Ärzte Zeitung, 29.07.2009

Schwarze Punkte an den Zehen nach Urlaub in den Tropen - vielleicht sind's Sandflöhe

Ein ungeliebtes Urlaubssouvenir aus den Tropen sind Sandflöhe. Einzige Therapieoption ist die chirurgische Entfernung des Parasiten. Zum Schutz vor Befall gibt es Repellents auf Pflanzenbasis.

Von Helga Brettschneider

Ein weißer Knoten mit schwarzem Punkt ist ein typisches Zeichen, dass sich ein Sandfloh in der Haut eingenistet hat.

Foto: Dr. Benjamin Khan Durani

So mancher Fernreisende bringt aus seinem Urlaub Andenken mit nach Hause, auf die er gar keinen Wert legt. Sandflöhe zum Beispiel. Ein Befall ist mit einem hohen Risiko für schwere bakterielle Infektionen verbunden. Denn die Tiere bohren sich regelrecht in die Haut des Opfers ein.

Sandflöhe sind vor allem in den tropischen Bereichen Afrikas, Südamerikas und des karibischen Raums heimisch. Die Parasiten sind winzig. Die Angaben reichen von 0,5 bis 2 Millimeter. Auf Säugetiere spezialisiert leben sie zum Beispiel vom Blut von Hunden, Schweinen und Katzen. Auch der Mensch wird nicht verschmäht, etwa in städtischen Slums. Entsprechend gilt die Sandflohkrankheit Tungiasis als typische Armutskrankheit. So wurde sie in einem entsprechenden Teil Brasiliens bei jedem sechsten Kind unter einem Jahr festgestellt und bei drei Viertel der Fünf- bis Neunjährigen.

Der zoologische Name der Plagegeister - Tunga penetrans - ist dabei als Programm zu verstehen, wie Professor Hermann Feldmeier aus Berlin bei einer Dermatologen-Tagung in Dresden berichtete. Denn der Sandfloh hat im Laufe der Evolution eine für seine Verwandtschaft einmalige Spezialisierung entwickelt: Während übliche Flöhe ihr Leben als Ektoparasiten fristen, verbringt Tunga penetrans den Großteil seines Lebens eingegraben in die Haut seines Wirtes.

Das gilt jedenfalls für die weiblichen Tiere. Wenn sie ihr Opfer entern, suchen sie sich eine zur Penetration und dauerhaften Ernährung geeignete Stelle. Die finden sie meist an den Füßen, vor allem um die Zehennägel herum und unter den Nägeln, aber auch an Ferse und Fußsohle. Dann klappen die Beine eng an den Körper und bohren sich, teilweise in Minutenschnelle, in die Haut hinein. Nach 30 bis 60 Minuten ragt nur noch ein kleiner Teil des Abdomens heraus.

Ein bis zwei Tage später beginnt das Abdomen des Weibchens stark zu hypertrophieren. Dabei dehnen sich die weichen Häute zwischen den Abdominalsegmenten aus, bis der sichtbare Teil des Tieres einem gelblichen Ring vom Durchmesser einer Erbse ähnelt. In der Mitte fällt die dunkel gefärbte Afteröffnung auf. Es entsteht eine ausgeprägte Hyperplasie, eine Hyperkeratose, eine Parakeratose und natürlich ein entzündliches Infiltrat, so Feldmeier. Das geschwollene Abdomen ist prall-elastisch und wölbt sich über die Haut. Das juckt und tut weh. Um die Schwellung herum sammeln sich dünne, dunkle Kotfäden, die auf den Parasiten hinweisen.

Über die Afteröffnung gibt das Flohweibchen auch die Eier ab. Sie entwickeln sich außerhalb des Menschen zur nächsten Flohgeneration. Nach etwa drei Wochen hat das Flohweibchen seine Lebensaufgabe erfüllt und stirbt. Die Läsion zieht sich zusammen, färbt sich schwarz-braun und vertrocknet. Was bleibt, ist eine kleine, runde Hautveränderung.

Im Prinzip erledigt die Sache sich also von selbst. Bis dahin kann der Hautbewohner seinem unfreiwilligen Vermieter aber heftig zusetzen. Das verlangt nach einer frühen Diagnose. Denn der Flohangriff führt nicht nur zur lokalen Entzündung - die Patienten leiden praktisch immer unter bakteriellen auch Superinfektionen. Schließlich handelt es sich um eine dauerhafte Hautverletzung in einem Bereich, für den häufiger Kontakt mit dem (Erd)-boden typisch ist. So können aus einer unbehandelten Tungiasis Ulzera entstehen, die sich superinfizieren, sagte Feldmeier bei einem Symposium von Pohl-Boskamp. Wiederholter Befall kann in eine chronische Entzündung der Zehenendglieder münden und die Gehfähigkeit mindern. Entsprechend fand eine Studie bei allen 78 mit Sandflöhen befallenen Probanden bakterielle Infektionen - von Staphylococcus aureus über Enterobakterien bis hin zu betahämolysierenden Streptokokken und Clostridien.

Während Touristen aus tropischen Entwicklungsländern meist nur ein oder zwei Sandflöhe mitbringen, tragen Einheimische oft Dutzende gleichzeitig mit sich herum. Die Tiere sammeln sich dann meist in Clustern. Ein Zeh kann für mehr als zehn Flöhe reichen. Die einzige wirksame Therapie ist ihre chirurgische Entfernung, danach wird die Wunde mit einem Antibiotikum behandelt.

Die Prophylaxe ist einfacher. Sie erfolgt mit einer Zanzarin®-Lotion, einem Repellent auf pflanzlicher Basis, so Feldmeier. Es dient normalerweise als Schutz vor Schnaken und Moskitos. Zweimal täglich auf die Füße aufgebracht verringerte es in einer Untersuchung die Penetrationsrate um 95 Prozent. Da das Expositionsrisiko für Touristen relativ niedrig ist, sei davon ein guter Schutz zu erwarten, sagte der Tropenspezialist.

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