Ärzte Zeitung, 29.08.2008

Mit Bluttest lässt sich bei Plaque-Psoriasis das Ansprechen auf Efalizumab vorhersagen

Efalizumab bietet einem großen Teil aller Patienten mit Plaque-Psoriasis einen Ausweg aus ihrer Hautkrankheit. Ob ein Patient ansprechen wird, lässt sich jetzt mit einem Bluttest klären, wurde bei der 21. Fortbildungswoche für praktische Dermatologie und Venerologie in München berichtet.

Von Werner Stingl

Mit Bluttest lässt sich bei Plaque-Psoriasis das Ansprechen auf Efalizumab vorhersagen

Typische Symptome einer Plaque-Psoriasis an den Beinen.

Foto: Schröpl

Efalizumab bietet einem großen Teil aller konventionell nicht zufriedenstellend behandelbaren Patienten mit Plaque-Psoriasis einen Ausweg aus ihren Hautproblemen. 30 bis 40 Prozent der Patienten sprechen aber auch auf diese Biological-Therapie nicht an. In Pilotstudien wurde bereits ein Bluttest untersucht, der frühzeitig und kostensparend Responder von Nonrespondern abgrenzen könnte.

Die Unterscheidung zwischen Ansprechen und Nichtansprechen auf Efalizumab (Raptiva®) ist bislang erst nach einem drei- bis sechsmonatigen Therapieversuch mit dem kostspieligen Antikörper möglich. Das hat Professor Jan C. Simon in München berichtet.

Ausgangspunkt für einen in kleinen Pilotstudien bereits erprobten Bluttest, mit dem sich das Ansprechen früher und billiger abschätzen lässt, war eine neue Erkenntnis: Neutrophile Granulozyten von Psoriasis-Patienten binden stärker an das endotheliale Adhäsionsmolekül Thy-1 als entsprechende Blutzellen von Menschen ohne die Krankheit. Um diese Bindung zu messen, bedient man sich eines Zelladhäsions-Tests, bei dem isoliertes, gereinigtes Thy-1 auf Mikrotiterplatten immobilisiert ist und mit Patientenblut inkubiert wird.

Nach einer standardisierten Wartezeit gibt der Anteil der an Thy-1 gebundenen Neutrophilen Auskunft über deren Adhäsionsverhalten, so der Dermatologe aus Leipzig auf einem Seminar von Merck Serono.

In Studien wurden Patienten, die später nicht ansprachen, mit dem Test genau erkannt.

In zwei Pilotstudien mit einmal sieben und einmal sechs Psoriasis-Patienten hat nun eine Arbeitsgruppe um Simon mit dem geschilderten Test gezeigt: Im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen war bei allen Patienten erwartungsgemäß eine signifikant höhere Adhäsion ihrer Neutrophilen an Thy-1 zu verzeichnen.

Wie wiederholte Blutanalysen belegen, nahm bei den meisten Patienten bereits zwei Wochen nach Behandlungsbeginn mit Efalizumab und schon lange vor einer klinischen Besserung das gesteigerte In-vitro-Adhäsionsverhalten der Neutrophilen signifikant ab. Acht Wochen nach Therapiebeginn fiel es sogar unter den Wert der gesunden Kontrollpersonen. Bei vier Patienten verringerte sich die verstärkte Neutrophilenadhäsion an Thy-1 jedoch nach Einnahme von Efalizumab nicht.

Und genau bei diesen vier Patienten wurde im weiteren Verlauf auch klinisch ein Nichtansprechen auf das Biological festgestellt. Bislang ist der Test zur Vorhersage des Ansprechens noch mit einigen Problemen behaftet, zum Beispiel sind die Neutrophilen bei Transport labil. Weiterhin muss seine Eignung in prospektiven Studien mit größeren Patientenzahlen bestätigt werden.

Thy-1

Das humane Thy-1 ist ein membrangebundenes Glykoprotein, das auf der Oberfläche von Fibroblasten, Nervenzellen, bestimmten Subpopulationen von Blutstammzellen und auf aktivierten mikrovaskulären Endothelzellen exprimiert wird. In Entzündungsherden wird Thy-1 auf Endothelzellen überexprimiert und hat eine wichtige Bedeutung als Adhäsionsmolekül. Es bindet neutrophile Granulozyten aus dem Blutstrom und schleust sie durch die Gefäßwand in den extravasalen Entzündungsherd. (wst)

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