Ärzte Zeitung, 06.04.2009

Schlecht sitzende Brille löste Granulome an der Nase aus

Schlecht sitzende oder schwere Brillen können lästige Hauterscheinungen verursachen. Nicht immer verschwinden sie nach der Therapie vollständig.

Von Thomas Meißner

An den Druckstellen einer Brille bildeten sich bräunliche Plaques an beiden Nasenseiten.

Foto: Springer Medizin Verlag

Bereits wenige Wochen, nachdem sie ihre neue Brille erhalten hatte, bemerkte eine 63-jährige Frau symmetrische Hautveränderungen auf dem Nasenrücken. Die erythematös-bräunlichen Plaques besserten sich etwas unter der Behandlung mit externen Glukokortikoiden, verschwanden aber nicht. Eine histologische Untersuchung ergab eine tief reichende, granulomatöse Dermatitis mit einem von Lymphozyten, Plasmazellen und Histiozyten dominierten Entzündungsinfiltrat, berichtet Dr. Sirius Sohl von der Universitätshautklinik in Leipzig (Hautarzt 59, 2008, 1008). Der Epikutantest fiel zwar für einige Allergene einfach positiv aus. Allerdings konnten die nachgewiesenen Kontaktsensibilisierungen nicht mit dem klinischen Bild in Zusammenhang gebracht werden. Hinweise auf eine Tuberkulose oder Sarkoidose ergaben sich nicht.

Offensichtlich handelte es sich um ein Granuloma (oder: Acanthoma) fissuratum, meint Sohl, auch wenn die eigentlich typische Akanthose (vermehrt Keratinozyten, Verdickung des Stratum spinosum) fehlte. Dies lag wahrscheinlich an der topischen Glukokortikoid-Vortherapie. Bei der Erkrankung bildet sich bei konstantem Druck ein schmerzhaftes Granulationsgewebe an Auflagestellen der Brille, wo sich wenig subkutanes Fettgewebe befindet, also auf der Nase oder hinter den Ohrmuscheln. Es müssen andere granulomatöse Dermatosen abgegrenzt, vor allem ein Basalzell-Ca ausgeschlossen werden.

Was kann man tun? Am einfachsten ist es, das Brillengestell anpassen zu lassen oder, wenn möglich, die Brille ganz zu meiden. Verheilt das Granulom nicht innerhalb von sechs Monaten, wird die vollständige Exzision empfohlen. Bei superinfizierten Läsionen soll mit topischen Antiseptika und topischen Antibiotika behandelt werden, eventuell in Kombination mit steroidalen Externa. Erwogen werden teilweise auch intraläsionale Triamcinolon-Injektionen.

Der Leipziger Patientin wurde eine besser sitzende Brille angepasst. Zusätzlich erhielt sie weiterhin topische Glukosteroide. Unter dieser Therapie verbesserten sich zwar die Hauterscheinungen, Irritationen blieben allerdings dauerhaft zurück.

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