Wenn die Hände jucken und schmerzen

Das Chronische Handekzem ist eine entzündliche Erkrankung. Therapeutisch werden zunächst exogene Trigger vermieden - auch zu häufiges Händewaschen. Zur systemischen Therapie steht mit Alitretinoin ein effektives Vitamin-APräparat zur Verfügung.

Von Reimund Freye Veröffentlicht:
Schweres chronisches Handekzem. Die Krankheit ist mit hohem Leidensdruck verbunden.

Schweres chronisches Handekzem. Die Krankheit ist mit hohem Leidensdruck verbunden.

© Basilea

DRESDEN. Das Chronische Handekzem (CHE) bedeutet für die Patienten einen erheblichen Leidensdruck. Außer der ästhetischen Komponente sind zahllose einfache, aber täglich notwendige "Handarbeiten" nicht mehr möglich.

Zudem vergehe häufig viel Zeit bis zur richtigen Diagnose, sagte Dr. Sonja Molin aus München beim Dermatologen-Kongress in Dresden. Und oft folge darauf eine nicht suffiziente Therapie.

Eine Patientin berichtet: Bei ihr entwickelte sich, nachdem sie als Kind bereits unter einer Neurodermitis litt, ab ungefähr dem 12. Lebensjahr eine Handsymptomatik. Am schlimmsten dabei war der Juckreiz. "Deshalb konnte ich oft nachts nicht schlafen. Meist kratzte ich so lange an meinen Händen herum bis der Juckreiz von Schmerzen abgelöst wurde. War ich endlich eingeschlafen, wurde ich durch den Juckreiz wieder wach."

Morgens ging die Tortur weiter: Beim Duschen benutzte die Patientin zwar Gummihandschuhe, weil die Lauge dort aber dennoch hineinlief und unerträgliche Schmerzen verursachte, trug sie unter den Gummihandschuhen Handschuhe aus Stoff. Die heiße Luft beim Föhnen ließ die Hände schwitzen, was wiederum Schmerzen verursachte. Das Aufdrehen des Marmeladenglases stellte eine unüberwindliche Hürde dar.

Die Hand desselben Patienten nach einer 24-wöchigen Therapie mit 30 mg Alitretinoin einmal täglich.

Die Hand desselben Patienten nach einer 24-wöchigen Therapie mit 30 mg Alitretinoin einmal täglich.

© Basilea

Und beim Einkaufen schließlich entwickelte die Patientin Verzögerungstaktiken, damit sie beim Wechseln des Geldes ihre Hände nicht zeigen musste.

Die Patientin war bei über zehn Ärzten, meist Dermatologen, die aber nicht die Diagnose Chronisches Handekzem stellten. Meist wurde eine allergische Reaktion diagnostiziert und oftmals kortikoidhaltige Salbe verschrieben. "Dies brachte nur eine geringe Linderung."

Beim Chronischen Handekzem finde sich häufig eine Misch-Ätiologie, sie stelle aber dennoch eine eigene Krankheitsentität dar, erläuterte die Dermatologin bei einer vom Unternehmen Basilea Pharmaceutica unterstützten Veranstaltung. Das CHE ist eine entzündliche Erkrankung, verursacht durch eine kontakt-allergische, eine kumulativ-toxische und eine atopische Reaktion der Haut.

Therapeutisch werden zunächst exogene Trigger vermieden, auch häufiges Händewaschen. Topisch wird eine Rückfettung der Haut angestrebt. Auch kommen antiseptische Wirkstoffe zur Anwendung, wie - kurzfristig - Kortikosteroide oder Calcineurin-Hemmer.

Als systemische Therapie steht mit Alitretinoin (Toctino®) ein effektives Vitamin A-Präparat zur Verfügung, das den meisten Patienten, so auch der berichtenden Patientin, rasche und anhaltende Linderung ihrer Beschwerden bringt.

Molin empfiehlt einen raschen Beginn dieser systemischen Therapie, wenn mit anderen Maßnahmen keine ausreichenden Resultate erzielt werden.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Wundheilung

Ulcus cruris venosum: Was für die Kompressionstherapie wichtig ist

Das könnte Sie auch interessieren
Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

© David Pereiras | iStock (Symboldbild mit Fotomodell)

Dermatomykosen

Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

© Irina Tiumentseva | iStock

Onychomykosen

Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Symptome, Ursachen und Therapie

© Evgeniya Markina | iStock (Symbolbild mit Fotomodell)

Trockene Augen

Symptome, Ursachen und Therapie

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Arzneimittelbasierte Wundsalben

© AndreyPopov | iStock

Optimale Wundheilung

Arzneimittelbasierte Wundsalben

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Erhöhtes Risiko für immunvermittelte Hautkrankheiten

© supawat bursuk | iStock

Übergewicht bei Kindern

Erhöhtes Risiko für immunvermittelte Hautkrankheiten

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 2: Infusionsschema der REGENCY-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Neue Therapieoption bei Lupus-Nephritis verfügbar

Obinutuzumab verbessert Nierenoutcomes bei Lupus-Nephritis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
Abb. 1-- Zeit bis zum ersten Ereignis (Tod durch jegliche Ursache oder kardiovaskuläres Ereignisb) in der Gesamtpopulation (a) bzw. in der Monotherapie-Population (b).

© Springer Medizin Verlag

Mit Vutrisiran früh kausal behandeln

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alnylam Germany GmbH, München
Abb. 1: Rückgang der generalisierten tonisch-klonischen Anfälle unter Cannabidiol + Clobazam

© Springer Medizin Verlag , modifiziert nach [1]

Real-World-Daten aus Deutschland zum Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom

Cannabidiol in der klinischen Praxis: vergleichbare Wirksamkeit bei Kindern und Erwachsenen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Jazz Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Analyse des Trinkverhaltens

Wie lebenslanger Alkoholkonsum das Darmkrebsrisiko steigert

Lesetipps
Das Zusammenspiel zwischen Vermögensverwalter und Anlegerin oder Anleger läuft am besten, wenn die Schritte der Geldanlage anschaulich erklärt werden.

© M+Isolation+Photo / stock.adobe.com

Geldanlage

Was einen guten Vermögensverwalter ausmacht

Adipostas und deren Folgen sind zu einer der häufigsten Todesursachen geworden.

© Christian Delbert / stock.adobe.com

Leopoldina

Adipositas-Epidemie: Diese Strategien braucht es jetzt

Plaque im Gefäß

© Dr_Kateryna / Fotolia

Metaanalyse

Keine Evidenz für die meisten Statin-Nebenwirkungen