Ärzte Zeitung, 29.01.2008

Antikörper hemmt überstarke Bakterienabwehr bei Psoriasis

Neues Konzept zur Pathogenese / Biological greift spezifisch in die Störprozesse ein

WIESBADEN (ars). Eine fehlgeleitete Abwehr von Bakterien trägt nach neuen Erkenntnissen zur Entstehung einer Psoriasis bei. Angeregt wird der Störprozess durch eine Überproduktion der Zytokine IL-12 und IL-23. Studien mit einem Antikörper gegen diese beiden Schlüsselfaktoren ergaben hohe Ansprechraten.

Typisch für die Psoriasis ist eine Überproduktion antimikrobieller Peptide. Vermittelt wird sie durch das angeborene Immunsystem, wie Professor Ulrich Mrowietz aus Kiel beim Derma Update in Wiesbaden berichtet hat. Nach dem neuen Pathogenese-Konzept setzen stimulierte dendritische Zellen IL-23 frei.

Dieses Zytokin fördert unter Mitwirkung von IL-12 die Differenzierung von Zellen, die IL-22 ausschütten. Dieser Mediator wiederum regt Keratinozyten zur Bildung der antimikrobiellen Peptide an und bewirkt die Hyperplasie des Epithels. Offenbar sind also die Psoriasis-typische Verdickung der Haut und die überschießende Produktion "natürlicher Antibiotika" Folgen einer fehlgeleiteten Abwehr von Mikroorganismen. Das Gen des IL-23-Rezeptors wurde kürzlich auch als Risikogen für Morbus Crohn entdeckt.

Der monoklonale Antikörper CNTO 1275 (Ustekinumab) ist auf das neue Pathogenese-Konzept abgestimmt: Er ist gegen die p40-Untereinheit gerichtet, aus der sowohl IL-12 als auch IL-23 aufgebaut sind. Dadurch neutralisiert er deren Bioaktivität, wie Mrowietz erläuterte.

Bereits einmalige Applikation des Antikörpers war wirksam

In einer Studie, an der 320 Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Psoriasis teilnahmen, war bereits eine einmalige Applikation von 45 mg wirksam: Im Verlauf von zwölf Wochen erreichte die Hälfte der so behandelten Patienten mindestens einen PASI 75. In einer Gruppe, die 90 mg des Antikörpers im Abstand von jeweils einem Monat erhielt, hatten nach zwölf Wochen 82 Prozent der Patienten den PASI -75-Wert erreicht (NEJM 356, 2007, 580).

Insgesamt gibt es zwei internationale Phase-III-Studien mit fast 2000 Patienten. Auf die Resultate dieser Untersuchungen hin haben die Unternehmen Centocor Inc. und Janssen-Cilag International NV Anfang Dezember 2007 bei der FDA und EMEA die Zulassungen für die USA und Europa beantragt.

STICHWORT

PASI

PASI ist das Kürzel für: Psoriasis Area and Severity Index. Dieser Score ist das wichtigste Instrument zur Beurteilung des Schweregrades einer Psoriasis. Er ist international etabliert und dient in den meisten klinischen Studien als primäres Zielkriterium. So lassen sich die Ergebnisse gut vergleichen. PASI 50 bedeutet: Das Hautbild hat sich im Vergleich zum Ausgangszustand um mindestens 50 Prozent gebessert, ein PASI 75 steht für eine mindestens 75-prozentige Besserung. PASI 75 gilt als Gold-Standard für Therapeutika: Die Patienten bemerken eine weitgehende Rückbildung der Hautläsionen. Das Erreichen eines PASI 50 gilt als Voraussetzung für das Weiterführen einer Therapie. (ars)

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