Ärzte Zeitung, 02.07.2010

Purpura d'effort - des Läufers rote Beine bei großer Hitze

Starke körperliche Dauerbelastung bei großer Hitze kann zu rötlichen Effloreszenzen an den Unterschenkeln führen. Das ist kein Grund zur Besorgnis.

Von Thomas Meißner

Purpura d'effort - des Läufers rote Beine bei großer Hitze

Die Beine einer 71-jährigen nach langen anstrengenden Märschen durch Italiens Städte bei großer Hitze.

© Müller-Bühl, Heidelberg.

HEIDELBERG. Ob nach langem Wandern oder nach einem Marathonlauf - wenn Effloreszenzen an den Unterschenkeln sichtbar werden, die typischerweise den Sockenbereich aussparen, handelt es sich wohl um die belastungsinduzierte Purpura. Synonyme sind: runner's purpura, exercise-induced vasculitis, purpura d'effort. So berichtet Privatdozent Dr. Uwe Müller-Bühl aus Heidelberg über eine 71-jährige gesunde Frau, die während einer sommerlichen Städterreise durch Italien schmerzlose rötliche Hautverfärbungen bemerkte, und zwar symmetrisch an beiden Unterschenkeln (MMW 2009, 37: 5). Die flächenhaften, konfluierenden Effloreszenzen hörten in Knöchelhöhe auf. Es gab keine Symptome einer Veneninsuffizienz.

Der Ausschlag tritt meist bei Frauen mittleren Lebensalters auf, erläuterte Müller-Bühl. Von Dauerläufern ist bekannt, dass die Hauterscheinungen unter Umständen jucken, schmerzen oder mit Parästhesien einhergehen können. Unter Umständen erfasst die Purpura auch die Oberschenkel (J Am Acad Dermatol 2006, 55: 290). Histopathologisch handelt es sich um leukozytoklastische Vaskulitiden unbekannter Ursache. Vermutet wird eine thermoregulatorische Fehlregulation der Hautvenolen mit Versagen der Muskelpumpe, ohne dass sich etwa sonographisch eine chronisch venöse Insuffizienz findet. Laborchemisch sind keine Blutungsneigungen auszumachen.

Müller-Bühl empfiehlt, die Beine hoch zu lagern und kühl abzuduschen. Im Allgemeinen verschwinden die Hauterscheinungen spontan innerhalb von drei bis zehn Tagen ohne Restpigmentationen. Tritt die Purpura wiederholt auf, helfen womöglich Kompressionsstrümpfe der Klasse 1, zumal es nach Ansicht des Heidelberger Kollegen dann doch allmählich zu strumpfförmigen bräunlichen Verfärbungen der Unterschenkel kommen kann. Andere Spezialisten empfehlen außer der Kompressionsbehandlung vor Belastungsphasen venoaktive Arzneimittel oder topische Steroide, um die Purpura zu vermeiden.

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