha-Hemmern wie Infliximab stehen für Psoriasis-Patienten neue wirksame Medikamente zur Verfügung. Vor der Verordnung ist eine Untersuchung auf latente Infektionen wie Tuberkulose wichtig.

Infliximab (Remicade®) wird initial in Woche Null, Zwei und Sechs infundiert, danach nur noch alle acht Wochen als Erhaltungstherapie. In der Regel tritt bereits in den ersten zwei Wochen ein Behandlungserfolg ein. Davon profitieren nicht nur Patienten mit chronischer Plaque-Psoriasis der Haut, sondern auch mit begleitender Psoriasis-Arthritis und Nagelpsoriasis, wie Dr. Matthias Hoffmann aus Witten sagte. Vor der Verordnung von Infliximab sollten die Patienten - wie bei jedem TNF-Alpha-Blocker - auf latente Infektionen untersucht werden, so auf Tuberkulose, erinnerte Hoffmann auf einem Symposium von essex pharma in Düsseldorf. Solche schweren Infektionen seien eine Kontraindikation für Infliximab.

Bei schwerer Infektion müssen Infusionen verschoben werden

Kommt es ein bis zwei Wochen vor einer geplanten Infusion zu einer akuten schweren Infektion, sei das ebenfalls eine Kontraindikation, erläuterte Professor Kristian Reich aus Hamburg: "Ist diese bis zum Infusionstermin nicht vollständig abgeklungen, muss die Weiterbehandlung verschoben werden." Bei leichten Infektionen dagegen, die nicht oder nicht mehr fieberhaft verlaufen, könne man die Therapie termingerecht fortsetzen. "Eine unkomplizierte Erkältung sollte für die Infusion eines TNF-Alpha-Hemmers kein Hindernis sein", sagte Reich.

Eine Kontraindikation ist allerdings eine Herzinsuffizienz der NYHA-Stadien III oder IV. Bei Patientinnen mit Kinderwunsch ist es notwendig, Infliximab abzusetzen und die Eliminationszeit von sechs Monaten abzuwarten. Infusionsreaktionen treten nur bei etwa 0,3 Prozent der Patienten auf und lassen sich meist medikamentös behandeln, wie Hoffmann sagte.

Nach einer internationalen Befragung sind nur 27 Prozent der Psoriasis-Patienten mit ihrer Therapie zufrieden, berichtete Dr. Klaus Strömer aus Mönchengladbach. Herausgefunden hat das die Selbsthilfeorganisation EUROPSO. Bei 55 Prozent der mehr als 16 000 Befragten war die Zufriedenheit mäßig, bei 18 Prozent niedrig. Diese Patienten seien enttäuscht und kämen meist nicht wieder in die Praxis, sagte Strömer. So berichtete ein Drittel der Patienten mit schwerer Psoriasis über Unwirksamkeit der verschriebenen Präparate.

STICHWORT

Definition des Schweregrads bei Psoriasis

Biologika sind zur Behandlung von Patienten mit Psoriasis meist nach Versagen herkömmlicher Therapien zugelassen, und zwar dann, wenn die Erkrankung mittelschwer bis schwer ist. "Schwere Hauterkrankungen kann man mit der Zehner-Regel definieren", erläuterte Dr. Matthias Hoffmann aus Witten. Dafür seien die Scores PASI (Psoriasis Area and Severity Index), BSA (Body Surface Area, betroffene Körperoberfläche in Prozent) und DLQI (Dermatology Life Quality Index) zu berücksichtigen. Obwohl die maximale (Negativ-)Punktzahl dieser drei Scores mit 72, 100 und 30 unterschiedlich ist, gilt die Zahl 10 für alle drei als Grenzwert: "Wenn PASI oder BSA und dazu der DLQI mehr als zehn betragen, liegt bereits eine schwere Psoriasis vor", so Hoffmann. Berücksichtigt werden weiterhin die Hautstellen (Hände oder Füße) und eine Mitbeteiligung der Nägel oder Gelenke. Hoffmann rät, den Verlauf einer Psoriasis auch fotografisch zu dokumentieren.

(sir)

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