Ärzte Zeitung, 17.04.2009

Dermatologen legen neue Leitlinie fürs Handekzem vor

Alitretinoin wird auch als Alternative zu Glukokortikoiden und UV-Therapie bei mittelschweren und schweren Ekzemen empfohlen.

Von Philipp Grätzel von Grätz

Hand eines Patienten mit schwerem chronischem Ekzem vor der Therapie mit 30 mg Alitretinoin einmal täglich.

Foto: Basilea

Die neue Leitlinie wird im April im Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft publiziert. Professor Dr. Thomas Diepgen von der Universität Heidelberg hat sie bei einer DDG-Veranstaltung in Berlin öffentlich vorgestellt. An den Anfang stellt sie die genaue Diagnostik. Diepgen betonte die Bedeutung von Prick- und Epikutantests für die Prävention, denn damit sei eine mögliche allergische Genese des Handekzems zu erkennen.

Patienten mit Handekzemen aller Schweregrade sollten zunächst eine Basistherapie vor allem mit rückfettenden Externa erhalten. Außerdem sollten sie Triggerfaktoren oder Allergene meiden. Bei leichten Verläufen würden diese Basismaßnahmen ergänzt durch Juckreiz lindernde und antiseptische Wirkstoffe sowie durch topische Glukokortikosteroide oder Calcineurin-Hemmer, sagte Diepgen. Auch eine Iontophorese wird bei leichten Ekzemen als Option angesehen.

Bei mittelschweren und schweren Handekzemen kommen dann hochpotente topische Glukokortikosteroide oder eine UV-Therapie zum Einsatz. "Alternativ ist auf dieser Stufe auch schon eine orale Therapie mit dem Vitamin A-Säure-Derivat Alitretinoin angezeigt", sagte Diepgen. Dessen Effektivität belegt die im vergangenen Jahr publizierte BACH-Studie bei Patienten, die nicht auf topische Glukokortikoide angesprochen haben (wir berichteten).

Bei Patienten mit chronischen oder rezidivierenden Handekzemen sind systemische immunmodulierende Therapien die Strategie der Wahl. Außer Alitretinoin nennt die Leitlinie noch systemische Glukokortikoide, Ciclosporin und andere Immunsuppressiva. "Alitretinoin ist das einzige Präparat, das derzeit spezifisch für das Handekzem zugelassen ist", sagte Diepgen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Epidemiologische Kaffeesatzleserei?

Verursacht oder verhindert der Konsum von Kaffee Krankheiten? Die Klärung solcher Fragen zur Ernährung ist methodisch ein richtiges Problem. mehr »

Trotz Budgetierung gute Chancen auf Mehrumsatz

Seit vier Jahren steht das hausärztliche Gespräch als eigene Leistung im EBM (03230) . Immer wieder ist daran herumgeschraubt worden. mehr »

Erstmals bekommt ein Kind zwei Hände verpflanzt

Ein achtjähriger Junge mit einer tragischen Krankheitsgeschichte bekommt zwei neue Hände. Die Op ist ein voller Erfolg: Anderthalb Jahre später kann er schreiben, essen und sich selbstständig anziehen. mehr »